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Auf einen geregelten Trainingsstart nach der Sommerpause hoffen die Handballer der SGM (in rot).

Die Mitglieder halten den Vereinen die Treue

Daumen für Vereinssport geht vorsichtig nach oben – Forderungen nach Lockerungen werden lauter

  • vonNico Bauer
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Der Betrieb in den Sportvereinen des Landkreis Freising steht nach wie vor still. Die Mitglieder halten ihren Vereinen zwar die Treue – doch die Forderungen nach Lockerungen werden lauter.

Landkreis – In Zeiten von Corona steht der Betrieb in den größten Sportvereinen des Landkreises weiter still – die Klubs verfolgen bei der Überbrückung dieser Zwangspause die unterschiedlichsten Ansätze. Mitglieder und Übungsleiter halten den Vereinen die Treue. Doch die Funktionäre betonen, ähnlich wie die Vertreter der Wirtschaft, dass dieser Zustand nicht über mehrere Monate haltbar ist.

TSV Jahn Freising

Hinter dem Alpenverein ist der TSV Jahn Freising mit seinen rund 4400 Mitgliedern der zweitgrößte Klub des Landkreises – und hier beobachtet 2. Vorsitzender Franz Lupp „keinen signifikanten Anstieg der Austritte von Mitgliedern“. Eventuelle Auswirkungen des Lockdowns könne man allerdings erst in ein paar Wochen genauer erfassen. „Wir haben schnell reagiert und mit den Schulschließungen auch unseren Sportbetrieb eingestellt“, sagt Lupp. Der Verein hat seine Übungsleiter bis Ostern bezahlt, dann aber auch hier die Pause umgesetzt.

Wenn schon nicht in der Halle, dann doch wenigstens draußen: Franz Lupp, 2. Vorsitzender des TSV Jahn Freising, hofft, dass sich die Mitglieder einzelner Abteilungen schon bald wieder treffen dürfen. Gymnastik im Freien wäre eine der ersten Optionen nach einem Neustart.

Die Jahn-Familie hat jedoch eine Lösung für die Trainer entwickelt, die dringend auf dieses Geld angewiesen sind: Diese verdienen sich Vergütungen durch das Drehen von Videos, die den Mitgliedern im Internet für den „Sport in den eigenen vier Wänden“ angeboten werden. Lupp hofft nun darauf, dass sich schon bald die ersten Abteilungen des extrem breit aufgestellten Vereins wieder treffen könnten. Gymnastik im Freien mit ausreichend großem Abstand zwischen den einzelnen Teilnehmern dürfte zu den ersten Sport-Optionen des Wiederbeginns gehören.

TSV Neufahrn

Der TSV hat wegen Corona in finanzieller Hinsicht sofort Maßnahmen ergriffen: In der sportlichen Zwangspause erhebt der Verein keine Spartenbeiträge und hat die Gelder für Kurse, die aktuell pausieren, zurückerstattet. Bei den Übungsleitern ist dem Klub kein Schaden entstanden, da diese auf Honorarbasis für abgehaltene Kursstunden vergütet werden. „Wir sind aktiv auf die Leute zugegangen“, erläutert Vorsitzender Frank Bandle – und deshalb habe es auch keine Austritte über das für einen solchen Großverein normale Maß hinaus gegeben.

Sporteln im Grünen ist auf dem Bewegungsparcours des TSV Neufahrn möglich – aber bitte mit Abstand!

Der TSV Neufahrn hat sich allerdings auch nicht zurückgelehnt, sondern kreative Angebote geschaffen: So gibt es hinter der natürlich geschlossenen Vereinsgaststätte einen Trimm-dich-Pfad, auf dem sich die Aktiven – quasi im Rahmen des erlaubten Spazierengehens – sportlich bestätigen können. Damit sich die Leute auch zu Hause fit halten können, bietet der TSV Neufahrn über seine Internetseite Videos mit Workouts von Felix und Paul Ilberg an, die auch viele Leistungssportler wie etwa die Handballer der HSG Freising-Neufahrn nutzen.

Doch nicht nur in diesem Punkt geht der TSV Neufahrn mit der Zeit: Die Vereinsvorstandschaft hat bereits in Videokonferenzen getagt – und nun sollen sich auch verschiedene Gruppen über das Internet zusammenschalten, um sich zu sehen und so gemeinsam Sport zu treiben. Diese Bilder kennt man auch vom FC Bayern München, als die Fußballer nicht auf die Trainingsplätze durften und deshalb per Videokonferenz gemeinsam zu Hause Übungen absolvierten.

SG Moosburg

Apropos, Fußball: Der FC Bayern und der Rest der Bundesliga sind Vorsitzendem Johann Berger derzeit massiv ein Dorn im Auge: „Wenn wir Amateure nicht spielen dürfen, dann sollten es die Profis auch nicht tun“, betont der Klubchef der SG Moosburg. „Die Solidarität in der Bevölkerung sollte auch für die Profi-Fußballer gelten“, sagt Berger im Hinblick auf die Bemü

„Wenn wir Amateure nicht spielen dürfen, dann sollten es die Profis auch nicht tun.“ Johann Berger, Vorsitzender der SG Moosburg, zu den Bestrebungen der Klubs aus der Fußball-Bundesliga, möglichst bald wieder den Spielbetrieb aufzunehmen.

hungen der 1. Fußball-Bundesliga, möglichst bald wieder starten zu dürfen.

Sein Verein ist traditionell im Handball stark aufgestellt – und hier baut Johann Berger darauf, dass nach dem Saisonabbruch und der nun anstehenden Sommerpause im Herbst das Training wieder in gewohnter Manier beginnen kann. Sollte das jedoch nicht der Fall sein, sieht er größere Schwierigkeiten auf die SGM zukommen. „Bis jetzt ist noch alles in Ordnung“, sagt der Vorsitzende zur aktuellen Situation bei Mitgliedern und Übungsleitern. Für rund einen Monat habe der Moosburger Großverein noch Luft. Berger macht aber zugleich deutlich, dass ein längerer Stillstand für den Sportverein in höchstem Maße kritisch wäre: „Wenn wir uns jetzt keine Sorgen machen, wann dann?“

TSV Allershausen

„Vor einer Woche war ich noch depressiver“, sagt Hans Spada, der 1. Vorsitzende des TSV Allershausen. Mittlerweile stimmt es ihn jedoch zuversichtlicher, dass Mitglieder und Sponsoren dem Klub die Treue halten. Spada verweist immer wieder auf „das schönste Sportgelände im Landkreis“ – und das will er mit seinem Verein so schnell wie möglich wieder bespielen. Der Vorsitzende denkt hier beispielsweise an die Abteilung Tennis – eine Sportart, bei der sich die Aktiven nicht nahekommen. Der Verein demonstriert aber Zusammenhalt. Man müsse immer mal wieder Personen von der Anlage schicken, die Fußball spielen und angeben, es handle sich doch um eine sechsköpfige Großfamilie.

TSV Nandlstadt

Auch bei dem breit aufgestellten Verein in der Hallertau geht der Daumen vorsichtig nach oben. „Wir harren der Dinge, die da kommen“, sagt TSV-Vorsitzender Andreas Steininger. Die Mitglieder hielten dem Klub weiter die Treue – und der Vorsitzende betont, dass man bereit ist: „Wenn wir wieder Sport treiben dürfen, dann geht’s auch wieder sofort los.“

SpVgg Zolling

Der Verein aus dem Ampertal hat derzeit ein ganz anderes Problem – immerhin hat die SpVgg in der Corona-Anfangszeit den Wirt des Sportheims verloren. Mit der Schließung der Gastronomie ging dieser zurück in seine Heimat Griechenland und wird nach der Krise auch nicht zurückkehren. Ohne Corona hätte der Pächter der Sportgaststätte wohl Ende des Jahres den Vertrag beendet. So aber hat Vorsitzender Josef Felsl mitten in dieser schweren Zeit die große Herausforderung, zusammen mit seinem Vorstandsteam einen neuen Wirt zu suchen. Idealerweise soll mit dem Neustart der Gastronomie auch das Sportheim öffnen. Der Pachtvertrag mit dem bisherigen Wirt endet nun vorzeitig zum 30. Juni.

Zollinger „Baustelle“: Die SpVgg-Verantwortlichen um Vereinschef Josef Felsl sind aktuell auf der Suche nach einem neuen Sportheim-Wirt.

Ansonsten kommen die Zollinger ganz gut durch die Krise – auch, weil die Übungsleiter und Trainer auf Entschädigungen verzichten. Nur der hauptberufliche Tennistrainer wird weiterbezahlt – und bei dem Sport fragt sich Felsl ohnehin, warum derzeit nicht gespielt werden darf. Mit Einkaufsgängen für die Zollinger hat der Verein in den vergangenen Wochen seine Hilfe angeboten – doch diese Dienstleistungen seien kaum in Anspruch genommen worden.

Um in Zeiten von Ausgangsbeschränkungen fit zu bleiben, haben sich Felix und Paul Ilberg etwas einfallen lassen: Sie drehen Sportvideos für Youtube. Die Resonanz ist riesig.

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