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Ein Bild aus besseren Zeiten: In der Halle am Seilerbrückl, wo sich sonst viele Kletterer – und bei offiziellen Meisterschaften und Wettkämpfen auch zahlreiche Zuschauer – tummeln, herrscht derzeit gähnende Leere.

Im Interview mit Vorsitzendem Christian Rester

„Die Corona-Krise trifft uns unheimlich hart“: Kletterzentrum Freising rechnet mit massivem Minus

  • Michael Leitner
    vonMichael Leitner
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Die Corona-Krise trifft auch das Kletterzentrum Freising hart. Der Betrieb ist komplett eingestellt - und die Folgen sind massiv, berichtet Vereinsvorsitzender Christian Rester.

Freising – Normalerweise tummeln sich Tag für Tag im Durchschnitt an die 300 Aktive im Kletterzentrum am Seilerbrückl. Sie nehmen die Wände in Beschlag, studieren die möglichen Routen, um ganz nach oben zu kommen, sporteln im Fitnessraum. Momentan aber könnte man in der Kletter- und Boulderhalle des DAV Freising eine Stecknadel fallen hören. Der gesamte Betrieb ist wegen der Corona-Krise eingestellt. Die Folgen sind massiv, erzählt Vorsitzender Christian Rester im FT-Interview – und das längst nicht nur in sportlicher Sicht.

„Da müssen wir jetzt alle durch“

Herr Rester, wie massiv trifft die Corona-Krise den Freisinger Alpenverein?

Christian Rester: Sie trifft uns unheimlich hart. Einmal natürlich im Bereich des Leistungssports, unsere Leute haben keine Möglichkeit zu trainieren. Außerdem fallen die Wettkämpfe aus. Dann wäre da noch die gesellschaftlich-soziale Komponente: Ein normales Vereinsleben ist aktuell außen vor. Insbesondere die Kinder und Jugendlichen leiden darunter, dass sie sich nicht in der Halle treffen können. Aber es ist eine Ausnahmesituation – da müssen wir jetzt alle durch.

Inwieweit hat Corona in wirtschaftlicher Hinsicht bereits Spuren hinterlassen?

Die Auswirkungen sind schon jetzt gewaltig. Das Kletterzentrum ist professionell ausgerichtet – es hängen zirka 25 Angestellte dran. Es sind zwar keine ganze

Christian Rester (56): „Wir haben zum Glück in der Vergangenheit Geld angespart.“

n Stellen, sondern eher Minijobs. Aber wir haben gesagt, dass wir die Löhne erstmal weiterbezahlen. Der Student, der bei uns in irgendeinem Bereich arbeitet, muss ja auch die Miete für sein Zimmer berappen und seinen Lebensunterhalt bestreiten.

Schließung wird für Generalreinigung genutzt

Stellt sich die Frage nach einer Einführung von Kurzarbeit?

Theoretisch wäre das möglich, wenn die Krise bis in den Mai oder Juni hineinreichen sollte. Wir werden, wenn es so schlimm kommen sollte, Einzelgespräche mit unseren Mitarbeitern führen und versuchen, für jeden eine individuelle Lösung zu finden.

Gibt es momentan überhaupt Arbeit?

Wir nutzen die Schließung des Zentrums, um die Routen neu zu schrauben und die Griffe zu putzen – da ist quasi eine Generalreinigung angesagt. Das können unsere Mitarbeiter in kleinen Trupps machen. Darüber hinaus wird gerade der Boden im Eingangs- und Bistro-Bereich neu verlegt.

„Wir haben zum Glück Geld angespart“

Können Sie den wirtschaftlichen Schaden durch die Corona-Krise bereits beziffern?

Die Kletterhalle ist seit Mitte März, also seit etwa zweieinhalb Wochen, geschlossen. Ich denke, dass wir bis zum Ende der Osterferien bei einem Minus in Höhe von 45.000 bis 50.000 Euro angekommen sein werden. Diese Summe resultiert vor allem aus den fehlenden Eintrittseinnahmen und aus den laufenden Ausgaben wie etwa den Gehältern.

Wie kann der DAV Freising die laufenden Fixkosten stemmen?

Wir haben zum Glück in der Vergangenheit Geld angespart – zum Beispiel für die Erweiterung des Kletterzentrums und der Außenanlage. Am liebsten wäre es mir, wenn wir die Mittel für solche Maßnahmen verwenden könnten. Aber es geht nicht anders, wir müssen die Rücklagen angreifen. Das wirft uns um Jahre zurück.

Die Rücklagen werden irgendwann aufgebraucht sein. Ab wann wird es richtig kritisch?

Da möchte ich gar nicht daran denken. Im Jahr 2020 sollte der Betrieb schon noch weitergehen. Wenn wir im Herbst die Halle nicht wieder aufmachen können, wird es schwierig. Denn dann ist die Liquidität nicht mehr gegeben.

Wettkämpfe mussten noch nicht abgesagt werden

Sie haben eine Erweiterung des Kletterzentrums angesprochen. Welche Pläne gibt es konkret?

Wir haben uns im vergangenen Jahr im Verein Gedanken gemacht: Was fehlt? Was ist zu klein? Zu klein ist auf alle Fälle der Boulderbereich, das ist eine Disziplin, die gerade richtig boomt. Wir haben danach Szenarien mit der Stadt und dem Oberbürgermeister besprochen, ob in nördlicher Richtung ein Boulderanbau mit einem pavillonartigen Innenbereich zu realisieren ist. Alles ist jetzt natürlich davon abhängig, wie sich die Corona-Lage weiterentwickelt.

Der Betrieb steht gerade still. Was haben Sie derzeit in Ihrer Funktion als Vorsitzender zu tun?

Mir geht die Arbeit nicht aus. Im Tagesgeschäft bleibt immer etwas liegen, außerdem schaue ich, wie es in der Halle vorangeht. Und ich führe natürlich viele Gespräche mit unserem Schatzmeister und dem Betriebsleiter zur aktuellen Lage. Insgesamt geht das Leben im Büro weiter. Ich muss jetzt dann auch die Edelweißfeier absagen, die Anfang Mai hätte stattfinden sollen.

Mussten Sie auch schon Wettkämpfe in Freising abblasen?

Nein. Zum Glück hatten wir heuer nicht viel geplant. Der nächste Wettkampf, den wir ausrichten, ist Anfang Oktober ein Durchgang im Rahmen des Soby-Cups, bei dem sich der Kletternachwuchs aus dem südöstlichen Teil Bayerns misst. An diesem Termin wollen wir festhalten.

„Die Leute zeigen Verständnis“

Sie und Ihre Familie sind ja selbst sehr sportlich. Wie haltet ihr euch fit?

Wir laufen viel im Wippenhauser Forst. Außerdem haben wir auf dem Speicher eine kleine Kletterwand, an der wir die kletterspezifische Fitness trainieren können. Es geht – aber es ist natürlich nicht das Selbe.

Wie haben die Mitglieder reagiert? Gibt es schon erste Austritte wegen der Corona-Krise?

Nein, da habe ich noch nichts gehört. Die Leute zeigen Verständnis dafür, dass wir gerade nichts anbieten können – außer Yoga auf Skype. Es ist ja nicht unsere Schuld, die anderen Hallen oder auch Fitnessstudios sind ebenfalls geschlossen. Jetzt geht es erst einmal um die Volksgesundheit. Der Sport ist die schönste Nebensache der Welt – aber in Krisenzeiten wie diesen halt nur ein Randphänomen.

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