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Auf dem Weg zu einem seiner größten Erfolge: 2005 belegt Andreas Klier als Fahrer des Teams T-Mobile den zweiten Platz bei der Flandern-Rundfahrt – hier kämpft er sich die berühmte „Mauer von Geraardsbergen“ hinauf.

Serie: Was macht eigentlich ... ?

Andreas Klier: Vom Fahrer zum Material-Guru

Als Profi-Radsportler hat Andreas Klier viel erlebt. Jetzt sorgt der 44-Jährige hinter den Kulissen dafür, dass sein Team Erfolge feiert.

Neufahrn/Mallorca – Auch sieben Jahre nach dem Ende seiner aktiven Laufbahn dreht sich für Andreas Klier weiterhin alles um den Radsport. Im Homeoffice auf Mallorca bestimmten während des Corona-Lockdowns tägliche Conference Calls mit verschiedenen Ausrüsterfirmen und der Leitung des Teams EF Pro Cycling seinen Tagesablauf. Die Pandemie hat den Rennkalender komplett durcheinandergewirbelt. „Aber alle hoffen, dass es bald weitergeht, und wir bereiten uns dementsprechend vor“, sagt der 44-jährige ehemalige Radprofi.

Klier ist inzwischen seit sieben Jahren in der sportlichen Leitung bei Slipstream Sports tätig, dem Unternehmen, das das Profi-Radsportteam EF Pro Cycling betreibt. Mittlerweile liegt sein Schwerpunkt weniger in der Betreuung an der Strecke. Als „Technical Operations & Communications Manager“ ist er für die Ausstattung des Teams und deren Entwicklung zuständig.

Das Material ist eines der wichtigsten Puzzleteile des Erfolg

„Das Material spielt eine extrem große Rolle, was Reifen, Laufräder, Kugellager und solche Dinge anbelangt. Dazu kommt die Aerodynamik des Fahrers und seine Position auf dem Rad – und da sprechen wir jetzt nicht nur vom Zeitfahren“, erklärt Klier. „Auch Helme, Sättel und das Material der Klamotten sind ständig auf dem Prüfstand. Da gibt es Anzüge, die bei Durchschnittsgeschwindigkeiten bis 50 km/h schneller sind, und andere, die ab 50 km/h von Vorteil sind. Das geht manchmal sehr ins Detail.“ Auf der anderen Seite seien die Ernährung und das Training das zweite große Puzzleteil. „Da hat sich auch extrem viel getan. Das, was ich früher als Rennfahrer gemacht habe, sich aufs Rad setzen und stundenlang fahren – das gibt es schon lange nicht mehr.“

Ende der 1980er Jahre, in seiner Zeit als Schüler und Jugendlicher, war die tägliche 20-Kilometer-Runde um seine Heimatgemeinde Neufahrn sein Trainingsritual. Immer mit dabei war sein Vater, dem er sehr viel verdankt, weil der ihn jahrelang zum Training und zu den Wettkämpfen begleitet hat. Angefangen hatte für Klier alles im Alter von sechs Jahren beim Kunstradfahren. Mit zwölf stieg er auf das Rennrad um und startete für den RC „Die Schwalben“ München. Dort feierte der Neuzugang aus Neufahrn 1990 als Deutscher Schülermeister den ersten großen Erfolg auf der Straße. Es folgten weitere nationale Titel in der Jugend und bei den Junioren, die mit der Berufung in den deutschen Nachwuchskader belohnt wurden. „Eine sehr schöne Zeit, die ungemein viel Spaß gemacht hat“, erinnert sich der 44-Jährige heute.

1996 unterschrieb Andreas Klier seinen ersten Profivertrag 

Mit 18 Jahren wechselte das Talent zum Team Nürnberger, bei dem er 1996 seinen ersten Profivertrag unterschrieb. Es folgten 17 Jahre als Radprofi, in denen Klier alle Höhen und Tiefen des Geschäfts kennenlernte. Inklusive jahrelanger Dopingvergehen, die er 2013 öffentlich zugegeben hat.

Nach dem Ende seiner aktiven Laufbahn übernahm der Bayer noch im selben Jahr die Rolle eines Sportlichen Leiters für das Team Garmin Sharp. Mittlerweile hat er sich auf den Bereich der Materialentwicklung und -optimierung spezialisiert. Die Frage, wie man im Rahmen des Reglements noch einen Vorsprung für sein Team herausholen kann, ist heute sein Metier. „Das ist eine Sache, die macht mir viel Spaß, die möchte ich nicht missen. Es ist für mich ein Erfolg, wenn wir sagen, wir fahren spezielle Laufräder bei einem Rennen und gewinnen dann. Das gibt mir so ein Gefühl, als wenn ich Teil des Sieges bin. Mehr als wenn ich im Auto sitze und sage, mach dies oder mach das. Ich bin noch immer glücklich, dass ich im Radsport bin.“

Privat lebt der inzwischen 44-Jährige mit seiner Frau und den beiden Kindern seit über zehn Jahren in seinem Haus auf Mallorca. Für Klier ist seine ganze Karriere das persönliche Highlight: Angefangen bei den Jugendjahren, wo er mit Spaß und vielen Erfolgen unterwegs war. Danach das große Privileg, seine Leidenschaft zum Beruf zu machen und diesen fast 20 Jahre ausüben zu dürfen. Und schließlich, nach der aktiven Karriere weiter in dem Sport, den er liebt, tätig zu sein.

Josef Fuchs

Karrieredaten

als aktiver Radsportler:

1996 bis 1998: Team Nürnberger.

1999 bis 2000: TVM-Farm Frites.

2001 bis 2003: Team Telekom.

2004 bis 2007: Team T-Mobile.

2008: Team Columbia.

2009 bis 2010: Team Cervelo. 

2011 bis 2013: Team Garmin.

als Sportlicher Leiter:

2013 bis 2014: Garmin Sharp.

2015 bis 2017: Team Cannondale.

2018 bis 2020: EF Pro Cycling.

Größte Erfolge:

1990 bis 1995: Mehrfacher Deutscher Meister im Schüler-, Jugend- und Juniorenbereich.

2002: Sieg beim Grote Prijs Jef Scherens.

2003: Sieg beim Klassiker Gent-Wevelgem.

2005: Platz zwei bei der Flandern-Rundfahrt.

Andreas Klier im Interview: „Ich bin überzeugt, dass Doping keine große Rolle mehr spielt“

Herr Klier, fahren Sie selbst eigentlich noch gerne mit dem Fahrrad? 

Nach dem Ende meiner aktiven Karriere habe ich mich einige Jahre auf kein Rad mehr gesetzt. Da war ich dann viel joggen. Heute verstehe ich gar nicht mehr, warum. Irgendwann fing ich dann an, selbst Material zu testen, und dadurch bin ich wieder zum Radfahren gekommen. Heute fahre ich wieder gerne und regelmäßig, wenn auch nur noch gemäßigt. Dabei kann ich mir gar nicht mehr vorstellen, wie ich mich früher so quälen konnte. Aber ich weiß, dass es Spaß gemacht hat, an seine Grenzen zu gehen. Das ist etwas, was ich auch vermisse. Dass man in die letzten Kilometer eines Rennens eintaucht – es geht um die Wurst, und du gibst mehr, als du eigentlich kannst. Das gibt dir eine Art Befriedigung – und die fehlt jetzt, weil man sich gar nicht mehr so anstrengen kann. 

Was würden Sie einem jungen Sportler raten, der sich gerade überlegt, ob er sich dem Radsport verschreiben soll? 

Wenn man jung anfängt, dann soll man auf jeden Fall sein Herz sprechen lassen. Wenn etwas Spaß macht, soll man es trainieren, dann wird sich in irgendeiner Form auch Erfolg einstellen. Danach heißt es, dranzubleiben und am besten zusammen mit den Eltern eine gesunde Basis zu schaffen. Ich denke, wenn jemand anfängt, in welchem Sport auch immer, braucht er die Unterstützung der Eltern. Der Anfang sollte simpel sein. Wenn jemand gerne Rad fährt, einfach in die Pedale treten und erstmal losfahren, ohne zu viel nach links oder rechts zu schauen. Alles andere hängt vom Talent und vom Umfeld ab und passiert dann automatisch, wenn man in der Nationalmannschaft ist. 

Sie haben als Radprofi selbst jahrelang aktiv Doping betrieben und das auch zugegeben. War es damals überhaupt möglich, ohne Doping in Spitzenteams zu fahren? 

Da kann ich natürlich nicht für andere sprechen. Ich habe getan, was ich getan habe, und ehrlich gesagt schäme ich mich auch nach wie vor sehr dafür. Für mich ist das Thema gegessen, und ich möchte da auch nicht mehr viel darüber reden. Aber als jemand, der durch eigenes Verschulden bei diesem Thema gebrandmarkt ist, reagiere ich heute sehr allergisch, wenn Doping passiert. Dadurch, dass ich selber weiß, wie groß der Einfluss von Material, Ernährung und dem richtigen Training ist, bin ich der Überzeugung, dass Doping im Radsport – auch wenn da jetzt viele darüber lachen – keine große oder hoffentlich gar keine Rolle mehr spielen wird. 

Welche Ziele haben Sie noch im Radsport? 

Ich würde ganz gerne einmal Paris-Roubaix mit einem meiner Fahrer gewinnen. Ich habe das Rennen nie groß geliebt – aber seitdem ich das Geschehen von außen beobachten darf . . . 

Natürlich würde auf dem Kopfsteinpflaster ihr Fahrer durch das beste Material gewinnen. 

Das würde ich so jetzt nicht sagen, aber unser Team wird in diesem Jahr Vorteile haben. Im nächsten Jahr werden die dann alle anderen auch haben, aber egal.

Interview: Josef Fuchs

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