Die Übungsleiterinnen Lena Schneider (l.) und Agathe Wagner beim Fitnesstraining mit Therabändern.
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So soll es wieder sein: Die soziale Komponente – die Freude am gemeinsamen Sporttreiben – steht beim TSV Jahn mit seinen 14 Abteilungen und 4300 Mitgliedern im Vordergrund. Das Bild zeigt die Übungsleiterinnen Lena Schneider (l.) und Agathe Wagner.

Sport und Corona

Jahn-Chef Franz Lupp: „Unsere Mitglieder stehen loyal zu ihrem Verein“

  • vonPeter Spanrad
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Der BLSV befürchtet einen dramatischen Mitgliederrückgang. Auch am TSV Jahn Freising geht die Corona-Krise nicht spurlos vorbei – doch der Verein hält dagegen.

Freising – Die Corona-Pandemie bereitet dem Bayerischen Landes-Sportverband (BLSV) große Sorgen: Er rechnet zum Jahresende wegen der beiden Lockdowns mit einem dramatischen Verlust von mehr als 100 000 Mitgliedern. Insbesondere bei den Kindern und Jugendlichen sei bis dato bereits ein Rückgang von 4,3 respektive 3,7 Prozent im Vergleich zu 2019 zu verzeichnen. Einer der größten Breitensportvereine in der Region ist der TSV Jahn Freising. Im FT-Interview schildert Vorsitzender Franz Lupp, wie sein Club die Krise erlebt und erlebt hat – und inwieweit die Befürchtungen des Verbands zutreffen.

Herr Lupp, wie viele Abteilungen und Mitglieder hat Ihr Verein derzeit?

Der TSV Jahn verfügt über 14 Abteilungen und zählt aktuell 4300 Mitglieder.

Was macht den TSV Jahn Freising zum großen Breitensportverein?

Wir sind ein ambitionierter Verein, der für Menschen von null bis 88 Jahren ein vielfältiges Sportangebot bereithält. Und wir haben sehr viele Abteilungen – das unterscheidet uns von vielen anderen. Einen bezahlten Sport haben wir in unserem Verein nicht. Allerdings sind wir schon stolz darauf, wenn eines unserer Mitglieder an deutschen Meisterschaften teilnimmt. Im Mittelpunkt steht aber die Freude am gemeinsamen Sporttreiben, also die soziale Komponente.

Treffen die Sorgen des BLSV um den Mitgliederschwund auch auf den TSV Jahn Freising zu?

Das ist im Augenblick schwierig zu beantworten, weil wir erst am Jahresende eine Analyse der Mitgliederfluktuation machen können. Im Durchschnitt haben wir im Jahr etwa 700 Austritte – auf diese Größenordnung scheint es heuer auch hinauszulaufen. Was wir aber jetzt schon feststellen können: Während wir in den letzten Jahren immer deutlich mehr Neuanmeldungen als Abmeldungen hatten und damit unsere Mitgliederzahlen kontinuierlich gestiegen sind, wird das in diesem Jahr wohl nicht der Fall sein. Der Unterschied ist jetzt schon signifikant. Anders als vielleicht in Großstädten, wo die soziale Bindung an den Verein nicht so hoch ist wie bei uns, laufen uns die Mitglieder wegen der Corona-Pandemie noch nicht davon. Wir sind ein gemeinnütziger Verein, in den sich die Mitglieder auch einbringen – im Gegensatz zu einem Fitnessstudio, das als reiner Service-Dienstleister zu sehen ist, der seinem Kunden bei nicht erbrachter Leistung das Geld rückerstatten muss.

Franz Lupp: „Wir hatten bereits beim ersten Lockdown die Nase immer vorne.“

Trifft der Lockdown alle Abteilungen im gleichen Maße? Welche sind besonders betroffen?

Der erste und jetzt der zweite Lockdown hatte für die Abteilungen unterschiedliche Auswirkungen. Unsere Fitnessgruppen, Leichtathleten und Triathleten zum Beispiel konnten im Freien trainieren. Auf dem großzügigen Gelände der Bogenschützen können auch jetzt noch immer zwei Sportler gleichzeitig üben. Schwimmen geht dagegen nicht, weil das fresch geschlossen hat.

Wie hat man sich das Vereinsleben beim TSV Jahn momentan vorzustellen?

Für das normale Mitglied ist derzeit ein Vereinsleben nicht existent. Das hat ganz einfach damit zu tun, dass die Regierung strikte Vorgaben macht, die wir einhalten müssen. Man könnte höchstens sagen, dass es über Streaming-Angebote eine Art Vereinsleben gibt.

Welche Angebote haben sich die Abteilungen in den Monaten der Pandemie ausgedacht?

Wir hatten bereits beim ersten Lockdown die Nase immer vorne und haben, wo es möglich und sinnvoll war, unseren Mitgliedern entweder per Video über Internet oder über Streaming Sportangebote gemacht oder machen es immer noch. Dadurch bleibt auch der Kontakt zu den Übungsleitern erhalten.

Vor welchen grundsätzlichen Herausforderungen steht ein so großer Breitensportverein wie der TSV Jahn Freising?

Bislang sind wir relativ gut durch die Pandemie-Zeit gekommen. Sollte sie allerdings noch deutlich länger dauern, dann könnte es schon schwierig für uns werden.

Der BLSV setzt sich für die baldige Rückkehr zum Indoor-Sport ein. Unterstreichen Sie diese Forderung?

Ich sehe das differenziert. Wir müssen zunächst einmal auf die Experten hören. Wenn die raten, den Hallensport einzustellen, dann muss man sich daran halten. Was für mich momentan überhaupt nicht infrage kommt, ist der Wettkampfsport. Da wäre man mit fremden Sportlern zusammen. Anders ist es, wenn man in einer festen und überschaubaren Gruppe trainiert. Aber wir befinden uns momentan in einer Krise. Da werden zwangsweise immer Fehler gemacht. Ich hoffe nur, dass die Entscheidungsträger auch aus ihren Fehlern lernen. Ich möchte nur anmerken, dass wir als Verein sehr sorgfältig mit den Vorgaben umgegangen sind. Wir haben funktionierende Hygienekonzepte entwickelt und nach sorgfältiger Überlegung auch unsere Basketball-Teams – bis auf die Herren I – aus dem Spielbetrieb genommen. Mir ist kein Fall bekannt, dass sich Vereinsmitglieder in unserem Sportbetrieb mit Corona angesteckt haben.

Reichen momentan Streaming-Angebote aus?

Auf Dauer sicher nicht. Wir leisten mit dem vielfältigen Angebot unserer Abteilungen auch einen wichtigen Beitrag zur Volksgesundheit – auch den Kindern und Jugendlichen wird auf Dauer die Bewegung fehlen. Ich sehe aber noch einen ganz anderen sehr wichtigen Aspekt, nämlich das ehrenamtliche Engagement. Unter den augenblicklichen Rahmenbedingungen wird die Eigenmotivation beispielsweise für die Übungsleiter immer schwieriger. Bei uns im Verein funktioniert noch alles sehr gut. Unsere Mitglieder stehen loyal zu ihrem Verein.

Wie beurteilen Sie in der Rückschau das Sportjahr des TSV Jahn Freising? Was war positiv?

Wir haben bislang die Corona-Krise als Verein ganz gut gemeistert, waren immer bei der Lösung von Problemen eine Nasenspitze voraus. Wir konnten uns bislang auf die Unterstützung unserer Mitglieder und der Übungsleiter verlassen. Sorgen würde es mir bereiten, wenn die Pandemie viel länger dauern würde.

Zum Jahreswechsel überlegt man sich einige Vorsätze und äußert Wünsche. Wie sehen diese für den TSV Jahn Freising aus?

Hoffentlich verschwindet Corona so schnell wie möglich. Wir wollen im nächsten Jahr die Digitalisierung im Verein weiter voranbringen. Denn es hat sich in der Krise gezeigt, wie wichtig und wertvoll sie ist, etwa bei den Streaming-Angeboten. Wir wollen unsere Mitglieder noch schneller über E-Mail erreichen und zudem auch über Apps neue Angebote schaffen. Weiterhin wollen wir unsere Sportangebote ausbauen, beispielsweise ein Eltern-Kinder-Fit-Training. Persönlich habe ich noch einen Wunsch: Wenn die Pandemie vielleicht bis zum Sommer abgeebbt ist, sollten wir mit allen Mitgliedern ein super Sommerfest veranstalten – sozusagen ein Post-Corona-Fest.

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