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Einige Fußballclubs handeln bei Energieversorgung mit Weitsicht - Black Bears mit effizienterer Kälteanlage

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Eine neue, effizientere Kälteerzeugungsanlage, hier unter strenger Begutachtung, wurde im Sommer in der Weihenstephan Arena eingebaut. lehmann
Eine neue, effizientere Kälteerzeugungsanlage, hier unter strenger Begutachtung, wurde im Sommer in der Weihenstephan Arena eingebaut. © Lehmann

Fußballvereine haben den explodierenden Energiekosten zum Teil vorgebeugt. Probleme könnte es mit dem Eis in der Weihenstephan Arena geben.

Landkreis – Zwar sind laut des „Amateurfußball-Barometers“, einer Umfrage des DFB, in Bayern deutlich mehr Sportstätten im Besitz der Vereine (54,1 Prozent) als in den Händen der Kommunen (21,1 Prozent). Diese Clubs können somit in den eigenen Spiel- und Gaststätten eigenständig Energiesparmaßnahmen ergreifen. Dennoch befürchten 55,5 Prozent der Befragten aus dem Freistaat durch die ansteigenden Energiekosten eine finanzielle Gefährdung ihres Vereins. Etwas mehr als die Hälfte der Vereine hätte demnach bereits zur Energie-Einsparung umgesetzt.

FC Moosburg und SC Kirchdorf sparen bei der Beleuchtung bereits

Beim FC Moosburg ist kalt Duschen vorerst kein Thema, teilt Vorsitzender Franz Riederer mit. Im Driescher Sportpark werde das Wasser über eine Solaranlage beheizt. Seine Vorgänger hätten da vor über zehn Jahren bereits mit dem nötigen Weitblick gehandelt und neben der Solar- auch eine Photovoltaikanlage für die Stromerzeugung installiert. Doch das Thema Energie und Umwelt sei beim FCM permanent im Blick. „Aktuell sind wir gerade dabei, einen Beschluss umzusetzen und all unsere Leuchten, die teilweise noch alte Dampfleuchten sind, auf der kompletten Anlage gegen energiesparende LED-Leuchten auszutauschen“, erzählt Riederer. „Dadurch wollen wir künftig mehr als 60 Prozent Stromkosten einsparen. Die Anträge dazu laufen schon, und wir hoffen, dass wir noch 2022 mit dem Austausch beginnen können.“ Die Kosten für diese Maßnahme würden im unteren sechsstelligen Bereich liegen.

Beim Fußball-Kreisklassisten SC Kirchdorf sieht Abteilungsleiter Stefan Lohmeier den Herbstmonaten gelassen entgegen. Die Flutlichtanlage sei erst kürzlich erneuert worden, um Energie einzusparen, und die anfallenden Kosten für Strom und Öl auf der vereinseigenen Anlage müssten vom SCK selbst getragen werden. Wegen der derzeit hohen Kosten sei es im Interesse aller Mitglieder, auf den Energieverbrauch zu achten, aber gravierende Vorgaben seien noch nicht im Gespräch. Er habe aber von Mitgliedern der Handball-Abteilung gehört, dass in der kommenden Saison bei Auswärtsspielen in Erding kalt geduscht werden müsse. Der Beschluss des Nachbarlandkreises hat sich also schon rumgesprochen.

TSV Au: Neues Sportheim wäre beste Energiesparmethode

Die Anlage der Mauerner Fußballer wird mit Gas beheizt, deshalb sind auch sie von der Kostenexplosion direkt betroffen. Trotzdem sind derzeit laut dem Vorsitzenden Björn Braun keine extremen Einschränkungen angedacht. Man wolle die Entwicklung noch etwas beobachten, bevor man darüber entscheidet. Eine Kontrolle des Gastanks vor Kurzem habe keinen Anlass zur Sorge gegeben. „Wir haben im Frühjahr noch getankt, wo wir von vielen ausgelacht wurden, inzwischen schmunzeln wir“, sagt Braun. Trotzdem sei auch in Mauern geplant, dass im Winter weniger geheizt werden soll als in den Vorjahren. Wie das im Detail aussehen wird, müsse geklärt werden, damit der derzeit reichliche Gasvorrat noch möglichst lange vorhält. (Übrigens: Alles aus der Region gibt‘s jetzt auch in unserem regelmäßigen Freising-Newsletter.)

Bei Stefan Schaipp, dem Fußball-Abteilungsleiter des TSV Au, ist bisher noch nichts von Vorgaben zum Energiesparen angekommen. Potenzial sieht der Fußballchef auf alle Fälle: „Das beste Energiesparkonzept bei uns wäre, wenn wir endlich ein neues Sportheim bauen würden.“ Derzeit werde im alten Sportheim mit Öl geheizt, und die Tankfüllung sollte über den Winter reichen. „Insgesamt sind solche Einspar-Aktionen von Seiten der Kommunen aber schon tricky“, meint der Spartenchef. „Wenn ich im November eine Mannschaft auf den Platz schicke und sage, du kannst nachher nur kalt duschen. Und was passiert dann? Die Sportler setzten sich danach verschwitzt ins Auto, fahren heim und duschen dort warm.“ Damit werde das Problem nur verlagert, sodass am Ende die hohen Energiekosten auf die Privathaushalte der Bürger abgewälzt würden und Kommune sowie Vereine behaupten könnten, sie hätten x Prozent Energie eingespart.

Andreas Sten, stellvertretender Abteilungsleiter des Eishockey-Bezirksligisten Black Bears Freising ist nicht bekannt, dass es von Seiten der Stadt oder des Verbands gesonderte Energie-Auflagen für die kommende Saison geben würde. Bei den Fahrten zum Training oder zu den Spielen würden die Black Bears schon seit Langem darauf achten, dass Fahrgemeinschaften gebildet werden oder bei langen Auswärtstouren gemeinsam mit dem Bus gefahren wird, so der Vize-Abteilungsleiter.

Neue, energiesparende Kälteanlage in der Weihenstephan Arena

Unabhängig von der Entwicklung in der Ukraine sei in diesem Sommer, wie geplant, eine neue Kälteanlage in der Weihenstephan Arena eingebaut worden. Statt bisher sechs arbeiten künftig nur noch zwei Kompressoren, die wesentlich effizienter und energiesparender sind als beim Vorgängermodell. In diesem Zuge wurde auch gleich ein Wärmetauscher für die Abluft eingebaut. Wegen eines Lager- und Kurbelwellenschadens in beiden Verdichtern verzögert sich allerdings die Eisaufbereitung (wir berichteten). So können die Freisinger Cracks und die Freunde des Eissports voraussichtlich erst in der Kalenderwoche 43 (25. bis 31. Oktober) loslegen. „Ein Super-GAU“, sagt Sten. Für Aufsehen sorgte in dem Zusammenhang FW-Stadtrat Benno Zierer, der vorgeschlagen hatte, die Eishalle wegen der ohnehin verspäteten Eröffnung gleich die ganze Saison zu schließen, um Energie zu sparen (siehe Lokalseite 1). Für die neue Kälteanlage bekommt die Stadt Fördergelder des Bundes im sechsstelligen Bereich – aber nur, wenn das neue Gerät noch in diesem Jahr ans Netz geht.

In der Moosburger Clariant-Arena läuft die Eismaschine bereits. Denn seit 12. September finden dort auf der fertigen Eisfläche die ersten Trainingseinheiten des Eishockey-Landesligisten EV Moosburg für die neue Saison statt. Ob es im Lauf der Saison von der Stadtverwaltung Ansagen zu gravierenden Einsparungsmaßnahmen im Spiel- und Trainingsbetrieb geben werde, müsse laut EVM-Vorstand Robert Warth abgewartet werden. VON JOSEF FUCHS UND JONAS GRUNDMANN

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