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Der Schütze und sein Sponsor: Igor Thomas mit Georg Mesner von der Concordia-Versicherung. Die beiden sind Nachbarn in Mauggen.  

Sportschütze Igor Thomas

Zimmerer mit Zielwasser

Den Höhepunkt seiner bisherigen Karriere hat der Mauggener Igor Thomas bei den deutschen Meisterschaften in Hochbrück erlebt. Der nächste große Schritt ist sein Wechsel zu einem Drittliga-Verein. Von einem Mann und seinem Sport, der ihm so einiges abverlangt – vor allem finanziell.

 

Mauggen – Igor Thomas macht momentan die größten Schritte seiner Karriere. Gerade hat er bei seiner Premiere bei den deutschen Meisterschaften der Sportschützen in Hochbrück erste beachtliche Ergebnisse erzielt. Und seit kurzem schießt der 20-Jährige für Isental Lengdorf in der 3. Liga.

„Ich bin sehr zufrieden, das war meine erste deutsche Meisterschaft. Beim ersten Mal in den Top 20 zu sein, ist schon nicht schlecht“, sagt Thomas, der an der Olympia-Schießanlage schon ein bisschen nervös war, wie er gesteht. „Das war schon ganz was anderes für mich – sauviele Zuschauer waren da.“

Wie bereits kurz berichtet, hat es der Mauggener im Einzel bei fünf Starts viermal unter die besten 20 geschafft. Mit dem Luftgewehr reichte es mit 582 von 600 möglichen Ringen zu Rang 20. Es wäre sogar mehr drin gewesen – aber die Nerven eben: „Da habe ich supergut angefangen und war am Ende nervös“, berichtet Thomas, der im Kleinkaliber-Dreistellungskampf 3x20 14. wurde (561 von 600 möglichen Ringen). Auf Platz elf landete er mit neuer persönlicher Bestleistung im KK 3x40 (1126/1200).

Etwas angefressen war Thomas nach seinem zwölften Rang im KK 60 Schuss Liegend. Seine 586 Zähler reichten um ein Ringlein nicht für das Finale. „Der letzte Schuss fiel durch meine Nervosität nicht ins Zentrum. Der einzige Einzel-Wettbewerb, in dem Thomas die Top 20 verpasste, war mit der Luftpistole (27.).

Mit der Juniorenmannschaft der SSG Sempt lief es ganz gut. Mit 1725 Ringen lag die Juniorenmannschaft in der Besetzung Thomas, Adrian Gartner (Buch) und Stefan Heidler (Alt-Niederneuching) auf Platz acht. Im Liegendkampf der Junioren landete Thomas mit Dominik Arlt (Jennerwein Eicherloh) und Stefan Heidler (Alt-Niederneuching) mit 1706 Ringen auf Platz zwölf. Mit der Luftpistole wurde der Mauggener mit Anton und Peter Widmann (beide Freischütz Walpertskirchen) mit 1628 Ringen 15.

Sprungbrett SSG Sempt

Die SSG Sempt ist für junge Talente wie Thomas ein wichtiges Sprungbrett für den nächsten Karriereschritt. „Im Team sind die Chancen auf eine Teilnahme bei Meisterschaften größer als im Einzel. Die SSG ist ein Förderverein vom Landkreis, der uns jedes Jahr auch ein Trainingslager – zuletzt in Mertingen bei Augsburg – ermöglicht“, erklärt der 20-Jährige.

Auf Unterstützung sind Sportschützen, die nicht so sehr im Rampenlicht von Sponsoren stehen wie beispielsweise Fußballer, ohnehin angewiesen. In Georg Mesner von der Concordia, der sein Nachbar in Mauggen ist, hat Thomas einen wichtigen Partner. Momentan bekommt er jährlich 500 Euro aus der Marketing-Abteilung der Versicherung. Eine Hilfe für Thomas, gewiss. Aber da ein Schütze weit teurere Ausstattung braucht als eben zum Beispiel Fußballer, reicht das beileibe nicht aus, um alles zu decken. Für den Großteil der Kosten kommt er selbst auf. Das Geld dafür verdient er als Zimmerer.

„A guads Gwand“ kostet 2000 Euro

Was so alles zusammenkommt, rechnet Thomas vor: „Der Schießsport ist sehr, sehr teuer. A guads Gwand“, wie er auf gut Bairisch sagt, „kostet zwischen 1200 und 2000 Euro, ein gutes Gewehr zwischen 2000 und 3000 Euro“. Luftgewehr, Kleinkaliber-Gewehr, Luftpistole – all das zahlt Thomas größtenteils aus eigener Tasche.

Und dann ist da natürlich noch die Munition. 5000 Schuss mit dem Luftgewehr kosten rund 100 Euro – 8000 bis 10 000 Patronen verschießt Thomas im Jahr. Mit dem Kleinkaliber sind es rund 2000 bis 3000 Schuss jährlich – bei Kosten von 15 Euro à 50 Schuss. Ein teurer Sport, für den es sich aber Geld auszugeben lohnt, findet Thomas.

Und wenn man weiterkommen will, lohnt sich auch ein Vereinswechsel. Seit August schießt der 20-Jährige nicht mehr für seinen Heimatverein Jennewein Mauggen, sondern für Drittligist Isental Lengdorf – der Klub, für den der große Überflieger im Landkreis in Sachen Schützensport, Maxi Dallinger, bis vor kurzem bis zu seinem Wechsel in die Bundesliga angetreten ist. Klar, dass der Lengdorfer ein Vorbild für Thomas ist: „Ich habe ihn schon ein paar Mal getroffen. Isental ist eine große sportliche Herausforderung für mich.“

Von Polen nach Mauggen

Im Alter von drei Jahren ist Thomas mit seiner polnischen Mutter aus seinem Heimatland nach Deutschland gekommen. In Mauggen lebt er mit ihr und seinem Stiefvater. Mit zwölf nahm ihn sein Onkel zum Schnupperschießen bei Jennewein mit. „Das hat mir gefallen, und ich bin beim Verein geblieben. Es hat zwar ein bisserl gedauert, bis ich was getroffen habe, aber es wurde immer besser.“

So gut, dass Thomas nun auch bei deutschen Meisterschaften antritt. Ob es aber mal wie bei Dallinger für den Landeskader reichen wird, das will er noch nicht sagen: „Das wird sehr, sehr schwierig. Jetzt muss ich aber erst mal schauen, dass wir in der Bayernliga gut schießen. Wir haben eine junge Mannschaft. Unserer Ältester ist der Florian Obermaier mit 24.“ Der ist der Sohn von Trainer Gerhard Obermaier, mit dem er sich sehr gut verstehe.

Wenn Thomas nicht gerade auf Scheiben oder Dächern herumkraxelt, hilft er gerne daheim in der Landwirtschaft mit. „Mit dem Bulldog fahrn und Mais häcksln – des gfoid ma scho“, sagt er. Und wenn er neben all dem noch Zeit hat, kickt er im Training beim SC Kirchasch mit. Der Schützensport habe aber klar Vorrang. Der Schritt in die Nationalmannschaft dürfte für ihn dort auch ein wenig kleiner sein als im Fußball.

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