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Der Spaß und der Sportsgeist kommen bei der Vorbereitung auf die Gala zum 50-jährigen Jubiläum nicht zu kurz. Hier dürfen alle einen am Boden liegenden Kämpfer unter sich „begraben“.

Vereinsjubiläum

50 Jahre Karate-Dojo Freising: Viel Tradition und ganz viel Moderne

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Das Karate-Dojo Freising begeht am Samstag seinen 50. Geburtstag. Für Interessierte die perfekte Gelegenheit, den Verein und die Sportart kennenzulernen.

Freising – Das Karate-Dojo Freising feiert sein 50-jähriges Jubiläum – und jeder soll etwas davon haben: Der Verein begeht seinen runden Geburtstag am kommenden Samstag, 12. Oktober, mit einer großen Kampfkunst-Gala in der Sporthalle an der Luitpoldstraße 1. Beginn ist um 17.30 Uhr. Zuvor kann jedermann von 14 bis 15 Uhr sowie von 15.30 bis 16.30 Uhr an Trainingsworkshops teilnehmen. Der Eintritt ist frei.

Wer das Vergnügen hat, bei einem Trainingsabend des Freisinger Karate-Vereins zuzuschauen, der wird sofort feststellen, dass eine ganz besondere Atmosphäre in der Halle herrscht, eine besonders angenehme. Das beginnt schon damit, dass sich die Sportler beim Betreten der Halle verbeugen. Sie lassen offensichtlich ihre Alltagswelt draußen. Bevor es mit den anstrengenden Übungen losgeht, steht eine meditative Phase als festes Ritual auf dem Programm.

Starke Truppe: Die Sportler des Freisinger Karate-Vereins freuen sich jederzeit über Neuzugänge. Aktuell zählt das Dojo 130 Mitglieder.

Karate ist in Deutschland eine Randsportart. Die meisten verbinden mit dieser Kampfkunst vielleicht Szenen aus Actionfilmen, in denen der Held mithilfe seiner Karatetechniken den Feind besiegt. Doch genau das Gegenteil ist der Fall: Karate definiert sich ohne Angriff, ist ein defensiver Sport. Ziel dieser fernöstlichen Kampfkunst sei es, so erzählt Friedemann Böhme, über drei Jahrzehnte Dojo-Leiter in Freising und seit geraumer Zeit Schatzmeister, den Menschen zum Positiven zu verändern. Dazu müsse man lebenslang und intensiv trainieren. „Karate verleiht einem im positiven Sinn mehr Selbstsicherheit und mehr Wachsamkeit im Alltag und hilft einem damit auch im Leben.“ Und weiter: „Karate ist der Kampf gegen sich selber.“

Die Anfänge in der Stadt Freising

Die Sportart fand erst vor rund 60 Jahren den Weg nach Europa. Die Karateschulen in Japan hätten sich über Jahrhunderte hinweg sehr elitär gegeben, weil sie, wie Friedemann Böhme erklärt, kein Interesse bekundeten, sich nach außen zu öffnen. Ende der 1960er Jahre kam Karate auch in der Domstadt Freising an: Im Oktober 1968 fanden sich beim Wirt in Sünzhausen zehn Interessierte zusammen – und gründeten dann am 2. Januar 1968 das Karate-Dojo Freising. Die treibenden Kräfte waren damals Karl Sirch, Josef Rattenhuber und Franz Kiening. Die Gründerväter konnten sich damals kaum vorstellen, dass ihr neuer Verein 50 Jahre später eine wichtige Rolle im Breitensport der Stadt spielen würde.

Zunächst feierten die Freisinger zahlreiche sportliche Erfolge: Edgar Heinrich, Helmut Stoppe, die Brüder Helmut und Franz Baumgartner oder Helmut Marzahn zählten in Deutschland zu den besten Karatekas. Als Friedemann Böhme berufsbedingt vor 35 Jahren in Freising heimisch wurde, fand er ein Karate-Dojo vor, um das es nicht mehr so gut bestellt war. Böhme, der damals ebenfalls zu den besten nationalen Karate-Kämpfern gehörte, investierte viel Zeit in den Verein. Hinzu kam, dass Karate wieder im Trend lag. 1993 zählte der Club 400 Mitglieder. Wenn man einen neuen Kurs ausgeschrieben hat, hätten sich oft mehr als 40 Anfänger gemeldet, erinnert sich Böhme. Von ihnen blieben meist 25 dem Verein treu.

Die Vorstandschaft des Karate-Vereins: (v. l.) Peter Volkert (Vorsitzender), Friedemann Böhme (Schatzmeister), Maximilian Gleixner (stellvertretender Vorsitzender) und Sven Gerstendörfer (Dojo-Leiter).

Von solchen Mitgliederzahlen sei man heute weit entfernt, bedauert Vorsitzender Peter Volkert. 130 Mitglieder hat der Verein derzeit. „Es ist in der Vergangenheit immer schwieriger geworden, an Kinder und Anfänger ranzukommen“, sagt er. Das Pensum in der Schule sei immer größer geworden, sodass die Mädchen und Buben nicht mehr die Kraft und die Konzentration für das Training am Abend aufbringen könnten. „Gerade die Konzentration ist beim Karate sehr wichtig“, sagt Volkert. „Denn man muss auf seinen Partner genau achten.“

Was beim Training auffällt: Die Kinder und Jugendlichen müssen ihr Smartphone für zwei Stunden in der Umkleide lassen. Die festen Rituale und das hohe Maß an Disziplin scheinen für viele nicht mehr dem Zeitgeist zu entsprechen, weshalb die Sportart wohl nicht mehr so im Trend steht. Für Peter Volkert ist Karate aber ideal für Körper und Geist. „Diese Sportart kann ein Dreijähriger genauso betreiben wie ein Hundertjähriger. Es geht vor allem um die Körperbeherrschung und auch um die Persönlichkeitsentwicklung.“ Wettkämpfe bestreiten die Freisinger schon seit einiger Zeit nicht mehr. „Da steigt das Verletzungsrisiko“, erklärt Volkert. „Im Augenblick findet sich kein Mitglied bei uns, das Lust auf den Wettkampfbetrieb hat.“

Karate-Dojo Freising: Weitere Abteilungen kamen dazu

Im Karate-Dojo Freising haben sich in der Vergangenheit weitere Abteilungen etabliert. Die Sparte Tai Chi & Qigong gründete sich vor etwa 15 Jahren auf Initiative von Friedemann Böhme, Michael Ditsch und Thomas Simianer. Man kennt die Bilder von Tai Chi – von Menschen, die sich in chinesischen Parks treffen, sich ganz langsam bewegen und Atemübungen machen. Es ist quasi die weiche Kampfkunst mit meditativem Charakter, sie fördert den Bewegungsapparat und wirkt daher präventiv. Eine ideale Sportart zum Erhalt der Gesundheit.

Vor geraumer Zeit kamen mit Kickboxen und TSYR noch zwei weitere Abteilungen dazu. Die Ursprünge des Kickboxens liegen in den 1980er Jahren. Der bekannte und erfolgreiche Freisinger Boxer Peter Busch hat damals das Kickboxen in Freising etabliert. In seine Fußstapfen trat Stefan Holzinger, der dann aufgrund seiner guten Kontakte zu Friedemann Böhme im Karate-Dojo Freising die Kickbox-Abteilung einführte. An Wettkämpfen nehmen die Sportler allerdings nicht teil.

Während Kickboxen inzwischen in vielen Vereinen und Fitnessstudios angeboten wird, hängt dem TSYR – auch altes Jujitsu genannt – der Hauch des Exklusiven an. TSYR ist die Abkürzung für Takamura ha Shindo Yoshin Ryu. Das ist eine japanische Kampfkunst, die ihren Ursprung im 19. Jahrhundert hat. Dabei werden neben unbewaffneten Techniken auch die traditionellen Waffentechniken der Samurai geübt, unter anderem Kenjutsu und Tantojutsu. „Diese Sportart findet kaum in der Öffentlichkeit statt“, erklärt Peter Volkert. „Es gibt auch keinerlei Wettkämpfe – vielmehr soll die Tradition dieser Kampfkunst bewahrt werden. Es geht um ein bestimmtes Ethos, das weitervermittelt werden soll. Eine klare hierarchische Ordnung ist charakteristisch.“

Gelungene Generalprobe: Die jugendlichen Karatekas haben sich intensiv auf ihren großen Auftritt bei der Kampfkunst-Gala vorbereitet. Am Samstag werden sie ihr Können öffentlich präsentieren.

Volkert betont, dass man für gewöhnlich in das TSYR nicht einfach eintreten könne. Man werde vielmehr berufen und besiegle den Eintritt mit einem Blutschwur. „Damit bleibt man sein gesamtes Leben lang dem TSYR treu und kann nicht so ohne Weiteres wieder austreten.“ In Freising ist das nicht so streng. „Alle Interessierten sind uns herzlich willkommen“, heißt es in der Festschrift zum Jubiläum.

Große Kampfkunst-Gala zum Jubiläum

Auf den 50. Geburtstag ihres Vereins haben sich die Mitglieder intensiv vorbereitet. Die Zuschauer erwartet deshalb bei der großen Gala am 12.  Oktober  in  der  Sporthalle ab 17.30 Uhr ein bunter Strauß an verschiedenen Vorführungen der einzelnen Abteilungen – und auch vom TSYR gibt es Kostproben. Wer Lust verspürt, Karate, Tai Chi, Kickboxen oder das alte Jujitsu einmal auszuprobieren, der kann an den Workshops in der Sporthalle teilnehmen. Dazu braucht es keine Sportkleidung. Der Eintritt bei den Trainingsworkshops und für die Kampfkunst-Gala am späten Nachmittag sind frei.

Gut zu wissen

Anfänger können jederzeit einsteigen. Das Training findet mittwochs und freitags ab 20 Uhr in der Sporthalle des Josef-Hofmiller-Gymnasiums statt (Jochamstraße). Einen Anfängerkurs für Kinder gibt es freitags ab 17 Uhr in der Sporthalle an der Weizengasse (über der Stadtbibliothek). Die Trainingszeiten für die Karate-Kids: mittwochs von 17.30 bis 18.45 Uhr und freitags von 17 bis 18.30 Uhr in der Sporthalle des Josef-Hofmiller-Gymnasiums.

Weitere Informationen gibt es auf www.karate-freising.de oder unter Tel. (0 81 61) 9 23 19.

Lesen Sie auch: Black Bears Freising: Aufs und Abs in der Vorbereitung

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