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Die wildesten Sprünge sind ganz nach dem Geschmack von Jil Lehnert. Egal ob im Alpbachtal oder sonstwo – die 17-jährige Wartenbergerin liebt den furiosen Ritt über die steilsten Hänge Europas. Derzeit hält sich die Mechatronik-Studentin zuhause in Wartenberg fit und hört sich i hre Vorlesungen aus der Uni in Innsbruck online an. Aber schon jetzt freut sie sich wieder auf die kommende Saison mit der Weltmeisterschaft als Höhepunkt.

Wilde Worldtour, wohliges Wartenberg

Jil Lehnert: Deutschlands beste Freeriderin hält sich zuhause fit

  • Dieter Priglmeir
    vonDieter Priglmeir
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Jil Lehnert studiert von Zuhause aus. Weil ihre Uni in Innsbruck geschlossen ist. Doch fit halten muss sie sich auch. Und das ist gar nicht so einfach.

Wartenberg – Jil Lehnert studiert Mechatronik in Innsbruck, aber es hätte auch irgendwas anderes sein können. „Die Uni in den Bergen ist mir wichtiger als mein Studienfach“, gestand sie vergangenes Jahr lachend. Momentan scheint Österreich alles andere als das geeignete Land für irgendetwas zu sein. Aber solche Kurzzeitaufnahmen sind nicht die Sache der Wartenbergerin, die auch in dieser Saison Deutschlands beste U18-Freeriderin war und die Freeride Junior Tour auf Platz fünf abschloss.

Momentan ist Jil Lehnert zuhause. „Unsere Uni hatte sehr schnell reagiert, schon nach den ersten Verdachtsfällen den Technik-Campus geschlossen und auf Fernlehre umgeschaltet“, erzählt Lehnert. Sie sei also schon wieder daheim gewesen, als die Corona-Krise in Österreich so richtig Fahrt aufnahm.

Mountainbiken statt Skitouren

Die Vorlesungen verfolge sie nun online. Mit ihrem Vater und ihrem Bruder hält sie sich mit Laufen fit. „So zwischen fünf und zehn Kilometer“ seien ihre Strecken. Joggen sei nicht ihr Lieblingssport. Auf dem Rad habe sie deutlich mehr Spaß. „Die Gegend um Wartenberg ist fürs Mountainbiken sehr gut geeignet“, erzählt die 17-Jährige, die aber auch zugibt: Ohne Corona würde sie deutlich mehr tun. Besser gesagt: Sie könnte dann einfach auch mehr tun. Die Radstrecken rund um Innsbruck wären deutlich intensiver als im wohligen Wartenberg. „Ich könnte auch ins Fitness-Studio gehen.“ Und natürlich wäre sie auch noch mit den Brettern in den Bergen. 

Ohnehin kam die Studentin trotz der verkürzten Skisaison bis Anfang März auf über 60 Skitage. Das liege eben auch daran, erzählt ihre Mutter Bettina, „dass Jil nicht selten abends nach der Uni noch mit der Stirnlampe auf eine Skitour geht“. Der Ritt übers weiße Gold – das ist bei Lehnerts genetisch vererbt. Für die Rennfahrerin vom SC Auerbach geht es eben nicht nur um Zeiten. Beim Freeriden werden neben der Geschwindigkeit auch Technik, Sprünge und die Linienwahl gewertet. Spektakuläre Sprünge über hohe Felsen und rasante Steilabfahrten sind für die Zuschauer schön anzusehen – und für die Wettkampfrichter ein Entscheidungskriterium.

Fünfte der Gesamtwertung

Und mit Jil Lehnert waren die Juroren in dieser Saison äußerst zufrieden. Bei der Freeride Junior Tour gewann sie in Kappl im Paznauntal. Sie wurde Zweite im Alpbachtal, am Nebelhorn in Oberstorf und in Fieberbrunn. In der U18-Gesamtwertung waren nur die drei Französinnen Astrid Cheylus, Zoe Delzoppo und Manon Loschi sowie die Neuseeländerin Lola Crump besser.

Besonders stolz ist die Wartenbergerin auf das Ergebnis in Fieberbrunn, als der letzte Junior Contest zusammen mit der Freeride World Tour ausgerichtet wurde. „Da waren wirklich die Besten der Besten dabei. Ein Drei-Sterne-Wettbewerb, den sich niemand nehmen lassen will.“ Für die Studentin passte an diesem Tag alles: strahlender Sonnenschein und 20 cm Neuschnee. Ihre schnelle, flüssige Abfahrt, kombiniert mit einer Vielzahl kontrollierter und technisch sauberer Sprünge auf dem steilen Hang am Wildseeloder konnte nur eine noch toppen: Cheylus, die französische Gesamtsiegerin der Tour.  

Eine noch besser – das konnte Jil Lehnert wahrlich verschmerzen. Sie hatte einer tollen Saison 2018/19 eine noch bessere folgen lassen – und das, obwohl sie im vergangenen Frühjahr eine schwere Operation hatte. Beim Versuch eines 360er hatte sich Lehnert die Schulter ausgekugelt. Danach fuhr sie noch bei der WM auf Platz drei, ehe sie sich unter Messer legte.

Ziel für 2021: Wieder eine WM-Medaille

Die Operation verlief gut. Aber Geduld war angesagt. „Es hat ewig gedauert, bis die Gelenke wieder belastbar waren“, erzählt Lehnert. Viel Muskelaufbau-Arbeit sei nötig gewesen. War es schwer, danach wieder Vollspeed zu geben? „Eigentlich hatte ich bei jedem anderen Sport meine Verletzung im Hinterkopf, aber nicht beim Skifahren“, erzählt die Studentin. „Beim Freeriding musst du an so viele andere Dinge denken. Da verdrängst du das.“ Außerdem habe sie schnell gemerkt, dass die Schulter keine Probleme bereite.

Der Körper ist stabil. Das ist der medizinische Teil der Saisonbilanz. Der sportliche: „Ich habe mich sicher in allen Bereichen 100-prozentig gesteigert. Beim Springen bin ich zum Beispiel viel sicherer geworden.“ Und sie könne ihr höchstes Level immer abrufen. „Beim Contest bin ich inzwischen genau so schnell und technisch sauber wie im Training.“

Umso bedauerlicher sei natürlich das Corona-bedingte vorzeitige Saisonende. Jetzt blickt Jil Lehner auf die nächste Saison. Mit den guten Resultaten hat sie sich bereits für die WM im kommenden Jahr qualifiziert. „Da möchte ich wieder aufs Podest fahren“, sagt die Wartenbergerin selbstbewusst.

Dieter Priglmeir

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