+
Einst ein schulisches Eldorado für den Sport: Die Freianlage des Camerloher-Gynmasiums fristet mehr als nur einen Dornröschen-Schlaf.

Marode Anlagen, fehlende Kapazitäten

Nur eine 400-Meter-Bahn für alle: Freising ist in puncto Schulsport schlecht aufgestellt

  • Margit Conrad
    vonMargit Conrad
    schließen

In Sachen Schulsport hinkt Freising vielen Städten hinterher. Hallenkapazitäten fehlen, Außenanlagen sind marode. Und so wird der Schulsport auf ein zeitliches Minimum zusammengequetscht.

Freising – Körperliche Aktivitäten wirken sich positiv auf die kognitiven Fähigkeiten aus. Das belegt eine Vielzahl von Studien. Und die machen auch deutlich, dass sich Kinder heutzutage viel zu wenig bewegen – in der Freizeit, aber auch in der Schule. Letzteres wollen die Mitglieder des Aktionsbündnisses für mehr Schulsport seit geraumer Zeit ändern. Doch was ist, wenn zwar der Wille vorhanden ist, für die Umsetzung allerdings die entsprechenden Übungsstätten fehlen?

Schulsport auf ein Minimum zusammengequetscht

Ein trauriges Beispiel ist die Schulstadt Freising, die immerhin ein Gros an weiterführenden Schulen beherbergt. Auch wenn der im Lehrplan vorgeschriebene Sportunterricht am Gymnasium mit drei Stunden in einzelnen Jahrgängen durchgezogen wird, so kann das bei nahezu allen Einrichtungen in der Praxis nur eingeschränkt durchgeführt werden. Der Grund: Mangels ausreichender Hallenkapazitäten sowie wegen maroder, nicht benutzbarer oder schlichtweg ungeeigneter Außenanlagen wird der laut Aktionsbündnis so wichtige Schulsport auf ein zeitliches Minimum zusammengequetscht.

Die Schüler der Gymnasien, aber auch der Karl-Meichelbeck-Realschule werden zu den Sportstätten gekarrt. Deshalb bleibe für den eigentlichen Sportunterricht im Stundenplan-Zeitfenster nicht mehr viel übrig, beklagt Hans Katzenbogner nicht zum ersten Mal. Katzenbogner war viele Jahre lang Leiter der Grundschule Kranzberg und hat sich auch nach seiner Pensionierung – das war 2010 – noch bis 2011 am Dom-Gymnasium für den Bereich Schulsport stark gemacht.

Wurzeln und andere ungeliebte Hindernisse: Die Außensportanlage am Josef-Hofmiller-Gymnasium ist nicht gefahrlos nutzbar.

Hans Katzenbogner hat für diese eher stiefmütterliche Behandlung des wichtigen Fachs Sport (das einzige Bewegungsfach im Schulalltag übrigens, was auch das Aktionsbündnis immer wieder hervorhebt) kein Verständnis: „Man müsse sich einmal vorstellen, die Schüler müssten für die Fächer Mathe, Deutsch oder irgendeine Sprache von A nach B gefahren werden, da wäre der Aufschrei groß“, sagt er. „Aber warum interessiert das im Fach Sport niemanden?“ Der mittlerweile 74-Jährige wartet seit Jahren auf eine Antwort auf diese Frage, obwohl er mit Schreiben und Leserbriefen auf diese Misere aufmerksam gemacht hat.

Ein besonderer Leidensdruck besteht dabei, wenn er an die einst schönste Schulsportanlage in Freising denkt – und damit meint er die des Camerloher-Gymnasiums. Bereits 2016 hat er sich in einem Schreiben an den damaligen Landrat Josef Hauner gewandt. Darin heißt es auszugsweise: „Systematisch wurde die Sportanlage in der Vergangenheit vom Landkreis vernachlässigt. Die schulsportliche Hochzeit des Camerloher-Gymnasiums – bundessportliche Hochburg im Volleyball und in der Leichtathletik – gehört schon längst der Vergangenheit an. Soll auf diesen ungepflegten Sportanlagen das Sporttreiben Spaß machen? Jeder noch so kleine Dorfsportplatz erhält eine bessere Pflege.“

Sporthalle ab neuem Schuljahr endlich wieder nutzbar

In der Tat präsentiert sich die vor Jahren so stolze Anlage mehr als nur im Dornröschenschlaf. Das liegt jedoch auch daran, dass hierfür ganz andere Planungen bestehen. Denn das gesamte Gelände soll – wegen Erweiterungsbauten etwa für die Berufsschule – neu überplant werden, berichtetet Robert Stangl, Pressesprecher am Landratsamt Freising. Bis es allerdings soweit ist, überlegt man sich, ob man nicht einen Teil der Außenanlagen übergangsmäßig wieder saniert.

Immerhin: Sofern es die coronabedingte Situation zulässt, kann vom neuen Schuljahr an endlich die Sporthalle wieder genutzt werden, freut sich Camerloher-Schulleiterin Andrea Bliese. Die Halle musste 2016 von jetzt auf gleich zugesperrt werden. Schimmelpilz, der sich über Jahre dort gesundheitsschädlich eingenistet hatte, war die Ursache gewesen.

Um den Schulsport, wie im Lehrplan vorgesehen, auch anbieten oder durchführen zu können, musste man auf Wanderschaft gehen und war sozusagen auf Bittstellertour, wie Peter Spanrad, bis vor kurzem stellvertretender Schulleiter des Camerloher-Gymnasiums, erklärt. Denn auch alle anderen Hallen rundherum waren ausgebucht. Es sei alles andere als einfach gewesen, Einheiten zu bekommen, erklärt Spanrad. Vor allem sei bei der Herumkutschiererei der Schüler nur eine minimale Zeit für den tatsächlichen Sportunterricht verlieben.

Das waren Zeiten: Erinnerungen an die 25-Meter-Bahnen im Hallenbad beim JoHo.

„Um fünf nach acht ist der Bus losgefahren. Und wenn man weiß, welcher Verkehr zu diesem Zeitpunkt nicht nur in der Wippenhauser Straße herrscht, kann man sich vorstellen, wann wir in der Sportanlage – ob in der Luitpold-Sporthalle oder auf den Außenanlagen der Savoyer Au – angekommen sind. Umziehen, die Jungs wollen sich auspowern, vielleicht Fußball spielen. Dann schwitzen sie, müssen noch duschen. Und kurz nach 9 Uhr steht wieder der Bus bereit, um die Schüler zurückzukarren“, schildert Peter Spanrad die Lage. Sportunterricht von zwei Doppelstunden à 45 Minuten? Wenn es gut geht, verbleiben realistisch gesehen nur etwa 30 bis 35 Minuten übrig.

Ganz so extrem ist es für das Dom-Gymnasium nicht, das ja immerhin eine eigene funktionierende Zweifachturnhalle sein Eigen nennen kann. Dennoch reicht diese nicht aus, um den gesamten Sportunterricht abzudecken. Das bedeutet: Im wöchentlichen Wechsel müssen immer wieder Klassen ausweichen – in die Luitpold-Sporthalle und eigentlich allesamt auf die einzig noch vorhandene und auch ohne Bedenken benutzbare Freisinger Außensportanlage in der Savoyer Au.

Alleinstellungsmerkmal Savoyer Au: Nur dort können die Schulen auch Freisportunterricht, wie er im Lehrplan vorgesehen ist, abwickeln. Wegen der Fahrtzeit allerdings nur auf Kosten des realen Sportunterrichts.

Das betrifft auch das Josef-Hofmiller-Gymnasium. Einst – abgesehen von einem 400-Meter-Rundkurs – optimal mit Außenanlagen und sogar mit einem Hallenbad samt einer 25-Meter-Bahn ausgestattet, harrt man nun der Dinge. Denn seitdem das Hallenbad im Zuge der Eröffnung des fresch in Lerchenfeld geschlossen worden ist, fehlt eben die Ausweichmöglichkeit für einen Teil der Schüler, die man früher hatte.

Außerdem ist die Zweifachturnhalle ziemlich in die Jahre gekommen: Sie entspricht nicht mehr den hygienischen Vorstellungen – und auch die Außenanlage könne laut JoHo-Schulleiterin Nicole Storz wegen der knochenbrecherischen Wurzeln nicht unbedingt bedenkenlos genutzt werden. Das bedeutet: Auch für das JoHo, das früher für sportliche Belange eigentlich optimal ausgestattet war, müssen die Schüler zu anderen Hallen und Außensportanlagen gekarrt werden.

Das große Manko aktuell (wir berichteten): Derzeit ist das Josef-Hofmiller-Gymnasium die einzige weiterführende Schule im ganzen Landkreis, die noch unter der Sachaufwandsträgerschaft der Stadt Freising steht. Zwar laufen Verhandlungen, dennoch ist noch nicht geklärt, ob sich eine Entwicklung für das traditionell naturwissenschaftlich ausgerichtete JoHo an einem anderen Standort abzeichnet. Angedacht wurde, so war zu erfahren, auch eine Auslagerung nach Lerchenfeld, eben in Nachbarschaft zur neuen Realschule. Dass da dann auch Außenanlagen mit einer 400-Meter-Bahn in die Planung einbezogen werden, wäre allemal wünschenswert. Beim neuen Schulzentrum im Steinpark sind solche Einrichtungen jedenfalls nicht vorgesehen, berichten sowohl Hans Katzenbogner als auch Michael Mayer, Vorsitzender des Arbeitskreises für Sport in Schule und Verein im Landkreis.

Nur eine 400-Meter-Laufbahn für alle Schulen

Kaum zu glauben in einer Schul- und Sportstadt wie Freising: Es gibt nur eine 400-Meter-Laufbahn für alle Schulen – und damit trifft es tatsächlich zu, dass der Rest des Landkreises wesentlich besser aufgestellt ist.

Was bei den meisten Bildungsstätten – auch wegen der weiten zu bewältigenden Strecken – komplett unter den Tisch fällt, ist der Schwimmunterricht. „Bei uns in Eching findet Schwimmen praktisch nicht statt“, erklärt Gertraud Weber, Leiterin der Imma-Mack-Realschule. „Der zeitliche Aufwand ist einfach zu groß.“ Bei einer im Lehrplan vorgesehenen Durchführung musste man die Kinder und Jugendlichen mangels Angebot bis nach Pfaffenhofen fahren, sagt Sportabzeichenreferent Hendryk Rusin .

Dabei ist Schwimmen oder überhaupt schwimmen zu können – eine der Forderungen des Aktionsbündnisses für Schulsport nach dem Abschluss der Grundschule – ungemein wichtig. Ob es irgendwann einmal gelingt? Eine berechtigte Frage.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Pause sinnvoll genutzt
Freising – Im Rahmen der diesjährigen Mitgliederversammlung des Rock´n´Roll- und Boogie-Clubs Fly’n’dance Freising im Hofbrauhauskeller wurde eine neue Vorstandschaft …
Pause sinnvoll genutzt
Mehrkampftalent Lana Pavic (13) gelingt Lauf-Sensation
Sie überzeugen mit Top-Ergebnissen: Die Leichtathletik-Nachwuchstalente des LC Freising. Nun hat eine 13-Jährige über 100 Meter die ältere Konkurrenz abgehängt.
Mehrkampftalent Lana Pavic (13) gelingt Lauf-Sensation
LC-Freising-Athletinnen: Weite Sätze und starke Sprintzeiten
Freising: Die Entwicklung ist sensationell: Die Gaststarterinnen Lana Pavic und Johanna Billmeier lassen bei Wettbewerben mit tollen Ergebnissen aufhorchen.
LC-Freising-Athletinnen: Weite Sätze und starke Sprintzeiten
Tennis Kranzberg: SVK-Herren können noch Plätze gut machen
Tennis-Herren: Neufahrn landet auf Rang vier, und der SV Kranzberg kann es im letzten Spiel zu Hause und den Nachholpartien noch bis auf Platz fünf schaffen.
Tennis Kranzberg: SVK-Herren können noch Plätze gut machen

Kommentare