Manuela Widmair spannt in ihrem Garten den Bogen und setzt zum Schuss an.
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Auch auf Freizeit fokussiert: Manuela Widmair (45) wird diesen Sommer im heimischen Garten entspannen können, da die Bowhunter-WM in Frankreich kurz vor Ostern abgesagt wurde.

BOGENSCHIESSEN

Bogenschützin Manuela Widmair: Trotz langer Pause nichts verlernt

Bogenschützin Manuela Widmair befindet sich nach längerer Zwangspause wieder im Aufbautraining. Welche Wettbewerbe heuer stattfinden können, ist aktuell unklar.

Haag/Hörgertshausen – Schwere Monate liegen hinter Manuela Widmair. Im September 2020 war die Bogenschützin aus Haag noch Deutsche Vizemeisterin in der Disziplin „Feld und Jagd“ geworden. Kurz darauf wurde wegen des Lockdowns der Trainingsbetrieb eingestellt. Zu allem Überfluss machte ihr ab Weihnachten die eigene Gesundheit wochenlang einen Strich durch die Rechnung – und so konnte die Hallen-Europameisterin 2018 erst Anfang März wieder ihr Sportgerät bedienen. Dabei „machten der Bogen und die Pfeile das, was sie machen sollten, und trafen in die Mitte“, stellt die 45-Jährige zufrieden fest. Fünf Monate habe sie davor nicht geschossen und sie sei froh gewesen, dass sie es noch kann.

Zahlreiche Turniere sind abgesagt

Versäumt hat Manuela Widmair 2021 noch nichts, denn der Terminplan im Feldbogensport wurde und wird durch die Corona-Krise derzeit kräftig durcheinandergewirbelt. Nachdem die Hallen-WM in England sowie die deutsche Meisterschaft in der Halle bereits ausgefallen waren, wurden auch alle Turniere über Ostern und Anfang Mai abgesagt. Vorsorglich kamen Mitte März auch schon erste Absagen für Wettbewerbe im Juni und August, erzählt die mehrfache Deutsche Meisterin. Dafür habe sie durchaus Verständnis, weil es für die ausrichtenden Vereine ein hoher finanzieller Aufwand wäre – und jetzt könnten frühzeitig noch die Hallen oder Plätze kostenlos storniert werden.

„Ich hatte geplant, dass ich heuer etwa zu 30 Veranstaltungen fahren werde“, lässt Widmair wissen. „Ich rechne gerade mit kaum einer. Ich halte mir die Wochenenden zwar aktuell noch frei und hatte auch meinen Urlaub mit meinem Arbeitgeber so abgestimmt, dass ich im Juli nach Frankreich zur Bowhunter-WM fahren könnte. Doch auch die wurde inzwischen abgesagt, sodass es ein Urlaub im Garten wird.“

Die Entscheidung, die WM im französischen Confolens um ein weiteres Jahr auf 2022 zu verschieben, fiel kurz vor Ostern. Die Bogenschützin von Hubertus Hörgertshausen war sich ohnehin nicht sicher, was sie davon gehalten hätte, wenn die WM stattgefunden hätte: „Wenn ich mir das Event in Frankreich anschaue, dann ist das eine Weltmeisterschaft, wo die Leute dementsprechend von überall herkommen. Dabei dürfen manche derzeit unter Umständen gar nicht einreisen, weil in ihrer Heimat weiter Lockdown ist. Andere dürften zwar, haben aber extrem hohe Inzidenzwerte. Da weiß ich nicht, wie sinnvoll so eine Veranstaltung ist. Es war richtig abzusagen.“

Hoffen auf den Herbst

Weitere große Events in diesem Kalenderjahr wären die deutschen Meisterschaften in den Kategorien „Feld und Jagd“ sowie „Bowhunter“. Beide Veranstaltungen sind wegen der aktuellen Corona-Entwicklungen noch nicht fix terminiert, fänden jedoch erst im Herbst statt. So oder so: Widmair glaubt, dass sie nach der langen Pause schnell wieder reinkommen könnte. Ob es zur absoluten Topform reicht, wagt sie aber zu bezweifeln – „zumal ich wegen der derzeitigen Situation in puncto Trainingsehrgeiz gerade ein wenig antriebslos bin und mir noch die Krankheit in den Knochen hängt. Ich denke, dass dieses Jahr etwas mager wird.“

Andere Einstellung zum Erfolg

Das wäre allerdings nicht schlimm für die 45-Jährige aus Haag. Denn in den vergangenen Jahren habe sich ihre Einstellung zum Erfolg etwas geändert. Es sei zwar schön, vorne dabei zu sein, auf dem Siegerpodest zu stehen und bejubelt zu werden, aber das sei nicht alles. Die Hallen-Europameisterin von 2018 unterscheidet genau zwischen der Platzierung beim Wettkampf mit anderen und dem eigenen Anspruch, dem man gerecht werden will. „Ein erster Platz mit einer Punktzahl, über die man eigentlich heulen könnte, ist nett und eine weitere Medaille, aber eigentlich nichts wert“, erklärt Widmair. „Für mich ist es inzwischen wichtiger, dass ich meinen eigenen Erwartungen gerecht werde. Die sind möglicherweise auch daran gekoppelt, was in den letzten Wochen oder Monaten im Training oder auch privat so vorgefallen ist. Mit diesem Wissen gehe ich dann in ein Turnier, mit einer gewissen Erwartungshaltung an mich selbst. Wenn ich die erfüllen kann, ist es gut. Wenn dann noch eine gute Platzierung herausspringt, freut man sich natürlich auch darüber.“ Heuer sei es sehr schwierig abzuschätzen, sagt Widmair, was denn überhaupt stattfinden könne und ob sie dann auch mit der Partie sein werde.

Internationale Titelkämpfe im Fokus

Wesentlich zuversichtlicher blickt die Haager Bogenschützin auf die internationalen Titelkämpfe im Jahr 2022. Da stehen im März die Hallen-Europameisterschaften in Finnland und im Sommer die Weltmeisterschaft in der Disziplin „Feld und Jagd“ in Ungarn auf dem Programm. Darüber hinaus sollte die inzwischen zweimal verschobene EM in Frankreich über die Bühne gehen können.

Josef Fuchs

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