DAS SPORTGEFLÜSTER

Wal-Meditation vor dem Kickboxen

  • Dieter Priglmeir
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Sport und Musik - das gehört einfach zusammen. Die ganz Harten haben Rammstein, Heino und Andrea Berg auf den Ohren, verrät Dieter Priglmeir in seinem Sportgeflüster vom Wochenende. 

Musik beim Sport? „Gibt’s nur beim Tanzen“, sagte unser E-Jugend-Trainer, bevor er uns vier Aufwärmrunden laufen ließ. Im Kraftraum – ich wiederhole: Wir waren E-Schüler – ließ er dann tatsächlich Rockys Titelmelodie zu. Irgendwie war’s okay. Das war eben 1976. Es gab ja noch nicht einmal den Walkman.

Fast ein halbes Jahrhundert später – ich bin noch immer nicht taub, obwohl das besagter Trainer uns „Disco-Generation“ immer bescheinigte – hat jeder Sportler seine iPods oder sonstige Stöpsel im Ohr. Selbst die Schützen wie Maxi Dallinger, der „absolut situationsbedingt“ von Beatles über Queen, Hardrock, aber auch auch Samra oder KontraK hört. „Bei Wettkämpfen hat jeder seine eigene Playlist“, erzählt er. Aber meistens laufe es eine Stunde vor Wettkampfbeginn auf motivierenden Deutsch-Rap raus, „Hauptsache, es ist schön dicker Bass drin.“ Ist halt Geschmacksache. Nur so lasse sich die Playlist eines Kollegen erklären, die ausschließlich aus Heino-Liedern bestand. Dallinger: „Ich weiß nicht, ob er sich damit betäubt und sich völlig in Trance versetzt hat, aber da würde ich absolut resignieren.“

Welche Beats treibt eigentlich Amelie Zachenhuber an? Verrät sie nicht. „Wettkampflieder sind bei mir geheim“, sagt sie lachend. In Verzückung gerate sie bei „I Gotta Feeling von Black Eyed Peas“, denn das lief in Dauerschleife beim European Youth Olympic Festival.

Kommen wir von der Schwimmerin zur Wal-Meditationsmusik.Kickbox-Europameisterin Emma Winter schwört darauf. „Das hilft mir, wenn ich nervös bin, mich auf mich selbst zu konzentrieren und mich mental auf den Kampf vorzubereiten.“ Laute aggressive Musik würde sie nur noch unruhiger machen. Im Training höre sie dagegen relativ ungern Musik. Hin und wieder AC/DC, „das pusht dich, wenn du eine halbe Stunde im Wechsel Sandsack und Schattenboxen auf dem Programm hast“.

So sieht’s (oder hört es) auch Oliver Zeidler, Ruder-Weltmeister, aber „musiktechnisch relativ langweilig“. wie er selbst eingesteht. Oasis, Green Day, Linkin Park und eben AC/DC hätten sich beim Training bewährt. Es wird ihm keiner widersprechen. Wie gesagt, der Mann ist Welt- und Europameister.

Fast schon eine Wissenschaft ist dagegen die Musikauswahl bei den Pastettener Aerobicturnerinnen. Trainerin Ramona Hartinger hält es für sehr wichtig, „das richtige Genre zum jeweiligen Training zu hören. Bei Kraft und Ausdauer braucht man die Energie der Musik, und für Dehnung und Entspannung beruhigen die Klänge und Rhythmen“. Deshalb: Rock fürs Zirkeltraining, Klassik für Haltung oder Ballett, Yogamusik für die Entspannung.

Und manchmal kommt’s ganz anders.Hartinger erinnert sich an die deutsche Meisterschaft, als die Teams in der Hochkonzentrationsphase waren und es plötzlich aus der Box eines anderen Vereins rauschte: „Es rappelt im Karton, ton ton ton ...“ Die ganze Aufregung sei wie weggeblasen gewesen.
Und nach dem Wettkampf? „Da laufen im Bus auf der Heimfahrt Schlager und Partymusik, und es wird gefeiert.“ „Herzbeben“ von Helene Fischer sei das Pastettener Feierlied geworden.

Die Helden der Altenerdiner Fußballer sind die Jungs von der Spider Murphy Gang.„Das haben wie immer wir vor den Spielen gehört“, erzählt Benedikt Bauer, der inzwischen für die Hachinger B-Jugend kickt, bei denen nach dem Spiel wiederum Volksfestlieder gesungen werden, „natürlich nicht immer alkoholfrei“, gibt der Altenerdinger zu. Sehr nett: Bei Siegen der SpVgg ertönte Over the Rainbow.

Und was machen die harten Jungs vom American Football?Die Coaches „pushen“ die Erding Bulls mit einer entsprechenden Ansprache. „Dann ist Ruhe in der Kabine, und es läuft ein Soundtrack aus ,Transformers IV‘. Da konzentriert und motiviert sich jeder für sich“, erzählt Pressesprecherin Eva Lütcke. Beim Einlaufen ins Stadion wird’s härter: „Destroyer“ von Parkway Drive oder „Feuer Frei“ von Rammstein.

Aber auch die Bulls haben eine weiche Seite. Tight End Thomas Hausler gibt zu, dass er nach einem hart erkämpften Sieg unbedingt die Backstreet Boys hört: „I want it that way“. Ist doch auch seine Sache.

Schuldlos ist dagegen Box-Profi Simon Zachenhuber,wenn sein Trainer Conny Mittermeier sich für – sagen wir mal ungewöhnliche – Musik entscheidet. „Da haben wir uns im Sparring schon das ein oder andere Mal zu Modern Talking auf die Nase gehauen“, erzählt Zachenhuber. „Auch in der Kabine vor dem Kampf wurden mir schon zu Andrea Berg die Hände bandagiert.“ Für den Reisener ist das kein Problem: „Für mich ist nur wichtig, dass es nicht völlig still ist und gute Stimmung herrscht.“

Wenig überraschend ist, dass Annalena Hennig für jede Situation genügend Songs hat. Mit ihren Mädels von der Cheerleading-Nationalmannschaft lässt sie beim Krafttraining „Baby Shark“ laufen. Zu „Helikopter 117“ haben sie sich einen lustigen Tanz einfallen lassen. Zum Pushen gibt’s „Daylight in your eyes“. Und mit der Garde hatte sie einen Riesenspaß mit dem Watzmann-Klassiker „Auffe aufn Berg.“

Apropos Berg: Was macht man, wenn man ganz oben ist?Bei Siegerehrungen bleibe „We are the champions“ unerreicht, verraten die Sportler unisono. „Ein Hoch auf uns“ entwickle sich zum neuen Klassiker.Und darüber würde sich August Heinrich Hoffmann von Fallersleben freuen:„Atemberaubend ist es“, so sagt Aerobictrainerin Ramona Hartinger, bei deutschen Meisterschaften zu stehen und die Nationalhymne mitzusingen. „Da hat man als Sportler wirklich eine Gänsehaut.“ Das hätte vielleicht sogar unserem damaligen E-Jugendtrainer gefallen.

DIETER PRIGLMEIR

Sport und Musik

gehört einfach zusammen

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