DAS SPORTGEFLÜSTER

Tennis in Erding: Bombe, Schwarzbau, Ziegelbruch

  • Dieter Priglmeir
    vonDieter Priglmeir
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Am Montag wird wieder Tennis gespielt. Eingeschränkt. Ein Problem? Ach was. Dieser Sport hatte schon ganz andere Startschwierigkeiten, erzählt Dieter Priglmeir in seinem Sportgeflüster zum Wochenende.

Hat da wirklich schon jemand Wochen vor der offiziellen Erlaubnis Tennis gespielt? Der Forsterner Alexander Dittrich arbeitet beim Bayerischen Tennisverband (BTV) und erzählt: „Im tiefen Schwaben hat der Abteilungsleiter den Platz hergerichtet. Und weil es bei diesem Verein der Brauch ist, dass der Tennischef die Saison eröffnet, hat er noch schnell ein oder zwei Aufschläge gemacht. Mehr war da nicht, aber das hat halt gleich jemand gesehen und sich beschwert.“

Denunzianten oder doch dämlicher Frühstarter – wir wissen es nicht, und wir wollen dem auch gar nicht mehr nachgehen. Entscheidend ist nur: Endlich geht’s am Montag wieder los. Und ganz ehrlich: Es gab schon schwierigere Startbedingungen.

Nach dem 2. Weltkrieg waren zum Beispiel die Dorfener Tennisplätze eine „Sammelstelle von Wehrmachtsgütern, und das Unkraut überdeckte mit üppigem Trieb das einst leuchtende Rot des Platzes“. So steht’s in der Vereinschronik. 1954 musste dann auf einem in Hausmehring hergerichteten Platz eine Bombe entschärft werden. Und ähnlich gefährlich ging es 1977 zu, als beim Ausbaggern für das damalige neue Sportzentrum ein 20-KV-Kabel abgezwickt wurde.

In den 1980ern wiederum wieherte beim TC Finsing der Amtsschimmel. Weil für den neu gegründeten Tennisclub noch Umkleidekabinen und Aufenthaltsräume fehlten, stellte ihnen Ernst Niedermeier kostenlos einen Bauwagen hin. Seine Clubkollegen strichen den Container grün, bauten eine Küche rein, und schon war aus der Riesenkonserve ein Ersatzsportheim geworden. Zwei Jahre später kam der Blaue Brief vom Landratsamt. Schwarzbau! Der Bauwagen müsse sofort entfernt werden. Was dann folgte, war die hohe Kunst der Diplomatie des Vereins. Der Salonwagen (so die interne Bezeichnung) durfte bis zum Vereinsheim stehen bleiben. „Das mit dem  Bauwagen war schon trickreich“, erinnert sich ein Vereinsmitglied. „Wir  haben ihnr zwar auf die Achsen gestellt, aber die Räder nie weggeworfen. So war es halt kein festes Bauwerk, sondern er blieb immer ein Wagen. Natürlich hatten wir auch einen Wasseranschluss und einen Abwasserablauf. Dieser war aber durchsichtig, den sah man halt nicht so leicht. Und wollte auch nicht gesehen werden.“ 

Vermutlich gibt’s solche Geschichten von nahezu allen Tennisclubs, die in den 1970er und 1980er Jahren ihre Blütezeit hatten. Seinerzeit konnten sie sich ihre Mitglieder aussuchen. Fußball-Legende Sepp Berg etwa musste drei Jahre warten, ehe er beim TC Taufkirchen aufgenommen wurde. Der Verein sei „phasenweise elitär“ gewesen, geben die Vilstaler gern zu und erzählen von Auftritten der Les Humphries Singers.

Längst vergangene Zeiten –die Vereine kämpfen gegen Mitgliederschwund, forcieren wieder die Nachwuchsarbeit und wissen, wie alles mal angefangen hat. Womit wir bei der Forsterner Tennisabteilung wären, die der eingangs erwähnte Alex Dittrich führt. Dass sich der FC bereits 1970 eine Tennisabteilung listen konnte, lag am Arbeitseinsatz seiner Mitglieder. Vor dem Bau der ersten Plätze haben die Pioniere Ziegelsplit und Ziegelmehl in der Ziegelei Neumeier in Hörlkofen selbst gebrochen. „Voller Ziegelstaub kehrten sie am Abend als Rothäute zurück und durften sich erst Wochen später dem Weißen Sport widmen“, schrieb einst der Münchner Merkur. Der Start am Montag dürfte deutlich einfacher sein.

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