Die leere Kletterhalle in Freising.
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Gähnende Leere: Das Kletterzentrum Freising ist seit Anfang November wieder geschlossen. Damit gehen der Freisinger DAV-Sektion wichtige Einnahmen verloren.

DAV Freising

Klettern und Corona: Ein dunkles Kapitel – und kein Ende in Sicht

  • Michael Leitner
    vonMichael Leitner
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Corona hat den Freisinger Alpenverein nicht nur wirtschaftlich weit zurückgeworfen. DAV-Chef Christian Rester spricht darüber, was ihm am meisten wehtut.

Freising – Seit Anfang November befindet sich der Sport im „Lockdown light“ – und damit ist das Kletterzentrum im Seilerbrückl wieder dicht. „Wir waren auch davor nie zurück in der Normalität“, resümiert Christian Rester. Im Interview spricht der Chef des Freisinger Alpenvereins über den Schaden, den Corona angerichtet hat – und darüber, was ihm am meisten wehtut.

Herr Rester, das Vereinsleben liegt auch beim DAV Freising mal wieder brach. Mit welchen Erwartungen sehen Sie den nächsten Entscheidungen der Politik entgegen?

Man kann aktuell nur spekulieren. Unsere Kletterhalle ist seit dem 2. November geschlossen, das Ende nicht in Sicht. Ich gehe davon aus, dass der Lockdown für den Breitensport Anfang Dezember nicht beendet wird, da die Corona-Zahlen nicht genug sinken werden.

Konnte der Freisinger Alpenverein denn nach der ersten Zwangspause überhaupt ansatzweise zum Alltag zurückkehren?

Nein, es sind viele Dinge zum Erliegen gekommen. Zum Beispiel konnten wir unsere Hütten auch nach dem ersten Corona-Lockdown nicht aufmachen, weil wir die Hygieneregeln, so wie es unserem Verantwortungsbewusstsein entspricht, nicht hätten erfüllen können.

Hat denn das Hygienekonzept für die Kletterhalle funktioniert?

Meiner Meinung nach ja. Wir hatten bis zum zweiten Lockdown immerhin keinen einzigen bestätigten Corona-Fall. Doch wir waren nie zurück in der Normalität. Im Mai durften wir die Halle unter strengen Auflagen zwar wieder öffnen, die Einschränkungen waren aber gewaltig. Wir haben nur einen kleinen Boulderbereich und konnten daher nur eine begrenzte Anzahl an Besuchern reinlassen – das hat teilweise zu längeren Wartezeiten geführt. Wir konnten für das Training nur gekürzte Zeiten anbieten, das Kindertraining mussten wir halbieren. Beim Klettern selber war keine Maske vorgeschrieben, beim Sichern dagegen schon. Es war eine alles andere als einfache Angelegenheit.

Christian Rester: „Bei der Kletterhalle und dem AV-Zentrum geht es ja nicht nur um Griffe, Routen und Tourenplanung, sondern um Menschen.“

Können Sie die finanziellen Folgen schon abschätzen?

Klar ist, dass das Jahr 2020 als dunkles Kapitel in die Historie unseres Vereins eingehen wird. Wir konnten kaum Einnahmen generieren, die Ausgaben sind geblieben. Wir hatten Pläne wie beispielsweise eine Erweiterung des Kletterzentrums und der Außenanlage. Doch viel Geld, das wir uns ehrenamtlich angespart haben, ist aufgebraucht. Das wirft uns um Jahre zurück.

Wie groß ist der gesellschaftliche Schaden, den Corona angerichtet hat?

Bei der Kletterhalle und dem AV-Zentrum geht es ja nicht nur um Griffe, Routen und Tourenplanung, sondern um Menschen! Viel des Miteinanders ist weg – das gesellschaftliche Band ist durch die Pandemie teilweise zerschnitten worden. Auch im Hinblick auf das Sportliche sind viele Kinder und Jugendliche zu kurz gekommen. Diese Dinge tun mir persönlich am allermeisten weh.

Wie sieht Ihre Prognose für 2021 aus?

Da kann ich nur vage spekulieren. Ich hoffe, die Zahlen entwickeln sich zurück. Doch auch wenn es hoffentlich bald den Impfstoff gibt, wird es sicher dauern, bis sich die Situation normalisiert. Ich verstehe die Politik ja auch, dass sie dort begrenzen muss, wo es am wenigsten schmerzhaft ist. Trotzdem muss man bedenken, wie gut der Sport für das Wohlbefinden und die Gesundheit ist. Durch die Pandemie ist er aber völlig an den Rand gedrängt.

Sollte der Lockdown nur bis Jahresende gehen, dann würden wir in Bezug auf die Kletterhalle mit zwei dunkelblauen Augen davonkommen.

Christian Rester

Und in wirtschaftlicher Hinsicht?

Sollte der Lockdown nur bis Jahresende gehen, dann würden wir in Bezug auf die Kletterhalle mit zwei dunkelblauen Augen davonkommen. Ist das nicht der Fall, müssen wir uns neue Strategien überlegen. Aber ich bin guter Dinge, dass wir das als Verein stemmen können. Der große Zusammenhalt zeigt sich bei den Inhabern von Jahreskarten für die Kletterhalle: Wir haben die Karten auf freiwilliger Basis um die Zeit der bisherigen Lockdowns, geteilt durch zwei, verlängert. Dadurch beteiligen sich die Kletterer am Verlust. Die Resonanz war durchweg positiv. Die Leute wissen, dass jeder Cent in die Vereinskasse kommt – und dort gut aufgehoben ist.

Die Staatsregierung hat beschlossen, die Indoor-Sportstätten dicht zu machen, nachdem der Bayerische Verwaltungsgerichtshof die vollständige Schließung der Fitnessstudios aufgehoben hatte. Hättet ihr von dem Gerichtsurteil überhaupt profitieren können?

Der DAV-Hauptverein war an der Sache dran und hat natürlich argumentiert, dass es sich beim Klettern um Individualsport handelt. Aber es wäre ja so gewesen, dass immer nur ein Sportler oder Personen des gleichen Hausstands in einem Bereich anwesend sein dürfen. Wen hätten wir dann zum Trainieren in die Halle lassen sollen und wen nicht? Da wäre der Neidfaktor groß gewesen. Zudem hätte sich das nicht rentiert – der Aufwand wäre in keinem Verhältnis dazu gestanden.

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