Julia Paszkiewicz und ihr Wettkampfpartner Johannes Tourbeslis bei einem Turnier in Aktion.
+
Dynamisches Duo: Julia Paszkiewicz und ihr Wettkampfpartner Johannes Tourbeslis brauchen sich auch vor den Ikonen des Ju-Jutsu-Sports nicht zu verstecken.

Ju-Jutsu

Julia und Felix Paszkiewicz stellen die Weichen für die Zukunft

Die beiden Ju-Jutsu-Asse aus Pulling schlagen unterschiedliche Wege ein: Julia Paszkiewicz will Gold bei den World Games. Ihr Bruder Felix macht 2021 Schluss.

Pulling – Sie sind so etwas wie die Aushängeschilder des Ju-Jutsu in Deutschland: Das in Pulling lebende Geschwisterpaar Julia (25) und Felix Paszkiewicz (23) hat es in der mit dem Judo verwandten japanischen Kampfsportart in die internationale Spitze geschafft. Mit ihren jeweiligen Duo-Partnern treten die beiden für den SV Niederroth (Landkreis Dachau) an. Mit großem Erfolg: Seit Jahren gehören die Paszkiewiczs dem Bundeskader des Deutschen Ju-Jutsu-Verbands (DJJV) an und zählen mit ihren Partnern Johannes Tourbeslis und Ian Butler zur Crème de la Crème des Ju-Jutsu. Umso bitterer, dass sich Felix wegen gesundheitlicher Probleme aus dem Wettkampfsport zurückziehen will.

Ju-Jutsu gilt als „sanfte Kunst der Selbstverteidigung“. Die beiden Geschwister widmen sich diesem Sport von Kindheit an: Julia fing mit sechs, Felix mit fünf Jahren damit an. Dafür begeistert hat sie ihr Papa Adam Paszkiewicz (63). Der aus Polen stammende Vater war in München und Oberschleißheim auf diese Sportart aufmerksam geworden – und auch Mutter Gabriele (59) hat sie ausprobiert. Sie hatte einen Vhs-Kurs belegt.

Der Durchbruch gelang bei einem Newcomer-Turnier

Julia und Felix sind also in die Fußstapfen der Eltern getreten. Und wie! Sie haben mit 14 respektive 13 Jahren angefangen, an Wettkämpfen teilzunehmen. Der Durchbruch gelang ihnen im Dezember 2010 bei einem Newcomer-Turnier. Seither haben sie viel trainiert, sich technisch enorm weiterentwickelt. Julia erinnert sich, dass sie und ihr Bruder etwa bei Gürtelprüfungen immer gut dabei waren. So gut, dass sie von Landestrainer Jens Nöding, der immer auf Talentsuche ist, zu Probetrainings eingeladen wurden.

Laut Julia hat man da „witzige Sachen gemacht“, sich etwa auf Ballons fallen lassen, bis diese kaputt gingen. Felix erinnert sich, dass man damals „sanft herangeführt“ worden sei, an diesen so facettenreichen Kampfsport. Sie wurden dann schon bald für den Landeskader gesichtet. Für Felix war es wichtig, dabei sein zu können, durch Ju-Jutsu Erfolg zu haben. Da habe er gedacht: „Ich will so sein wie die. Auch ich würde gerne den Bundesadler auf der Brust tragen.“

Meister der Kampfkunst: Ian Butler (l.) und Felix Paszkiewicz bildeten ein erfolgreiches Duo – nun will sich Felix aus dem Leistungssport zurückziehen.

Dafür haben er und seine Schwester fortan hart an sich gearbeitet. „Wenn andere feiern waren, haben wir in der Halle samstags drei Stunden am Stück trainiert“, erzählt Julia. Felix beschreibt das Programm so: „Immer wiederholen, einschleifen und besser machen.“ Während der Wettkampfsaison habe man die Belastung stetig hochgefahren.

Dabei hat das Geschwisterpaar unabhängig voneinander mit verschiedenen Partnern trainiert. Julia mit Johannes Tourbeslis, Felix mit Ian Butler. Man hat sich gegenseitig angespornt. Die beiden Duos blicken mittlerweile jeweils auf mehr als zwei Dutzend nationale und internationale Spitzenplatzierungen zurück. Die Auszeichnungen häuften sich.

Zahlreiche Medaillen haben Julia und Felix bei Welt- und Europameisterschaften sowie weiteren internationalen Ju-Jutsu-Turnieren gesammelt.

Wettkämpfe haben die Geschwister aber nie zusammen bestritten. Aus gutem Grund, wie es scheint. „Hätten wir das zusammen gemacht, hätte das in einer Blutfehde geendet“, scherzt Felix.

Der Ju-Jutsu-Kämpfer hat indessen eine tiefgreifende Entscheidung getroffen: „Ich höre dieses Jahr auf“, kündigt Felix an. Es ist mir zu stressig geworden – zudem habe ich nach zehn Jahren Wettkampfpraxis Rippenprobleme. Statt auf seinen Sport will sich Felix nun auf seine berufliche Laufbahn konzentrieren: Er befindet sich in einer Ausbildung zum Bürokaufmann bei den Freisinger Stadtwerken. Sein Abitur hat Felix in München am Theresien-Gymnasium gemacht. Dem Ju-Jutsu-Sport und seinem Verein will er aber treu bleiben. „Ich werde weiterhin die Junioren trainieren“, verspricht er.

Der Traum vom WM-Titel ist noch nicht ausgeträumt

Julia denkt hingegen gar nicht daran, ihre Karriere zu beenden. Mit zu ihren sportlichen Zielen zählen nämlich die World Games 2022 in den USA, die in Birmingham/Alabama stattfinden. Dort haben sie und ihr Duo-Partner quasi noch eine kleine Rechnung offen. Denn bei den World Games im Jahr 2017 traten sie als Underdogs an, qualifizierten sich, demonstrierten ihre ganze Klasse – und landeten prompt auf dem zweiten Platz. Aktuell belegt Julia mit ihrem Partner den fünften Platz in der Weltrangliste. Auch der Traum vom Weltmeistertitel ist noch nicht ausgeträumt – im Gegenteil. Julia verweist auf die Paris Open 2018. Da hat man es geschafft, Ikonen des Ju-Jutsu wie die Italiener Sara und Michele Paganini-Vallieri zu schlagen.

Vielleicht ist sogar das Silberne Lorbeerblatt, das Julia und ihr Duo-Partner 2017 von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier verliehen bekommen haben, noch zu toppen. Das war wohlgemerkt in Berlin – im Schloss Bellevue. Eine Anerkennung für ihre Leistung bei den World Games – den Titelkämpfen in nicht-olympischen Sportarten.

Parallel hat Julia Paszkiewicz aber auch schon die Weichen für ihre berufliche Zukunft gestellt: Sie hat Kommunikationswissenschaften studiert, ist gerade dabei ihren Master in Marketingmanagement zu machen. Die Absolventin des Camerloher-Gymnasiums in Freising will an der Hochschule in Augsburg auch noch den Master für Angewandte Wissenschaften ablegen.

Lesen Sie auch: VfB Hallbergmoos: Der Erfolg hat viele Gesichter

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare