Frank-Martin Belz präsentiert in einem Park sein Buch
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Professor, Sportler und Autor: Der 55-jährige Freisinger Frank-Martin Belz hat ein sehr persönliches Buch über das Phänomen „Ironman“ geschrieben.

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Faszination Extremsport: Freisinger Triathlet veröffentlicht Buch

Frank-Martin Belz hat ein Buch über das Phänomen „Ironman“ geschrieben, eine Hommage an die sportliche Leidenschaft. Doch der Autor stellt auch vieles in Frage.

Freising – Es ist ein sehr persönliches Buch, das Frank-Martin Belz (55) da herausgebracht hat. Eines, welches den Titel „Challenge Ironman – Auf der Suche nach Sinn“ nicht umsonst trägt. Der am Bodensee geborene Professor für Nachhaltiges Unternehmertum an der Technischen Universität München (TUM) in Weihenstephan beleuchtet darin die internationale Triathlon-Szene. Er lässt Idole und Größen ebenso zu Wort kommen wie ganz normale Teilnehmer. Aber gibt es die überhaupt? Und wenn ja, was bewegt Menschen, sich einer derart großen Herausforderung zu stellen und immer wieder an die Grenzen ihrer Belastbarkeit zu gehen? Mental wie körperlich. All das hat der seit 17 Jahren in Freising am Vimypark lebende Sportler und Uni-Professor in seinem Buch zusammengefasst, kommentiert – und auf den Punkt gebracht.

Belz selbst befand sich erklärtermaßen in einer „kleinen Lebenskrise“, als er Ende der 1990er Jahre mit dem Triathlon anfing. Sportlich aktiv war er freilich schon immer. Egal, ob Fußball auf dem Bolzplatz, Eishockey auf zugefrorenen Seen oder Tennis während des Becker-Booms: Belz hatte stets Spaß an der Bewegung und daran, sich und seinen Körper zu fordern. Auch Ausdauersportarten wie Laufen, Schwimmen oder Radfahren übten irgendwann einen Reiz auf ihn aus. Aber ein Triathlon über die Langdistanz mit 3,8 Kilometern Schwimmen, 180 Kilometern Radfahren sowie einem kompletten Marathon mit 42,195 Kilometern Laufen obendrauf? Das war für Belz zunächst „unvorstellbar“. Das sollte sich allerdings ändern.

Wie Münchhausen „am eigenen Schopfe aus dem Sumpf gezogen“

Und das kam so: Im Alter von 30 Jahren geriet er wegen seiner wissenschaftlichen Karriere ins Grübeln. Zudem befand er sich in einer Partnerschaft, „die schwierig war“, wie sich der Buchautor erinnert. Und dann war da auch noch ein Bauchansatz, den es zu bekämpfen galt. Schließlich stellte er sich der Herausforderung „Ironman“, eben jener Langdistanz. Das hatte, wie er heute sagt, „viel mit Selbstwert“ zu tun. Einer Kollegin und guten Freundin zufolge hat sich Belz damals berappelt und wie Münchhausen quasi „am eigenen Schopfe aus dem Sumpf gezogen“.

Er weiß, worüber er schreibt: Der triathlonbegeisterte TUM-Professor hat schon 23 Ironmans absolviert. Der 24. soll noch heuer folgen.

Den ersten Ironman lief der Autor 1999 in der Schweiz. In einer Zeit von zwölf Stunden und 37 Minuten. „Fürs Erste ein passables Resultat“, urteilt Belz im Nachhinein. Noch dazu, weil es in Zürich auf der Radstrecke über 2000 Höhenmeter zu überwinden galt. Es war der Beginn einer langen Reihe von mittlerweile schon 23 Ironmans. Dabei war er auch auf Hawaii: 2016 trat er gemeinsam mit den Cracks der Szene bei jenem legendären Wettkampf an. Noch heute schwärmt er: „Das war ein großes Erlebnis, der ultimative Traum.“ Aber, er sei auch etwas „eingeschüchtert“ gewesen, inmitten der Besten der Besten, der Profis aus der ganzen Welt, gesteht der Wahlfreisinger. Für ihn hätten jedoch der olympische Gedanke und der Wunsch, „zu finishen und dabei gesund zu bleiben“, im Vordergrund gestanden.

Denn gerade beim Schwimmen, bei den Massenstarts, da gehe es bisweilen knallhart zur Sache. Es sei schon zu schlimmen Verletzungen gekommen. Belz hat aber aufgepasst und immer Glück gehabt. „Meine Gesundheit habe ich nie aufs Spiel gesetzt“, betont der Professor und Extremsportler, dem die Schattenseiten des Triathlonsports keineswegs verborgen geblieben sind. Er selbst ist bis auf einen schweren Sturz im Fahrradtraining, bei dem ihm der Helm das Leben gerettet hat, von größeren Verletzungen verschont geblieben.

Das war ein großes Erlebnis, der ultimative Traum.

Frank-Martin Belz über seinen Ironman-Start 2016 auf Hawaii

Unabhängig davon hat Belz festgestellt: „Es ist beides, die Schönheit, die Faszination – aber das gilt es auch kritisch zu hinterfragen.“ Als Beispiel nennt er die Fitness-Tracker, die akkuraten Zeitpläne, das Streben nach Selbstoptimierung schlechthin. „Das ist ein Sport, der kann schon sehr vereinnahmend sein“, urteilt er. Mehr noch, Belz hält es für „einen schmalen Grat“, immer noch eine bessere Platzierung erreichen zu wollen, sich immer noch mehr anstrengen zu müssen. Es gebe Athleten, „die am Ende in eine Depression geraten“ würden. „Weil sie ihren eigenen Ansprüchen nicht mehr genügen“, erklärt der Autor von „Challenge Ironman – Auf der Suche nach Sinn“.

Auf 196 stark bebilderten Seiten zeigt der 55-Jährige das ganze Spektrum des Genres, die Sonderstellung des Triathlons im Weltsport, auf. Spitzenprofis wie Patrick Lange, der den Ironman auf Hawaii zweimal gewonnen hat, oder Daniela Bleymehl, die 2018 die Challenge Roth für sich entschieden hat, haben genauso ihren Beitrag dazu geleistet wie Rookies, die das erste Mal an einem Ironman teilgenommen haben.

Belz beschreibt „den globalen Stamm der Ironmänner und Ironfrauen“

Das Buch trägt autobiografische Züge – geht allerdings weit darüber hinaus. Belz versucht, „,den globalen Stamm der Ironmänner und Ironfrauen“ zu beschreiben. Die Gleichbehandlung von Frauen und Männern sei ihm hierbei ein besonderes Anliegen gewesen. „Weil Frauen den Sport anders wahrnehmen als Männer“, verrät der Buchautor. Das Credo seines im Sportwelt Verlag erschienenen Buches über das Phänomen „Ironman“ beschreibt der Autor so: „Was macht das mit mir? Und wo kann das hinführen?“

Ganz abgeschlossen hat Belz aber auch nach Erscheinen seines Werks mit diesem Thema nicht. Aktuell plant er, sofern möglich, noch heuer beim Ironman in Hamburg zu starten. Während der Pandemie hat er regelmäßig und viel im Freien trainiert – als Ausgleich zu den vielen Stunden im Homeoffice und den Online-Seminaren. „Eine Zehn davor zu haben, wäre schön und in meiner Altersgruppe schon im vorderen Bereich“, spekuliert der Professor und Triathlet über die Gesamtzeit. Und wenn die Pandemie vorbei ist, plant er mal wieder einen Ironman im fernen Ausland. Das Reisen zusammen mit seiner Frau Mirjam ist eine der schönen Seiten des internationalen Triathlonsports.

Infos zum Werk

„Challenge Ironman – Auf der Suche nach Sinn“ von Frank-Martin Belz ist Ende März als Taschenbuch im Sportwelt Verlag erschienen (Preis: 19,90 Euro). ISBN: 978-3-941297-49-4.

Alexander Fischer

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