Sie hatten sich schon so gefreut: Franziska Feldmeier (l.) und Celina Haider wollten zur WM.
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Sie hatten sich schon so gefreut: Franziska Feldmeier (l.) und Celina Haider wollten zur WM.

EISHOCKEY - Frauen-Titelkämpfe in Kanada werden kurzfristig abgesagt – Spielerinnen „enttäuscht und traurig“

WM-Traum platzt unmittelbar vor dem Abflug

  • Wolfgang Krzizok
    vonWolfgang Krzizok
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Fassungslosigkeit und Enttäuschung herrschten in der Kabine der deutschen Frauen-Eishockeynationalmannschaft - und auch Tränen flossen. Unmittelbar vor dem Abflug nach Kanada wurde die Weltmeisterschaft abgesagt.

Erding/Füssen – Sie saßen auf gepackten Koffern, als die niederschmetternde Nachricht kam: Die Eishockey-Weltmeisterschaft in Kanada ist abgesagt. Anstatt Flug nach Nordamerika hieß es für die deutschen Frauen: Fahrt nach Hause. Das deutsche Team hatte sich drei Wochen in Füssen auf das Turnier vorbereitet, das am 6. Mai starten sollte. Am Mittwoch hatte die Provinz Nova Scotia, wo das Turnier hätte stattfinden sollen, jedoch entschieden, aufgrund der Corona-Pandemie keine Ausländer einreisen zu lassen.

Im Kader waren auch einige Spielerinnen, die im Erdinger Nachwuchs aktiv waren, wie zum Beispiel Franziska Feldmeier, Celina Haider, Tabea Botthof oder Torhüterin Sandra Abstreiter. Die steht in der Mannschaft von Providence College zwischen den Pfosten und war extra für die dreiwöchige Vorbereitung aus den USA angereist.

„Das hat uns sehr hart getroffen“, erzählt die 22-Jährige. „Wir saßen nur noch schockiert da und konnten es nicht glauben. Wir waren startklar und hatten alles gepackt.“ Von Seiten des Deutschen Eishockey-Bunds (DEB) war alles getan worden, um das Virus fernzuhalten. „Wir sind jeden Tag getestet worden und hatten jeden zweiten Tag einen PCR-Test“, fügt Abstreiter an. „Wir hätten auch noch die acht Tage Einzelisolation in Kanada in Kauf genommen.“ Besonders bitter für sie: Vergangenes Jahr wäre sie erstmals bei einer WM dabei gewesen, doch auch dieses Turnier war wegen Corona abgesagt worden. „Du bist so kurz davor und freust dich so drauf, und dann das. Im Moment ist es einfach nur enttäuschend.“

„Nachdem zum Abschluss der Vorbereitung am Dienstag noch einmal alle getestet worden und auch alle negativ waren, wurde der endgültige Kader bekannt gegeben“, berichtet Haider. Dabei sei jeder Spielerin im Einzelgespräch mitgeteilt worden, warum sie dabei oder eben nicht dabei sei, denn der vorläufige Kader musste noch reduziert werden. Mittwochfrüh war nochmal Training angesagt, abends sollten dann die Eishockey-Taschen aus dem Stadion geholt werden, weil ja am nächsten Tag der Abflug nach Kanada geplant war. Doch am Nachmittag kam die Nachricht der Teammanagerin für ein kurzfristiges Meeting. Dort wurde die Mannschaft von der Absage in Kenntnis gesetzt.

„Das war ein Schock für alle, denn wer rechnet schon damit, dass so ein Turnier einen Tag vor Abflug abgesagt wird“, erzählt Haider, die zugibt: „Da sind auch einige Tränen geflossen. Da war so viel Arbeit drin, und wir haben alle hart gearbeitet. Das ist so bitter.“ Feldmeier sagt, sie sei sehr enttäuscht über die Absage und auch traurig. „Das hatte zu dem Zeitpunkt niemand mehr gedacht, dass einen Tag vor dem Flug abgesagt wird“, betont die 22-Jährige. „Wir konnten es nicht glauben und haben es im ersten Moment auch gar nicht richtig realisiert.“

Botthof betont, dass sie ebenfalls „überrascht und enttäuscht“ war, aber mittlerweile den ersten Schock verdaut habe. „Wir waren sportlich bereit“, stellt die 20-Jährige fest. „Jetzt warten wir, was sich noch ergibt. Ich freue mich aber trotzdem schon darauf, wenn ich wieder mit der Nationalmannschaft spielen darf.“

Wann das der Fall sein wird, steht noch nicht fest. Zumindest hat sich der Weltverband IIHF die Option offen gelassen, die WM eventuell im Sommer nachzuholen. „Hoffen wir, dass es eine Lösung gibt“, meint Abstreiter, und Feldmeier ergänzt: „Ich hoffe, dass wir bald eine entsprechende Info bekommen.“ Bei Haider, die eine Fremdsprachenschule in München besucht, ist mittlerweile der Alltag eingekehrt. „Ich hab ab jetzt wieder ganz normal Online-Unterricht“, erzählt sie: Also Schule daheim statt Eishockey-WM in Kanada.

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