Die Besten der Besten nutzen Loipführers Material. Selina Jörg (Bild l.) gewann heuer WM-Gold im Parallel-Riesenslalom sowie Bronze im Slalom. Ramona Hofmeister holte Silber und verteidigte den Gesamtweltcup.
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Die Besten der Besten nutzen Loipführers Material. Selina Jörg (Bild l.) gewann heuer WM-Gold im Parallel-Riesenslalom sowie Bronze im Slalom. Ramona Hofmeister holte Silber und verteidigte den Gesamtweltcup.

Wintersport

Die Wambacher Snowboard-Werkstatt: Viel Gold, wenig Geld

Josef Loipführer freut sich über die Erfolge seiner Sportler. Das Geschäft aber lief mies.

Wambach – Mit einem lachenden und weinenden Auge blickt Josef Loipführer auf die alpine Wintersportsaison zurück: Mit den Renn-Snowboards aus der Werkstatt des Wambachers waren Deutschlands Raceboarderinnen sportlich im Gesamtweltcup und bei der WM „enorm erfolgreich“. Geschäftlich war’s dagegen wegen Corona „ein Totalausfall“.

Die Lifte standen wegen Corona still, die Brettlfans mussten daheim bleiben und brauchten keine neue Ausrüstung. Unterwegs war nur der Weltcup-Skizirkus. Dabei gab’s bei den Boardern nicht ein Weltcuprennen ohne deutsche Beteiligung auf dem Siegerpodest, freute sich Loipführer, der offizieller Ausrüster der Snowboard-Damen im deutschen Nationalteam ist und alljährlich 60 seiner Boards für den Kader fertigt.

Das Ein-Mann-Unternehmen „Ski Sport Loipführer“ hat einen ausgezeichneten Namen in der Snowboard-Welt. Vor sieben Jahren habe er mit der Produktion angefangen und die Brettl immer wieder verbessert, erzählt er. Inzwischen fertigt er jedes Jahr bis zu 250.

WM-Gold und Weltcup-Triumph

Schon bei den Winterspielen 2018 in Pyeongchang vertraute Deutschlands Damennationalteam auf die Rennboards des Wambachers und holte damit Olympia-Silber und -Bronze. Und heuer wurde es noch besser. Selina Jörg gewann WM-Gold im Parallel-Riesenslalom. Im Parallelslalom gab’s Silber und Bronze für Ramona Hofmeister und Selina Jörg.

Zudem verteidigte Hofmeister vor zwei Wochen in Berchtesgaden den Sieg im Gesamtweltcup. Das sei erstaunlich, so Loipführer, denn einen zweimaligen Sieg der großen Kristallkugel nacheinander gab’s bisher nicht. „Sportlich hätte es besser nicht laufen können.“

Vom Herrenteam gab’s dagegen keine Erfolgsmeldungen. „Die fahren ein anderes Material“, sagt Loipführer. Noch. Denn bei einem kürzlichen Besuch von „Offiziellen“ in Wambach hätten nun auch die Raceboarder „großes Interesse“ an den Loipführer-Spezialboards gezeigt, war zu hören. Amateurboarder haben übrigens laut Loipführer mit den Profi-Brettl keine Freude, da sie damit schwer zurecht kämen.

Der große Snowboard-Hype habe in den vergangenen zehn Jahren merklich nachgelassen und sich auf einem gewissen Level eingepegelt, beobachtet Loipführer. Boarden sei offenbar „nicht mehr so interessant, weil man auf der Piste heute nicht mehr so auffällt wie früher und Snowboarden ja auch anstrengend sei“, vermutet der Wambacher. Den Rückgang habe er an den Verkaufszahlen festgestellt. Dafür sei nun in Japan zu beobachten, dass es dort fast mehr Boarder als Skifahrer gebe, und auch in Russland werde Snowboarden immer beliebter.

Seine Haupteinnahmen erziele der Wambacher allerdings mit dem Verkauf seiner eigenen Ski-Produktion „Loipführer“, Langlaufskiern und Wintersportzubehör. Da sei heuer aber gar nichts gegangen, und als reiner Wintersportausrüster habe er auch im Sommer kein Geschäft.

Misere überbrückt mit Eigenmitteln

Zu den staatlichen Corona-Hilfen meinte Loipführer: „Was die Regierung da macht, ist teilweise lächerlich. Viele haben im März immer noch keine Hilfe ausbezahlt bekommen.“ Er rechnete vor, wenn er etwa 20 Euro unter dem Einkaufspreis verkauft hätte, dann wäre nicht nur nichts verdient, sondern es wären noch 20 Euro Minus. Und nur diese 20 Euro wären als Coronahilfe ersetzt worden. Dazu müsse man viel zu komplizierte Anträge stellen, was ohne Steuerberater gar nicht möglich sei, ärgert sich der Geschäftsmann. Bei den Coronahilfen seien viele durchs Raster gefallen, nicht wenige stünden vor dem Aus ihrer Geschäfte.

Er selber habe die wirtschaftliche Misere aus Eigenmittel überbrücken können, aber „no amoi braucht’s des ned“, meint Josef Loipführer. Er wünsche sich daher mit Blick nach vorne auf den Winter 2021/22: „So fui Schnee wia heuer im Winter wäre super. Dass alle geimpft sind in Europa, und dass mehr möglich ist auf offenen Pisten“

VON HERMANN WEINGARTNER

Der Brettlspezialist: In seiner Wambacher Werkstatt produziert Josef Loipführer kleine Serien-Snowboards für den Profi-Skisport und seine alpine Ski-Marke Loipführer.

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