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So schön war’s 2019: Mit dem Merkur CUP fällt das Highlight für alle E-Junioren der Corona-Lage zum Opfer.

„Die Entscheidung ist unabdingbar“

Fußball, Volleyball, Merkur CUP und mehr: Corona bringt Sport in Freising zum Erliegen

Die Volleyball-Saison ist vorzeitig beendet, Handballer und Basketballer pausieren. Auch der Fußball-Verband hat die Reißleine gezogen: Die Coronavirus-Pandemie bringt den Sport zum Erliegen.

Landkreis – Nichts geht mehr: Die aktuelle Entwicklung der Corona-Lage hat den kompletten Liga-Sportbetrieb im Landkreis Freising – vom Fußball bis zum Volleyball – zum Erliegen gebracht. Wie es weitergeht, steht bei vielen Sportarten in den Sternen. Seit Freitag ist auch gewiss: Der Merkur CUP findet nicht statt.

Fußball

Die Landesliga-Spiele des VfB Hallbergmoos und des SE Freising waren wegen Corona-Fällen respektive -Verdachtsfällen bei den gegnerischen Vereinen ohnehin bereits abgesagt – nun hat der Bayerische Fußball-Verband (BFV) komplett die Reißleine gezogen: Der BFV „setzt als Vorsorgemaßnahme hinsichtlich der weiter steigenden Zahl von Corona-Infizierten und der dynamischen Lageentwicklung den kompletten Spielbetrieb für mindestens zwei Wochen bis einschließlich 23. März im ganzen Freistaat aus“. Betroffen sind vorerst zwei Landesliga-Spieltage und das Auftaktwochenende der Bezirksliga Nord nach der Winterpause. Auch die Bezirksliga-Fußballerinnen des TSV Eching sowie beispielsweise die A- und die B-Junioren des SE Freising – beide kicken in der Bezirksoberliga – müssen pausieren.

„Der einzig richtige Schritt“

Ohne zu wissen oder auch nur ansatzweise abschätzen zu können, wie sich die Lage weiterentwickeln wird, ist für den Moment geplant, die nun in den Amateurklassen abgesagten Partien nachzuholen, teilt der BFV mit. „Aufgrund der Tatsache, dass es mittlerweile die ersten positiv getesteten Spieler und auch infizierte Personen aus dem engen Umfeld von Amateur-Mannschaften gibt, und damit die Unsicherheit bei vielen Vereinsvertretern groß ist, war es der einzig richtige Schritt, den Amateurspielbetrieb jetzt komplett auszusetzen“, erläutert BFV-Präsident Rainer Koch. „Nicht zuletzt auch vor dem Hintergrund, dass Bayerns Ministerpräsident Markus Söder unmissverständlich verdeutlicht hat, dass sämtliche Veranstaltungen mit über 100 Teilnehmern grundsätzlich abzusagen sind, und zugleich dringend davon abrät, auch Zusammenkünfte mit einer Beteiligung von unter 100 Menschen durchzuführen, ist die Entscheidung unabdingbar.“

Der BFV rät seinen insgesamt rund 4600 Vereinen zudem dringend dazu, den Trainingsbetrieb bis auf Weiteres einzustellen: „Verbieten können wir es nicht, wir appellieren hier aber an die Vernunft der Verantwortlichen in den Vereinen, in dieser für unser Land nicht einfachen Lage alles zu tun, um gemeinsam diese Situation zum Guten zu wenden“, erläutert Koch. „Es wäre schwerlich nachvollziehbar, wenn Schulen und Kitas in Bayern geschlossen sind, im Verein aber das Training fortgesetzt würde.“  mlt

Merkur CUP

Schlechte Nachrichten gibt’s auch für die insgesamt 30 E-Jugendteams aus dem Landkreis Freising, die heuer am weltweit größten Fußballturnier in dieser Altersklasse an den Start gehen wollten: Die 26. Auflage des Merkur CUP findet nicht statt. „Nachdem Ministerpräsident Markus Söder am Freitag die alternativlosen Schulschließungen ab dem kommenden Montag verkündet und der Bayerische Fußball-Verband den kompletten Spielbetrieb bis einschließlich 23. März im Freistaat abgesetzt hat, haben wir uns entschlossen, den gesamten Merkur CUP 2020 und somit auch die für den 24. März geplante Kickoff-Veranstaltung in der Sportalm der SpVgg Unterhaching abzusagen“, teilt Merkur CUP-Gesamtleiter Uwe Vaders mit.

Die Begründung liegt klar auf der Hand. Vaders: „Beim Turnier spielen insgesamt gut 6000 Kinder mit. Dahinter stehen 12 000 Mütter und Väter und noch einmal die doppelte Anzahl Omas und Opas – viele Menschen, auch ältere Menschen, die insbesondere derzeit stark gefährdet sind.“ Eine Durchführung des Merkur CUP beinhalte eine hohe Ansteckungsgefahr, das sei ein zu großes gesundheitliches Risiko. „Wir können die Augen nicht vor dem verschließen, was seit Wochen für Besorgnis in der Bevölkerung sorgt.“

Zudem betont Vaders: „Wir werden den CUP auch nicht verspätet ausspielen, falls der Verband noch vor der Sommerpause seinen Spielbetrieb wieder aufnehmen sollte.“ Das würde nur zu einer großen Terminenge führen. 

Volleyball: Höhere Gewalt und politische Empfehlungen

Der Bayerische Volleyball-Verband (BVV) hat am späten Donnerstagnachmittag den gesamten Spielbetrieb in dieser Saison für beendet erklärt. Welche Auf- und Abstiegsregelungen es geben wird, hat der BVV noch nicht entschieden. 

Die Abteilung des SC Freising hat fünf Erwachsenen- und zahlreiche Jugendteams im Spielbetrieb und im Landkreis Freising damit die meisten Volleyballer. SCF-Spartenchef Dejan Jankovic hatte am Mittwoch noch gehofft, dass wenigstens das Regionalliga-Team sowie die Zweite Männermannschaft (Bezirksliga) und das Zweite Frauenteam (Kreisliga) am heutigen Samstag die Saison mit ihren letzten Punktspielen abschließen könnten. „Wir hatten für die drei Mannschaften für Samstagabend eine kleine Saisonabschlussfeier organisiert“, ließ Jankovic wissen. Dabei hätten die Freisinger am liebsten die Meisterschaft der Frauen II in der Kreisliga gefeiert. 

Die WhatsApp-Gruppen seien am Donnerstagabend heiß gelaufen, sagt Jankovic. Alle hätten wissen wollen, wie es jetzt weitergeht. Die SCF-Volleyballer wollen nun den heutigen Samstag eventuell dazu nutzen, sich in der Halle zu treffen, ein wenig für sich selber Sport zu machen und anschließend mit einer kleinen Feier die Punkterunde ausklingen zu lassen. 

Ende des Spielbetriebs „zum Wohle der Allgemeinheit“

Zunächst hatte der Deutsche Volleyball-Verband (DVV) am Donnerstag die Saison von der Bundesliga bis runter zur Regionalliga vorzeitig beendet. DVV-Präsident René Hecht begründete dies folgendermaßen: „Wir befinden uns aktuell in einer Situation, in der wir aufgrund von höherer Gewalt und politischen Empfehlungen eine Entscheidung treffen mussten.“ Deshalb habe man sich „zum Wohle der Allgemeinheit“ auf eine Beendigung des Spielbetriebs verständigt. „Wir sind überzeugt, dass dies in der aktuellen Phase, auch zum Schutz aller Spielerinnen, Spieler, Trainer, Betreuer und Schiedsrichter sowie deren Familien und Freunden, die einzig richtige Entscheidung ist.“ 

„Wir befinden uns in einer Ausnahmesituation“: SCF-Volleyball-Abteilungsleiter Dejan Jankovic zeigt für die Entscheidung des Verbands vollstes Verständnis.

Daraufhin hat der BVV nachgezogen und die Saison 2019/20 beendet. Jankovic zeigt für die Entscheidung vollstes Verständnis – und ist sogar froh darum: Denn der SV Haimhausen, ursprünglich Gegner des Zweiten SC-Frauenteams am Samstagnachmittag, hatte beim Sportclub eine knifflige Anfrage gestellt. Die Haimhausenerinnen baten den SCF darum, dass zwei ihrer Spielerinnen, die kurz vorher aus dem Südtirol-Urlaub heimgekehrt sind, mitspielen dürften. Die Brisanz dabei: In diesem Spiel wäre wahrscheinlich die Entscheidung um die Meisterschaft in der Kreisliga gefallen. „Ich bin sehr froh, dass wir jetzt diese Entscheidung nicht treffen mussten“, räumte Jankovic ein. Noch keinen Beschluss hat der Verband über die Auf- und Abstiegsregelungen getroffen. Im Landkreis Freising gibt es neben dem Sportclub noch die Abteilungen der SG Moosburg, des TSV Neufahrn und des VfB Hallbergmoos, doch nur die Dritte Männermannschaft und das Zweite Frauenteam des SC Freising sind davon betroffen. Die Mädels belegen nun den ersten Platz in der Kreisliga 2 und wären damit aufgestiegen. Die Männer III haben die Saison schon vor Wochenfrist beendet, belegen in der Bezirksklasse 1 den vorletzten Tabellenplatz und müssten Relegationsspiele am letzten Aprilwochenende bestreiten. „Bei uns gäbe es also Verlierer und Gewinner“, sagt Jankovic. Er könne sich durchaus vorstellen, dass es heuer weder Auf- noch Absteiger gibt. Das sei vielleicht auch am besten.

In der Volleyballszene ist man nun gespannt, wie es weitergeht, inwieweit auch der Trainingsbetrieb in den nächsten Wochen betroffen sein wird. Es muss damit gerechnet werden, dass die Kommunen oder wie im Fall des TSV Neufahrn der Verein selber die Hallen für den Trainingsbetrieb sperren müssen, zumal ab kommenden Montag auch die Schulen schließen werden. „Wir befinden uns momentan in einer Ausnahmesituation“, betont Jankovic. „Diese betrifft eben nicht nur die Arbeitswelt, sondern auch den Sport. Wir müssen jetzt vor allem ruhig und gelassen bleiben.“

Basketball: „Wir wissen nicht, wie es weitergeht“

Dagegen hat der Bayerische Basketball-Verband (BBV) den laufenden Spielbetrieb bisher nur unterbrochen. „Wir wissen deshalb nicht, wie es weitergeht“, sagt Michael Buhl, Abteilungsleiter des TSV Jahn Freising und Headcoach des Bayernliga-Teams. Da sich die Lage während der Woche immer mehr zugespitzt hat, kam für ihn die Entscheidung des Verbands nicht überraschend. 

Wie geht’s weiter? Die Basketballer des TSV Jahn Freising stecken tief im Abstiegskampf – ein Saisonabbruch wäre vielleicht die Rettung.

Bereits am Mittwochabend verschickte der Basketball-Verband an seine Klubs die Info, dass im Bereich der Kreis- und Bezirksliga alle Spiele bis auf Weiteres abgesagt sind. Das betrifft das Jahn-Frauenteam, das am Samstag bei München Basket II hätte spielen müssen. Am Donnerstag entschied der Verband dann, auch die Saison in den höheren Ligen zu unterbrechen. „Im Vordergrund steht für uns die Gesundheit und das Wohlergehen aller Beteiligten. Den bayerischen Basketballvereinen wird empfohlen, auch den Trainingsbetrieb vorerst auszusetzen, um die sozialen Kontakte im Basketball zu minimieren“, sagt BBV-Präsident Bastian Wernthaler. 

Buhl zeigte sich nach dieser klaren Ansage sehr erleichtert: „Wir hatten schon während der Woche überlegt, wie wir mit dem Trainingsbetrieb weiter verfahren sollen – im Raum stand, ein freiwilliges Training anzubieten.“ Mittlerweile hat der Hauptverein seinen Sportbetrieb vollständig eingestellt. Insgesamt wäre es Buhl lieber, wenn die Saison für beendet erklärt werden würde. Denn wenn die Runde etwa im Mai weitergehe, werfe das neue Probleme auf. Viele Spieler stünden dann nicht mehr zur Verfügung, da sie im privaten oder beruflichen Bereich bereits Termine fix gemacht hätten. Ob überhaupt im Mai schon weitergespielt werde könne, hält Buhl für fraglich: „Ich bin zwar kein Virologe, aber ich denke, dass wir den Höhepunkt der Corona-Krise noch nicht erreicht haben, sodass wir derzeit keine Prognose abgeben können, wann es weitergehen kann.“ 

Im Jahn-Lager ist man natürlich sehr gespannt, wie der Verband weiter verfährt. Sollte die Runde beendet werden und der augenblickliche Tabellenstand über Auf- und Abstieg entscheiden, wäre das für das Frauen- und Männerteam bitter. Den Jahn-Mädels würde damit die Chance auf den Aufstieg genommen werden, die Herren müssten sich als Letzter aus der Bayernliga verabschieden – und hätten keine Chance mehr, den Klassenerhalt noch zu schaffen. Buhl würde daher die Lösung favorisieren, die Saison für beendet zu erklären und auf Auf- und Absteiger zu verzichten: „Ein solche Regelung fände ich am fairsten. Wir würden diese Saison für nichtig erklären – und starten im Herbst wieder ganz neu.“

Handball: Jugendbetrieb komplett eingestellt

Betroffen sind auch die Handballteams aus dem Landkreis: Bis auf Weiteres werden keine Erwachsenen-Spiele stattfinden, bestätigt die Vizepräsidentin des Bayerischen Handball-Verbands, Ingrid Schuhbauer von der HSG Freising-Neufahrn. „Der Jugendbetrieb ist komplett eingestellt – die Runden werden nicht mehr fortgesetzt. Bei den Erwachsenen müssen wir dann erst mal weiterschauen.“ Spätestens zum 19. April wird über eine mögliche Wiedereinsetzung des Spielbetriebs sowie die Saisonwertungen entschieden. Es ist also nicht ausgeschlossen, dass die Saison im Anschluss weitergeführt wird. Eine Sicherheit darüber gebe es derzeit jedoch nicht, nach dem Ende der Sperre wolle sich das Präsidium neu beraten, so Ingrid Schuhbauer. Der Verbandsbeschluss hat natürlich Auswirkungen auf den Trainingsbetrieb in den Vereinen: Laut Lukas Monz, Coach der Echinger Handballmänner, wurde „das Training erst einmal ausgesetzt“. Und auch Walter Schuhbauer von den HSG-Männern sagt: „Wir müssen die aktuelle Entwicklung abwarten. Nächste Woche wird das Training für die Nachwuchsteams erst einmal ausgesetzt.“

Tischtennis: Spielbetrieb beendet

Die aktuelle Situation hat den Bayerischen Tischtennis-Verband (BTTV) dazu veranlasst, den offiziellen Spielbetrieb mit sofortiger Wirkung einzustellen. „Wir haben in den letzten Tagen versucht, den Spielbetrieb der Saison 2019/2020 geordnet zu beenden“, erklärt Präsident Konrad Grillmeyer. „In Anbetracht der sich ständig ändernden Rahmenbedingungen war es aber geboten, der Gesundheit absoluten Vorrang einzuräumen.“ Konkret bedeutet das: Die Spielzeit 2019/2020 wird beendet. Es finden keine Mannschaftskämpfe mehr statt – und diese werden auch nicht mehr aufgenommen. Über die Wertung der Spielzeit wird zu einem späteren Zeitpunkt entschieden. Analog gilt der Beschluss für den Einzelspielbetrieb. Hier empfiehlt der BTTV den Vereinen, geplante offene Turniere abzusagen. „Ich habe für diesen Schritt auf alle Fälle Verständnis“, betont Michael Bulenda, Mannschaftsführer der Herren I des TTC Freising. Wenn die Schulen und Kitas dicht machten und zahlreiche Veranstaltungen abgesagt würden, könne man einen Sportbetrieb nicht mehr aufrecht erhalten. Die Saison einfach nur zu unterbrechen, wäre für ihn keine Option gewesen. „Die Runde würde sich dann bis in den Mai oder Juni hinein ziehen. Außerdem ist es nicht vorhersehbar, wie sich die Lage weiterentwickelt.“

Bernd Heinzinger, Peter Spanrad, Michael Leitner

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