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Er ist zurück - und macht Laune: Tomas Pacina (l.) mit seinem Trainerkollegen Robert Steinmann.

Eishockey – Trainer Tomas Pacina

Der Weltenbummler zu Besuch in Erding

  • Wolfgang Krzizok
    vonWolfgang Krzizok
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Erding – So kurios es klingen mag: Mit einer Tennispartie in der Gerlspeck-Halle in Erding begann für Tomas Pacina die Karriere als Eishockeytrainer. Mittlerweile ist der 48-jährige Tscheche bei einigen NHL-Clubs tätig gewesen. Nach 22 Jahren in Nordamerika ist er für eine Woche wieder als Coach beim TSV Erding im Einsatz.

Tomas Pacina wurde in Prag geboren und war als junger Bursche eine Zeit lang als Tennisprofi unterwegs, bis er 1990 einen Anruf von einer tschechischen Tennis-Kollegin bekam. Sie arbeitete in der Gerlspeck-Halle in Erding als Trainerin, hatte aber zeitliche Probleme. „Da fragte sie mich, ob ich nicht kommen und ihr ein paar Termine abnehmen könnte“, erzählt Pacina. „Die Chefin in der Halle war die Eva, ebenfalls eine Tschechin, das hat dann gut gepasst.“

Einer seiner Schützlinge war damals übrigens ein kleiner Bub namens Attila Babos. „Sein Vater hatte ihn zu mir gebracht“, erinnert sich Pacina. „Er war ein absoluter Anfänger, aber er hatte einen unglaublichen Willen.“ Schon damals habe sich gezeigt, dass er einen „super Charakter“ habe. „Der war immer gut drauf, und ich habe mich immer auf die Stunde mit ihm gefreut.“ Dass Babos in seinem Metier heute hier im Landkreis und darüber hinaus so erfolgreich ist, wundere ihn nicht.

1992 hatte Pacina dann das entscheidende Erlebnis, das sein Leben komplett verändern sollte. Er spielte Tennis mit dem damaligen Erdinger Eishockey-Chef Toni Michl. „Daran kann ich mich noch genau erinnern“, sagt der Tscheche. Michl habe noch einen Nachwuchstrainer gebraucht, die Erdinger Eissporthalle war gerade neu gebaut worden, und ihn gefragt, ob er denn nicht einsteigen wolle. Pacina, der als Kind einige Jahre bei Sparta Prag gespielt hatte, meinte, dass er vom Eishockey eigentlich nichts wüsste, aber Michl habe ihm in seiner humorvollen Art entgegnet: „Macht nix. Du musst nur auf Schlittschuhen stehen können.“

Und so hat er unter den beiden Trainern Rudi Hejtmanek und Hans Huber angefangen. Erst mit den ganz Kleinen – einer seiner Spieler war Felix Schütz, damals noch nicht einmal fünf Jahre alt. „Ich habe mich auf Anhieb in die Arbeit als Eishockey-Trainer verliebt“, erzählt Pacina. „Ich habe mit dem Tennis aufgehört und wollte unbedingt professioneller Eishockey-Trainer werden, von denen es in Deutschland damals noch nicht viele gab.“

Als TSV-Cheftrainer Hejtmanek während der Saison 1992/93 als Coach der Oberligamannschaft gefeuert worden war, kam der Landshuter Toni Steiger als Interims-Trainer. Ihm wurde Pacina zur Seite gestellt. „Da der Toni unter der Woche kaum Zeit hatte, musste ich regelmäßig das Training der Ersten leiten, ohne große Erfahrung. Da bin ich richtig ins kalte Wasser geworfen worden“, erinnert sich der Tscheche.

Als er später mit einem Nachwuchsteam in Kanada war – mit in der Mannschaft unter anderem Axel Schütz und Sven Schubert – sei in ihm die Überzeugung gereift, nach Nordamerika zu gehen und dort sein Glück zu versuchen. Der Abschied ist Pacina nicht leicht gefallen. „Die Zeit in Erding war eine der wichtigsten in meinem Leben, und deshalb ist meine Verbindung hierher immer noch so stark“, sagt er rückblickend. „Dabei waren es nur zwei Jahre, die mir aber wie fünf vorgekommen sind.“

Die Calgary Midget Royals waren Pacinas erste Trainerstation in Kanada. Ein alter Freund aus Tschechien, Slavomir „Slava“ Lener, war damals Assistant Coach beim NHL-Club Calgary Flames. Dort durfte er dann hospitieren. „Ich habe mir auch andere Mannschaften und andere Trainer angeschaut und habe mir Übungen aufgeschrieben, weil ich mich immer verbessern wollte“, erzählt der 48-Jährige.

Bis der Ruf seines Spezls Jiri Ryzuk kam, der in Grafing Trainer war. Also kehrte Pacina zurück und übernahm für ein Jahr die Junioren des EHC Klostersee: „Das war eine super Mannschaft damals, mit dem Erdinger Schubert im Tor.“ Aber nur ein Jahr später lockte das Projekt „European Bauer Pioneers“ – eine deutsche Juniorenmannschaft, die dank Sponsorengeldern eine Saison durch Nordamerika tingelte und viele Spiele absolvierte. Manager war damals Franz Fritzmeier sen., Trainer Tomas Pacina. Mit im Team waren unter anderem der heutige Nationalspieler und NHL-Crack Dennis Seidenberg sowie Franz Fritzmeier jun., aktueller Cheftrainer bei den Krefelder Pinguinen in der DEL.

Bei der Calgary Minor Hockey Association absolvierte Pacina danach eine Trainerausbildung und begann, mit Kindern zu arbeiten. „Da haben mich dann Leute angesprochen, ob ich nicht außerhalb des Trainings individuell mit ihnen arbeiten könnte, und so begann meine Karriere als Skills-Coach.“ Beim Skill gehe es ums Laufen, Passen und Schießen, also um die Grundelemente des Eishockeys. „Auch NHL-Spieler brauchen das. Nur muss ich denen natürlich nicht sagen, was sie tun müssen, sondern ich stelle viele Fragen, wir analysieren anschließend gemeinsam, und das Ganze läuft im mentalen Bereich ab.“ So war der Tscheche in den folgenden Jahren als Skills-Coach bei der kanadischen Männer- und Frauennationalmannschaft tätig (1999 bis 2001), den New York Rangers (2000 bis 2005), den Florida Panthers (2006 bis 2009), den Montreal Canadiens (2009 bis 2011) und zuletzt beim aktuellen Stanley-Cup-Sieger Pittsburgh Penguins.

Vom großen Triumph hatte der 48-Jährige aber letztlich nichts, „denn im Dezember ist Trainer Mike Johnston entlassen worden, und da ich zum Trainerstab gehörte, wenn auch nicht fest angestellt, musste ich auch gehen“. Nebenbei trainierte Pacina auch noch neun Jahre lang eine Profi-Frauenmannschaft. Noch nie sei er fest in einem Trainerstab angestellt gewesen, war immer nur als Selbstständiger unterwegs. So werde er nächste Saison auch wieder für die Portland Winterhakws im Einsatz sein, für die er schon vor seiner Pittsburgh-Zeit tätig war.

„Ohne Toni Michl wäre ich nicht das, was ich heute bin.“

Als ihn Axel Schütz gefragt habe, ob er denn nicht mal bei einem Trainingscamp in Erding mitmachen könne und wolle, habe er sofort Ja gesagt. Nach 22 Jahren ist er jetzt erstmals wieder hier und stellt fest: „Erding hat sich sehr verändert.“ Nun steht er mit dem TSV-Nachwuchs eine Woche lang auf dem Eis und gibt sein Wissen weiter.

Besonders freut ihn, dass einige seiner früheren Schützlinge wie Bernhard Bittel, Sven Schubert oder Axel Schütz sich heute als Übungsleiter engagieren. „Das ist eine Auszeichnung für einen Coach, wenn seine Jungs später ebenfalls Trainer werden.“ Pacina hofft, dass es gelingt, „dass wir eine tolle Lebeneinstellung in den Verein hineinbringen“. Sehr traurig findet er es, dass er den kürzlich verstorbenen Toni Michl nicht mehr habe treffen können. „Er hat mich immer unterstützt und hat immer an mich geglaubt“, sagt der 48-Jährige nachdenklich. „Ohne den Toni wäre ich nicht das geworden, was ich heute bin.“

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