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Viel Zeit in der Natur verbringt derzeit Buchenlaub-Schütze und Jäger Markus Kastl. Im Lockdown macht er oft Spaziergänge mit seiner Frau Annemarie (Bild oben, v. l.), den Töchtern Theresa und Sophie sowie deren Islandpferd Snorri.

Schützen

Wenn die Waffen verstauben

Im Lockdown widmen sich die Schützen von Buchenlaub Buch auch anderen Hobbys

Buch am Buchrain – Der zweite Lockdown hat die regionale Sportbranche erneut hart getroffen. Schädlich ist das aktuelle Trainingsverbot für die sportlichen Leistungen und die dafür notwendige Konzentration, bestätigen mehrere Bucher Buchenlaubschützen. Viele von ihnen weichen auf andere Sportarten aus.

Besonders betroffen hat die Corona-Krise freilich die Vereinsspitze, welche die neue Situation bewältigen musste. Beliebte Termine wie das Ostereierschießen, die Sonnwendfeier oder der Jahresausflug fielen komplett aus. Der mit vielen Regeln verbundene Sportbetrieb im Sommer und Herbst klappte aber gut, wie mehrere Mitglieder erzählen. Beispielsweise wurde nur jeder zweite Schießstand belegt. Auch Schützenmeisterin Marianne Köck (62) ist zufrieden, sagt aber: „Es war wirklich sehr viel Aufwand.“

Dass Rundenwettkämpfe als Fernwettkampf ausgetragen werden, bei denen jeder Verein die Ergebnisse auf Vertrauensbasis meldet, war ganz in Buchs Sinne. Köck hatte dies bereits für ihre Schützen beantragt, bevor die Regelung flächendeckend eingeführt wurde.

Die Schützenmeisterin selbst hat dieses Jahr nach eigenen Angaben sehr wenig trainiert. „Ich war zwar immer da, aber musste ja aufpassen, dass alles funktioniert.“ Zwar seien einige Mitglieder dem Schießstand wegen der Corona-Lage fern geblieben. Die 62-Jährige freute sich aber über den regelmäßigen Besuch mehrerer Kinder. Auch neue junge Schützen seien dazugekommen.

Seit acht Jahren bei den Buchenlaubschützen und Mitglied der Luftgewehrmannschaft ist Moritz Heinke. Im Sommer besuchte der 18-Jährige stets die beiden Trainingstage. Die ersten Schießergebnisse nach dem ersten Lockdown seien etwas schlechter ausgefallen, aber nicht gravierend. „Das ist ein bisschen wie Fahrradfahren: Man wackelt am Anfang etwas, aber kommt dann schnell wieder rein“, findet Heinke.

Dass er tatsächlich nach wenigen Trainings wieder auf dem früheren Level war, hat Georg Vital beim diesjährigen Königsschießen eindrucksvoll bewiesen. Der 80-Jährige siegte bei den Bogenschützen, die bei gutem Wetter draußen trainieren. Schon nach ein paar Übungseinheiten habe sich im Sommer die Treffsicherheit wieder verbessert, berichtet Vital.

„Im Grunde genommen sind die Waffen heuer fast verstaubt“, sagt Anton Eisner über seine diesjährige Trainingsbilanz. 2019 wurde der Bucher noch Zweiter bei den bayerischen Seniorenmeisterschaften mit dem Luftgewehr. Heuer hielt sich der 72-Jährige wegen Corona etwas bedeckter. Als der Traditionsschütze im Sommer doch mal seine verbliebenen Qualitäten testete, war er recht zufrieden. „Ich habe von meiner Erfahrung gezehrt“, berichtet Eisner lächelnd. „Beim Durchschnitt gibt es sicher leichte Einschränkungen, wenn man nicht mehr trainieren kann.“

Markus Kastl sieht das Problem des zweiten Lockdowns nicht in einer möglicherweise verschlechterten sportlichen Leistung. Der 43-Jährige hat eher Sorge, nach Corona Mitglieder verloren zu haben. „Die Gefahr ist schon da, vor allem bei den Jungen. Die Leute sehen jetzt monatelang, dass es auch anders geht und ohne den Verein.“

Das Mitglied der Bezirksoberliga-Mannschaft war heuer wegen der Pandemie zurückhaltender beim Training. Über die eigene Leistung im Sommer nach der längeren Pause war Kastl selbst etwas überrascht.

Die Lockdown-Zwangspause deutlicher gespürt hat Anton Feichtlbauer. „Ich war so schlecht am Anfang“, gibt der 58-Jährige lachend zu. Ein halbes Jahr lang war er 2020 nicht mit seiner Pistole im Schützenheim. „Konzentration und Routine müssen sich bei den Meisten erst wieder etwas aufbauen“, ist der zweite Schützenmeister überzeugt.

Ebenso etwas weniger präsent wegen Schul- und Lernverpflichtungen war FOS-Schülerin Lisa Garhammer. Dies habe sich bemerkbar gemacht, als sie im Herbst an den Schießstand zurückkehrte, erzählt das Mitglied des zweiten Luftgewehrteams. Immerhin bei einem Rundenwettkampf konnte die 18-Jährige vor dem erneuten Lockdown mitwirken. „Man wird danach sicher wieder etwas brauchen, bis man wieder reinkommt.“

Durch die Bank begrüßen alle Buchenlaub-Mitglieder die Entscheidung des Schützenbundes, dass bei diesjährigen Wettkämpfen der Auf- beziehungsweise Abstieg ausgesetzt wird. „Das ist absolut nachvollziehbar und hätte ja sonst auch keinen Sinn“, meint Eisner. „Das ist das einzig Richtige, das sie machen konnten“, stimmt ihm Kastl zu. Der 43-Jährige vermisst den Sport, „aber wenn wir in einem Jahr etwas verzichten müssen, ist es halt so. Das geht wieder vorbei.“

Kastls Freizeithobby, das sonst oft zu kurz kommt, ist die Jagd. Durch die Zwangspause bei Schützen und Jagdhornbläsern ist er nun häufiger im Wald. Seine Frau Annemarie ist Schriftführerin des Vereins und hat sich schon vor Corona etwas aus dem Wettkampf-Geschehen zurückgezogen. In ihrem Amt gab es 2020 durch die ausgedünnte Programm-Agenda weniger Arbeit. Bereits im Frühjahr begleitete Annemarie ihren Mann mit den gemeinsamen Töchtern Sophie und Theresa sehr häufig in den Wald, samt Islandpferd Snorri: „Das haben wir schon im ersten Lockdown richtig ausgenutzt.“

Und wie halten sich die anderen Buchenlaubschützen fit? Vital ist viel im Garten oder an der frischen Luft. Der Turnkurs von Schützenchefin Köck findet derzeit nicht statt. Sie geht stattdessen viel spazieren oder fährt Rad. Auch ihr Stellvertreter unternimmt ausgedehnte Radtouren im Gemeindegebiet und darüber hinaus. Feichtlbauer ist außerdem gern in den Bergen.

Eisner hat heuer bereits beim Hausbau seiner Tochter geholfen und macht zu Hause etwas Kraft-Ausdauer-Training („Wer rastet, der rostet“). Garhammer unterstützt nicht nur tatkräftig im familiären Getränkemarkt, sondern trainiert viel im heimischen Sportraum oder reitet in Hammersdorf. Heinke war in den wärmeren Monaten öfter joggen. Momentan fehlt ihm noch ein alternativer Ausgleich zum Schützentraining, erzählt der angehende Abiturient.

Alle Mitglieder vermissen jedoch den Kontakt zu anderen Vereinsanhängern, wie sie betonen. Der Vorstand wich schon einmal auf eine Telefonkonferenz aus, um in Kontakt zu bleiben, berichtet Köck. Engere Bekanntschaften pflegen andere Schützen mit Anrufen oder digitalen Nachrichten. Oft gibt es nur zufällige Zusammenkünfte beim Einkaufen im Ort. „Es fehlt schon, die Leute nicht zu sehen. Deswegen ist man ja auch im Verein“, sagt Heinke. Eisner ergänzt: „Es geht ja nicht nur ums Schießen.“ Wann sich die Buchenlaubschützen wieder öfter sehen werden, steht noch in den Sternen. „Richtig losgehen wird es aber wohl erst wieder im Frühjahr“, befürchtet Kastl.

 MARKUS OSTERMAIER

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