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Einer seiner schönsten Momente 2019: Marc Rademacher (2. v. l.) gewann im Januar am Königssee zusammen mit (v. l.) Christian Rasp, Florian Bauer und Johannes Lochner den Weltcup und zugleich die Europameisterschaft.

Wintersport

Knorpelschaden im Knie: Bob-Anschieber Marc Rademacher fällt für die gesamte Saison aus

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Nach dem WM-Sieg mit der Teamstaffel hatte er sich für die neue Saison viel vorgenommen. Doch eine Verletzung durchkreuzt die Pläne von Bob-Anschieber Marc Rademacher.

Landkreis – 2018/19 war eine Wintersport-Saison, in der sich für Marc Rademacher noch einiges zum Guten wendete. Der 29-Jährige musste sich nach einem verpatzten Leistungstest vor Weihnachten in der Riege der deutschen Bob-Anschieber erstmal weiter hinten anstellen. Doch der Ex-Freisinger bekam seine Einsätze: Er fuhr im Vierer von Johannes Lochner bei vier Weltcups, gewann am Königssee den EM-Titel – und löste als Ersatzmann das Ticket für die WM im kanadischen Whistler. Dort holte er im Teamwettbewerb der Bob- und Skeleton-Piloten prompt Gold. Für die neue Saison hatte sich Rademacher viel vorgenommen – bis das rechte Knie seine Pläne durchkreuzte.

Herr Rademacher, mit welchen Gefühlen blicken Sie jetzt, mit einigen Monaten Abstand, auf die Vorsaison zurück?

Ich bin sehr stolz auf den Erfolg in Whistler, weil es ein Erfolg für das ganze Team war. Klar, der WM-Sieg in der Staffel ist nicht so viel wert, da dieses Event nicht olympisch ist. Für mich ist es aber ganz gut gelaufen, die Startzeiten haben gepasst. Es war mir wichtig zu zeigen, dass ich ein guter Teamanschieber bin, und sich die Kollegen auf mich verlassen können. Die Einzeltests liefen ja nicht so toll.

Diesbezüglich wollten Sie in der neuen Saison das Training umstellen. Doch jetzt sind Sie verletzt. Was ist passiert?

Die Verletzung habe ich mir beim Training zugezogen. Ich habe einen Stich im Knie gespürt, dann ist es angeschwollen. Bei der Untersuchung vor ein paar Wochen hat sich leider herausgestellt, dass ich im rechten Knie – blöderweise an der Hauptbelastungsstelle – einen Knorpelschaden habe.

Marc Rademacher: OP-Tisch statt Eiskanal

Wie geht es nun für Sie weiter? Müssen Sie operiert werden?

Ich war bis zuletzt eigentlich guter Dinge, dass es ohne eine Operation gehen wird. Ich hatte gehofft, dass die Ärzte und Physiotherapeuten die Sache in den Griff bekommen. Doch seit einer Untersuchung am vergangenen Freitag habe ich Gewissheit: Ich muss leider operiert werden. Der Knorpelschaden ist schon zu weit fortgeschritten. Damit ist die gesamte Saison hinüber.

Hatten Sie noch die Chance gesehen, in diesem Winter in den Vierer zu steigen? Konnten Sie denn überhaupt trainieren?

Ich habe alles dafür getan, dass es klappt. Ich habe, wenn ich das Knie nicht zu stark belaste, im Alltag keine Schmerzen. Aber ich konnte freilich nicht in dem Umfang trainieren, wie ich es als Leistungssportler müsste. Ein bisschen was ging aber, bis zuletzt habe ich sechs Tage in der Woche in München trainiert. Ich habe zum Beispiel Stabilisationsübungen für den Rumpf, Aqua-Übungen und auch Einheiten für kleinere Muskulaturen gemacht. In Sachen Lauf-, Sprung- und Beugebelastung war allerdings nichts drin. Und das wäre in dieser Phase immerhin Kern des täglichen Trainings gewesen.

Marc Rademacher: „Ich will zu den Olympischen Winterspielen 2022 in Peking.“

Die Chancen waren also eher gering?

In unserem Sport sollte man niemals nie sagen. Bis Mitte Dezember sind zwei Weltcups in Lake Placid in den USA, danach stehen die Einzeltests an – allerdings denke ich, dass ich so oder so dafür nicht fit genug gewesen wäre. Ich war kürzlich aber bei den Selektionsrennen am Königssee. Erstens, um mitzuhelfen und die Kollegen bei den Vorbereitungen zu entlasten. Und zweitens, um zu zeigen, dass ich auch noch da bin.

Sie sind jetzt 29. Haben Sie angesichts dieser Verletzung an ein Karriereende gedacht?

Nein. Ich will auf alle Fälle versuchen, zu den Olympischen Winterspielen 2022 in Peking zu kommen. Das hängt natürlich von der Leistung und der Gesundheit ab. Ein Knorpelschaden ist schon eine größere Baustelle. Tatsache ist aber, dass ich nach einem Karriereende ohne Probleme bei der Landespolizei weiterarbeiten kann. Die Polizei ist ein guter Arbeitgeber, der mich fördert und mich lange für meinen Sport freistellt. Meine Zukunft ist also geregelt. Aber wie gesagt: Ich möchte es zurück in den Bob schaffen.

Zur Person

Marc Rademacher zog im Alter von vier Jahren mit seiner Familie nach Paunzhausen und dann mit 17 nach Freising. Seit vier Jahren lebt der Anschieber, der für den BC Bad Feilnbach und das Bob-Team von Johannes Lochner startet, in München. Rademacher wird im Spitzensport-Programm der Bayerischen Polizei gefördert.

Seine größten Erfolge sind der Sieg bei der Junioren-Weltmeisterschaft 2015, die EM-Titel 2018 und 2019, der Weltcupgesamtsieg 2018 im Viererbob von Johannes Lochner sowie Gold mit der Teamstaffel 2019 bei der WM in Whistler.

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