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Florian Betzl und Sepp Wiesmeier (r.) bei ihrem Sieg in Herxheim 1969. 

SERIE: DIE 100 GRÖSSTEN SPORTLER IM LANDKREIS ERDING: FLORIAN BETZL/SEPP WIESMEIER

„Wir haben uns blind verstanden“

  • Wolfgang Krzizok
    vonWolfgang Krzizok
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Florian Betzl und Sepp Wiesmeier aus Eichenried, mischten Ende der 60er-Jahre die Motorrad-Seitenwagen-Szene auf. Sie belegen Platz 91 in unserer Rangliste.

Eichenried – „In Eichenried waren damals lauter Narrische“, sagt Florian Betzl (83) und lacht. „Viele Motorradfahrer aus der Umgebung sind gekommen, viele Ismaninger, viele Seitenwagen-Fahrer.“ Das passende Gelände, wo die Motorsportler trainierten, war die Gruber-Wiese. „Da ist es den ganzen Tag rund gegangen – und kein Mensch hat sich aufgeregt“, ergänzt Sepp Wiesmeier (76). Auch der junge Karl Maier, der später viermal Langbahn-Weltmeister wurde, sammelte hier seine ersten Erfahrungen auf der Rennmaschine.

Florian Betzl und Sepp Wiesmeier zählten Ende der 1960er Jahre zu den besten Gespannfahrern im süddeutschen Raum. Während Wiesmeier ein gebürtiger Eichenrieder ist, stammt Betzl aus der Nähe von Wasserburg, kam aber schon 1964 nach Eichenried und wollte „nichts anderes als Motorrad fahren“ – vor allem mit dem Gespann.

Das war alles andere als einfach, gab es doch nur so genannte Schwenker-Gespanne. Dabei bringt der Beifahrer im Seitenwagen mit einem großen Lenkrad das Motorrad am Kurveneingang in Schräglage, um es am Kurvenausgang wieder aufzurichten. „Der Beifahrer war ganz wichtig“, erklärt Betzl, und Wiesmeier korrigiert: „Wenn das Rennen läuft. Beim Start war der Fahrer wichtiger.“ Wenn das Gespann nach dem Start in Führung lag, habe man ein wenig taktieren können, zum Beispiel bereits etwas vor der Kurve eingedreht, damit innen keiner durchkommen konnte. Der Beifahrer musste stets die Konkurrenten im Auge haben. „Ganz wichtig war, dass der Beifahrer den gleichen Gedanken hat wie der Fahrer, vor allem, wenn man hinten gelegen ist“, erklärt Betzl. „Und beim Rausfahren aus der Kurve durfte der Beifahrer nicht übersehen, rechtzeitig wieder aufzudrehen.“ Gerade wenn man nicht in Führung lag, sei dies nicht ungefährlich gewesen, „weil da hat man den Dreck ins Gesicht gekriegt und nichts gesehen“, erinnert sich Wiesmeier. „Aber wir haben uns blind verstanden, wir sind ja auch lange miteinander gefahren.“ Der 83-jährige Betzl ergänzt: „Du musstest Vertrauen haben.“

Sepp Wiesmeier und Florian Betzl (v.l.) mit zwei Siegerpokalen aus den 60er-Jahren.

Umso unbegreiflicher aus heutiger Sicht ist es, dass Fahrer oft mit ihren Maschinen alleine zu Rennen anreisten und sich erst an Ort und Stelle einen Beifahrer organisiert haben. So erinnern sich beide an ihre Anfänge im Seitenwagen beim Eichenrieder Wast Gruber. „Ich bin mit dem Wast nach Zweibrücken mitgefahren. Das war eine lange 1000-Meter-Bahn. Nach dem Training wollte der Beifahrer nicht mehr, dann bin halt ich eingestiegen“, erzählt Wiesmeier. „Der Wast hat gesagt: Wenn ich dich mit dem Fuß reinhaue, dann drehst du, und wenn ich dich wieder reinhaue, dann drehst du zurück.“

Betzls erster Einsatz im Seitenwagen endete im Krankenhaus. 1967 war Training in Olching, das Gespann mit Gruber als Fahrer überschlug sich: „Sie haben mich mit dem Sanka fort, abends war ich aber wieder daheim“, sagt er grinsend. Das Duo Gruber/Betzl sorgte dann aber auf den bayerischen Renn-Ovalen für Furore.

In diese Zeit fiel allerdings auch Betzls größte sportliche Enttäuschung. Saisonhöhepunkt war damals alljährlich das Rennen um das „Blaue Band“ im BBM-Stadion in München. „Es gab damals keine Meisterschaften, und so war das die höchste Auszeichnung“, erinnert sich der 83-Jährige. Im ersten Jahr ihrer gemeinsamen Zeit holten Gruber/Betzl Platz zwei. Im Jahr darauf mischte sich der Mannheimer Rolf Kolb ein, der mit Günter Mang eines der besten Gespanne Deutschlands bildete und oft zu Gast in Eichenried war. Er durfte beim „Blauen Band“ nicht mitfahren, und so wollte er die Funktionäre ärgern. Er stellte Gruber sein Motorrad, laut Betzl „das Beste, was es in Deutschland gab“, zur Verfügung, allerdings nur unter der Bedingung, dass Gruber mit Mang als Beifahrer an den Start geht. Gruber/Mang holten sich überlegen den Sieg, und Betzl gibt zu: „Das wurmt mich heute noch.“ Dennoch fuhr er mit Gruber weiter, allerdings war die Erfolgsserie nur von kurzer Dauer. Bei einem Arbeitsunfall 1968 verlor Gruber ein Auge – er bekam einen Stahlsplitter ins Gesicht – und musste seine sportliche Laufbahn beenden.

So sattelte Betzl vom Beifahrer- auf den Fahrersitz um. Kein Problem für ihn, „denn ich wollte immer schon selber fahren“. Zwei Motorräder standen zur Verfügung, Wiesmeier wurde als Beifahrer engagiert, Bauunternehmer Sepp Brandner stellte einen Bus zur Verfügung – zum Transport der Maschinen zu den Rennen.

1969 war ein grandioses Jahr für Betzl/Wiesmeier. Los ging es mit den Eisrennen auf zugefrorenen Weihern und Seen, zum Beispiel am Eibsee, Schliersee und in Moosinning, aber auch in Eisstadien wie in Inzell. „Wir haben alle Eisrennen gewonnen“, erklären Betzl und Wiesmeier stolz und erzählen von den Vorbereitungen.

Die Reifen mit den Spikes hätten sie damals selbst gebaut. Erst seien bei normalen Rennreifen die Stollen runtergeschliffen worden. Danach seien Schrauben zu Spikes gedreht, Löcher in die Reifen gestanzt und die Schrauben von innen durchgedrückt worden. „Innen kam dann erst ein ganz dünner Feuerwehrschlauch rein, weil der extrem stabil war, und dann kam der normale Schlauch“, beschreibt Wiesmeier die Arbeiten. Die Reifen hätte man auch schon fertig kaufen können, „aber das war uns zu teuer“.

Der Auftakt der Sand- und Grasbahn-Rennsaison war traditionsgemäß an Ostern in Pocking. „Da musstest du dich zeigen, denn da waren alle Veranstalter da, um die Fahrer für ihre Rennen zu engagieren“, erzählt Betzl. Und wie sich die beiden Eichenrieder zeigten. Sie gewannen nicht nur in Pocking. In den „restlichen“ 19 Sand- und Grasbahnrennen der Saison holten Betzl/Wiesmeier 14 erste und drei zweite Plätze, zweimal fielen sie mit Motorschaden aus. Eine unglaubliche Bilanz.

Florian Betzl (r.) und Sepp Wiesmeier auf der Ehrenrunde.

Am beeindruckendsten sei das Rennen – und der Sieg – im rheinland-pfälzischen Herxheim gewesen. „Da waren 35 000 Zuschauer, das war ein Erlebnis“, schwärmt Betzl. „Wenn du da gewonnen hast, das war das Größte.“

1971 beendete das Duo die gemeinsame Karriere. „Das ist bei mir finanziell nicht mehr gegangen, also habe ich aufgehört“, erzählt der 83-jährige Betzl, der sich dann aber noch viele Jahr als Funktionär engagiert hat, „und jedes Wochenende als Sportkommissar, Rennleiter und so weiter unterwegs war. Mit 65 habe ich dann aufgehört“.

Wiesmeier war noch eine Zeit lang als Beifahrer aktiv, fuhr unter anderem bei Rolf Kolb mit, mit dem er einen außergewöhnlichen Erfolg feierte. „Im italienischen Lonigo haben wir 1972 gewonnen. Ich habe dort meinen ersten und einzigen echten Lorbeerkranz bekommen“, berichtet er. Wiesmeier sattelte dann auch noch auf den Fahrersitz um und erzählt voller Stolz, „dass ich mit jedem meiner Beifahrer mindestens ein Rennen gewonnen habe“. Aufgehört habe er dann, „weil die Schwenker verboten wurden und ich dann keine Lust mehr hatte“.

Dass die Rennfahrerei damals extrem gefährlich war, hätten die Rennsportler verdrängt. Mit den Sicherheitsvorkehrungen sei es nicht zum Besten bestellt gewesen, aber das habe die Fahrer wenig gekümmert. „Bei einem Rennen in Tschechien, als außenrum ein Zaun mit Stacheldraht war, da ist prompt einer reingefahren und hat sich schwer verletzt“, erinnert sich Betzl. „.Aber es wäre keinem eingefallen, zu sagen: Da fahr’ ich nicht.“ Er erinnert sich noch an einen schlimmen Sturz als Beifahrer von Wast Gruber in Altrip und an einen Unfall in Straußdorf, ansonsten sei er von Unfällen verschont geblieben.

Weitaus schlimmer hatte es da Wiesmeier erwischt. Als er als Fahrer anfing, habe ihm sein Spezl Betzl, der sich in Pocking bei ihm in den Beiwagen gesetzt hatte, prophezeit: „Sepp, wenn du so weiterfährst, lebst du nicht lange.“ Das hätte sich beinahe bewahrheitet. Denn nach einem schweren Unfall mit Beifahrer Werner Eggert – allerdings nicht wegen eines Fahrfehlers, sondern wegen eines Rahmenbruchs ausgangs der Kurve – lag Wiesmeier acht Wochen lang im Krankenhaus: Das Gesicht war zertrümmert, der Oberkiefer viermal, der Unterkiefer dreimal gebrochen, die Schulter kaputt, dazu kamen diverse Prellungen.

„In der Klinik gab es vormittags und abends jeweils eine halbe Bier und mittags eine gute Suppe“, erinnert sich der 76-Jährige. „Und alles musste ich mit dem Strohhalm trinken.“ Der Moosinninger Zahnarzt Hans Ostermann habe ihm dann die verbliebenen Zähne repariert und zahlreiche neue eingesetzt. „De hob i dir jetz einbetoniert. Bevors dir de Zähn nomoi raushaut, reißt’s da an Kopf weg“, habe Ostermann damals zu ihm gesagt, und Sepp Wiesmeier fügt grinsend an: „De meistn Zähn hob i heid no.“

Sein langjähriger Gespann-Partner Florian Betzl meint dazu schmunzelnd: „Aus unserer Ära gibt es heute nicht mehr viele.“ Aus der Ära der narrischen Eichenrieder.

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