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Das gibt es auch nicht alle Tage: Für ein Foto wurde das Cricket-Match zwischen den Teams der SG Moosburg mit Parikshit Khopade, Noori Noorulhaq, Peter Adlt, Krishna Choletti, Roshan Anuradha, Srinivas Reddy, Sai Choletti, Lukas Stelter, Uday Kapadia, Dhruv Kasvala, Nazmeen Haqbin und Vipin Chhetri (v. r.) und dem Münchner Cricket-Club kurzzeitig unterbrochen.

Lokalsport

Cricket bei der SG Moosburg: Ein Sport voller Ehrlichkeit und Respekt

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Cricket kennt man überwiegend aus den sogenannten Commonwealth-Ländern. Und in Afghanistan etwa ist es sogar Volkssportart Nummer eins. Dass es längst aber auch in hiesigen Gefilden Fuß gefasst hat, ist vielen neu. Seit einigen Monaten bietet nun die SG Moosburg als Vielspartenverein Cricket an. Auch wenn einer nur zum Schnuppern vorbeischauen möchte – willkommen ist jeder, sagt Abteilungsleiter Uday Kapadia.

Moosburg – Andrew kommt aus Englands Hauptstadt London, aber er lebt schon 18 Jahre in Deutschland. Seit 2011 ist er in Moosburg. Und er, der bis zu seinem 30. Lebensjahr Cricket gespielt hat, ist selbstverständlich begeistert, dass es das Spiel, das in seiner Heimat zum selbstverständlichen Sportangebot gehört, nun auch in Moosburg gibt. Seit mittlerweile dreieinhalb Monaten ist er dabei. Er hat auch schon mal Judo bei der SGM ausprobiert – doch Cricket ist einfach ein Sport für jedes Alter, sagt er.

Jonathan hat an diesem Donnerstag Anfang der Sommerferien – trainiert oder gespielt wird immer donnerstags und sonntags auf dem SGM-Platz, Am Stadion 3, in Moosburg – sein drittes Training vor sich. Sein Vater habe ihn zu diesem Sport animiert, erzählt der junge Mann, der schon einiges ausprobiert hat. Aber Cricket hat ihm vor allem deshalb gefallen, weil es für ihn „sowohl Sport als auch Freizeitaktivität“ darstellt.

„So hält man den Schläger“, demonstriert Kader Khan. Der 19-Jährige ist seit vier Monaten dabei und kennt Cricket aus dem Land, in dem er geboren wurde: Afghanistan. Doch von dort musste Kader Khan flüchten. Der junge Mann ist einer von vielen, der übers Meer kam. Er hatte das Glück, in Moosburg eine neue Heimat zu finden. Wie dankbar er darüber ist, kann man in seinen Augen ablesen.

Und da ist da noch Lukas. Er ist durch seinen Freund Toby Best dazu animiert worden, einmal zum Training zu kommen. Und der Zwölfjährige – er ist zwar mit Abstand der Kleinste und der Jüngste – ist schon etwas aufgeregt. Das braucht er aber nicht zu sein, denn jeder ist beim Cricket willkommen.

Das bestätigt Uday Kapadia. Der gebürtige Inder ist mit Cricket buchstäblich aufgewachsen – und seitdem er Anfang der 1980er Jahre nach Deutschland kam, war es ihm immer ein großes Anliegen, diesen Sport auch hier heimisch zu machen. Schließlich wusste er um die vielen Menschen aus den Commonwealth-Ländern, die im Landkreis Freising eine zweite Heimat gefunden haben und eben auch mit diesen Sport vertraut sind. Seit 1989 wohnt der 57-Jährige mit seiner Familie in Moosburg – es mussten aber noch einige Jahre ins Land ziehen, bis Cricket auch in der Dreirosenstadt gespielt wurde.

2009 hat Kapadia vom Deutschen Cricket-Bund ein Angebot bekommen, sozusagen als Development Officer Bayern Cricket-fähig zu machen. Diese Aufgabe hat er neun Monate ausgeübt. Doch dann habe es zu viele Kollisionen und Überschneidungen mit seinem Beruf – er ist als kaufmännischer Angestellter im Verkauf tätig – gegeben. „Es war schwer, die beruflichen Interessen mit den Aufgaben des Verbands zu koordinieren“, räumt er ein. Aus diesem Grund hat er die Funktion aufgegeben.

Geblieben ist allerdings das Interesse am Sport. Um auf dem Laufenden zu bleiben und eben auch, um die Sportart vielleicht doch hoffähig werden zu lassen, erwarb er den Trainer- und Schiedsrichterschein. Und dann reifte in ihm die Idee, in Moosburg einen Neuanfang zu starten beziehungsweise weiterzumachen. „Die internationale Gemeinschaft Cricket entwickelt sich sehr schnell, wenn Commonwealth-Leute zusammentreffen“, sagt er im Brustton der Überzeugung.

Schnell hat er Interessenten in Moosburg und Freising gefunden, und in den Anfängen hat man sich immer freitags auf dem Platz in der Bonau „gegenüber dem Wasserwerk“ zusammengefunden. Aber es fehlte der vereinsmäßige Anker. Und den fand Uday Kapadia bei der Vorstandschaft der Sportgemeinschaft Moosburg. „Der SGM-Platz ist gut, die Leute sind nett, die SGM hat uns gut aufgenommen“, schwärmt Kapadia. Derzeit ist man eine Sparte innerhalb der Breitensportabteilung.

Und diese für viele noch ungewohnte Sportart hat Zugkraft. Es gebe ständig Nachfragen und neue Anmeldungen, freut sich Uday Kapadia. An jenem Donnerstag waren zwar nicht so viele da – aber normalerweise sind zusammen etwa 20 Leute im Training. Und wie sieht der Trainingsablauf aus? „Warmlaufen, Stretching, Bälle zuwerfen und fangen, dann Werfen, Schlagen und Fangen. Jeder muss alles mitmachen, und keiner wird bevorzugt.“ Abschließend gibt es ein kleines Spiel – „das macht allen Freude“, sagt Uday Kapadia.

Und was macht die Faszination Cricket aus? „Es ist eine Sportart, die man altersmäßig länger ausüben kann als andere. Ehrlichkeit, Sauberkeit und Respekt gegenüber Mitspielern und Gegnern ist der entscheidende Unterschied zu den anderen Sportarten“, sagt Kapadia voller Überzeugung.

Die erste Partie gegen einen richtigen Gegner gab es am 15. Juli. Danach spielte man noch gegen Passau – dort ist auch der Sitz des Deutschen Cricket-Bunds, der 1988 im hessischen Hanau gegründet wurde. Gegen Passau gewann die SGM-Cricket-Mannschaft ebenso wie gegen den MCC München Mitte August im SGM-Stadion.

Zumindest optisch nutzen die Moosburger Cricketspieler den farblichen Aspekt, den man früher vor allem Handballtorhütern geraten hat. Ihr Trikot ist in einem schrillen Orangeton gehalten. Beim Sieg über die Münchner zeigte es jedenfalls Wirkung.

Gut zu wissen

Das nächste und damit letzte Spiel des Moosburger Cricket-Teams findet am Sonntag, 2. September, auf dem SGM-Platz statt. Dann ist die Saison für 2018 beendet. Training ist aber weiterhin immer donnerstags von 18 bis 20 Uhr sowie sonntags von 10 bis 12 Uhr.

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