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Das schreit nach einer Medaille: Leonidas Kalojanidis (r.), Tang-Soo-Do-Abteilungsleiter beim TSV Neufahrn, war einer von 14 deutschen Sportlern, die sich bei den Titelkämpfen in den USA mit der Weltspitze messen durften. Auch im Training zeigt er voller Einsatz.

Tang Soo Do 

Durchschlagender Erfolg! Neufahrner Tang-Soo-Do-Sportler glänzt bei der WM

Ein kurzer Ruf, ein gezielter Schlag, und das Brett bricht in zwei Teile. Der Durchschlag ist für Leonidas Kalojanidis vom TSV Neufahrn scheinbar eine Kleinigkeit. Der 63-Jährige ist geübt in der koreanischen Kampfkunst Tang Soo Do – und hat kürzlich bei der Weltmeisterschaft in den USA doch glatt zwei Medaillen abgeräumt. Ein Erfolg, der beileibe nicht von ungefähr kam.

Neufahrn – Leonidas Kalojanidis, seines Zeichens Tang-Soo-Do-Abteilungsleiter beim TSV Neufahrn, hat die Kampfkunst, die auch als koreanisches Karate bezeichnet wird, spät für sich entdeckt. Mit Anfang 50 machte er seine ersten Schläge. Jetzt, mit 63, schaffte er es zur Weltmeisterschaft in North Carolina in den USA – und kam mit zwei Bronzemedaillen zurück. Was für ein Erfolg, welche Ehre: Kalojanidis war einer von 14 Deutschen, die sich mit der Weltspitze messen durften. Neben den beiden Medaillen brachte er jede Menge neue Eindrücke und Impulse mit, hatten die Sportler in Übersee doch die Gelegenheit, mit erfahrenen Meistern zu trainieren.

Dass bei der Meisterschaft kaum Sanitäter zum Einsatz kamen, zeigt deutlich, welche Philosophie hinter dem Sport steckt: „Beim Tang Soo Do geht es nicht um das Kämpfen, sondern um die Verteidigung. Das oberste Ziel ist, einen Kampf zu vermeiden“, erklärt Kalojanidis. Werte wie Respekt, Diziplin und Selbstbeherrschung haben deshalb höchste Priorität. Das ist mit ein Grund, weshalb der Abteilungsleiter so begeistert von diesem Sport ist.

Starke Leistung! Leonidas Kalojanidis hat bei der WM in North Carolina zwei Bronzemedaillen gewonnen.

Der Neufahrner Abteilungsleiter und Co-Trainer steht aktuell kurz vor der Schwarzgurt-Prüfung, in der er den ersten DAN erreichen kann. Dabei wird von mehreren Großmeistern neben den körperlichen Fähigkeiten aber auch die innere Haltung geprüft. Man müsse ebenfalls soziales Engagement und Verantwortungsbewusstsein beweisen, betont Kalojanidis. Denn TangSoo Do ist eine Lebenseinstellung, nicht einfach nur ein Sport.

Deshalb findet Kalojanidis es toll, wenn schon Kinder ins Training kommen. In Neufahrn geht das ab sechs Jahren. Was die Kleinen da lernen, lernen sie fürs Leben: Selbstbehauptung, Verantwortung, Rücksichtnahme und friedliche Konfliktlösung. All das steigere auch das Selbstwertgefühl. Aber nicht nur für den Nachwuchs ist Tang Soo Do ein Gewinn: „Ich möchte nach meiner Prüfung gezielt auch ältere Menschen einladen mitzumachen“, sagt Kalojanidis. Denn seit er den Sport ausübe, seien die Gesundheitschecks beim Arzt eine wahre Freude. Blutwerte, Zuckerwerte, Fitness – alles bestens. „Und ich habe innere Ruhe gefunden“, erzählt der 63-Jährige.

Konstantin Michel ist auch schon Feuer und Flamme für diese Kampfkunst: Der Neunjährige kommt seit über einem Jahr ins Training. „Ich kann auf Koreanisch sogar schon bis Zehn zählen“, sagt er stolz. Und dass er mit vollem Eifer bei der Sache ist, sieht man bei jeder Übung, in jeder seiner Bewegungen.

Umfassendes Training ist das A und O. Doch auch Meditation ist ein wichtiger Bestandteil. Wie viel mentale Stärke dazu gehört, zeigt sich am anschaulichsten beim Bruchtest. Kalojanidis atmet, blickt konzentriert ins Nichts, führt die Hand einmal langsam zum Holz, dann ein zweites Mal. Ein kurzer Ruf, ein Schlag – und das Brett bricht entzwei. Beeindruckend, welche mentale Kraft in einem Tang-Soo-Do-Sportler steckt.

Claudia Bauer


Gut zu wissen

Tang Soo Do ist eine Kampfkunst aus Korea und hat eine Jahrtausende alte Tradition, es ist quasi das koreanische Karate. Neben dem Körpereinsatz trainiert man auch die Handhabung bestimmter klassischer Waffen: Stock, Schwert und Messer. Dabei steht jedoch nie der Kampf, sondern immer der Frieden im Vordergrund. Die drei wichtigsten Kampfregeln im Tang Soo Do sind: Der größte Kampf ist der mit sich selbst. Nur im Notfall ist der Kampf zur Selbstverteidigung geeignet. Und: Der beste Kampf ist der vermiedene Kampf.

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