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Jetzt ist Zug drin: Die Jahn-Basketballer – hier Thomas Kahlert (r.) in Aktion – begrüßen die Entscheidung der Staatsregierung. Ob aber schon bei den ersten Heimspielen Zuschauer in der Halle sein werden, ist noch unklar.

Positive Reaktionen

Re-Start im Amateursport: Daumen hoch nach dem Okay der Politik

Der Amateursport kehrt ab dem 19. September ein Stück mehr zur Normalität zurück. Die Reaktionen sind positiv – doch damit sind längst nicht alle Probleme aus der Welt.

Landkreis – Der Amateursport kehrt ab dem 19. September ein Stück mehr zur Normalität zurück: Für Kontaktsportarten ist der Wettkampfbetrieb wieder erlaubt, zudem wird eine begrenzte Anzahl an Zuschauern zugelassen – 400 draußen und 200 in der Halle. Die Erleichterung über diese Entscheidung war am Dienstag bei allen Beteiligten spürbar. Denn die Lage hatte sich erheblich zugespitzt: Innenminister Joachim Herrmann hatte noch am Montag eine Petition eines Bündnisses von 31 Sportfachverbänden zugesandt bekommen, die diese Lockerungen nachdrücklich gefordert hatten, und der Bayerische Fußball-Verband hatte in einer Umfrage unter den Klubs das Go für eine mögliche Klage gegen den Freistaat erhalten. Nun hat die Politik vorzeitig Grünes Licht gegeben. Die Reaktionen bei den Vereinen sind positiv – doch damit sind längst nicht alle Probleme aus der Welt.

Basketball

Bei den Bayernliga-Basketballern des TSV Jahn Freising habe man die Nachricht seitens der Politik natürlich erfreut zur Kenntnis genommen, betont Headcoach und 3. Abteilungsleiter Michael Buhl. „Das ändert allerdings nicht so viel an der Situation, da wir noch keine Zusage haben, dass wir in die Halle können.“ Normalerweise wären zwei von drei Trainings pro Woche in der Realschulhalle an der Düwellstraße angesetzt – doch aktuell müssen sich die Jahn-Korbjäger mit sporadischen Einheiten in der Luitpold-Sporthalle und auf dem Freisportgelände in der Savoyer Au begnügen. Klarer Fall: Die Vorbereitung auf die am 10. Oktober startende Saison verlief bisher alles andere als optimal.

„Vielleicht absolvieren wir die ersten Spiele noch ohne Zuschauer.“

Auch was das Thema „Zuschauer bei den Heimspielen“ anbelangt, sei es angebracht, „nicht überschwänglich, sondern vorsichtig“ zu agieren, erklärt Buhl. „Bei uns kommen im Schnitt 110 Leute, das ließe sich in der Luitpold-Sporthalle regeln.“ Dennoch bestehe „ein gewisser logistischer Aufwand“ – Stichwort: Maskenpflicht und Abstand. „Wir werden in der Abteilungsleitung schauen, wie wir das regeln“, sagt Buhl. „Vielleicht absolvieren wir die ersten Spiele noch ohne Zuschauer.“

Eishockey

„Wir freuen uns natürlich darüber, denn eine Sportart lebt von den Fans und den Emotionen auf der Tribüne“, sagt Andreas Sten, 2. Abteilungsleiter der Black Bears Freising. „Für uns und viele andere Eishockeyklubs ist es auch ein finanzieller Aspekt. Über Eintrittsgelder kann wenigstens ein Großteil der Nebenkosten für Schiedsrichtergebühren und dergleichen wieder aufgefangen werden.“ Für ihn kam die Entscheidung, noch im September Zuschauer zuzulassen, etwas überraschend. Im Eishockey hätten sich viele bereits auf einen Saisonstart ohne Publikum eingestellt. Bei den Black Bears waren sogar schon alternative Möglichkeiten wie ein Online-Streaming der Landesliga-Partien in der Diskussion.

Nun gelte es, die bereits gelebten und funktionierenden Hygiene-Regeln im Trainingsbetrieb um den Part für das Geschehen neben dem Eis mit Zuschauern zu erweitern. Dafür gebe es bereits ein Rahmenkonzept des Bayerischen Eissport-Verbands, sagt Sten. Aber für die örtlichen Gegebenheiten müsse nun, in Anlehnung an das Hygiene-Konzept der Stadtverwaltung für den öffentlichen Lauf, ein individueller Plan für die Black Bears erstellt werden. Definitiv werde aus Sicht des 2. Abteilungsleiters ein erhöhter Aufwand auf den Verein zukommen, um zum Beispiel die Registrierung der Zuschauer zu gewährleisten.

EV Moosburg: Loidl nicht überrascht

Für Bernhard Loidl, Vorstandsmitglied des EV Moosburg, kam die Entscheidung der Staatsregierung dagegen nicht überraschend: Durch die Ungleichbehandlung von kulturellen Veranstaltungen und dem Sport, was die Zuschauer angeht, sei die Politik doch sehr unter Druck geraten.

Der EVM befindet sich bereits in Gesprächen mit den Zuständigen der Stadt Moosburg und wird laut Loidl voraussichtlich mit bis zu 200 Zuschauern starten können. Das Volumen der Halle reiche dafür locker aus, der Luftaustausch könne dank der modernen Absauganlage in der Clariant-Arena problemlos gewährleistet werden. Die weiteren Details für das örtliche Hygiene-Konzept werde man in den kommenden Tagen mit den Vertretern der Stadt erarbeiten. Das Wichtigste ist für das EVM-Vorstandsmitglied, dass die Ligaspiele – vor allem im Nachwuchssektor – endlich starten können. Denn den Komplettsaufall einer Saison in diesem Bereich, so betont Loidl, „den kannst du nie wieder aufholen“.

Handball

Von einer absolut erfreulichen Nachricht spricht Ingrid Schuhbauer von der HSG Freising-Neufahrn, gleichzeitig Vizepräsidentin des Bayerischen Handball-Verbands: „Alle haben schon mit dem Hufen gescharrt. Ich bekam gleich einmal eine Flut an E-Mails von den Vereinen, die waren natürlich ungeduldig.“ Aber noch sei lange nicht alles klar: „Es liegt jetzt an den Kommunen, wie viele Zuschauer zugelassen werden. Diese brauchen dafür erst einmal Schriftliches von der Regierung.“ Man müsse nun einen kühlen Kopf behalten. Der Verband sei gerade an der Aktualisierung der Hygiene-Konzepte, die baldmöglichst an die Vereine gehen. Derzeit laufe auch eine Umfrage, wie es in den jeweiligen Orten aussieht, etwa bezüglich der Umkleidekabinen und Duschen. In Freising warte man ebenfalls noch auf eine Entscheidung seitens des Rathauses – generell gebe es bayernweit sicherlich den einen oder anderen Klub, der erst später spielen darf: „Diese Partien könnte man dann am Ende der Saison noch dranhängen. Es ist alles nicht so einfach, aber wir werden das auch noch schaffen“, zeigt sich Schuhbauer optimistisch.

Eching-Coach Monz: „Was ist, wenn ein Spieler positiv getestet wird?“

Lukas Monz, der Trainer der Echinger Handballmänner, betont: „Es ist natürlich schön, dass wir jetzt das Okay von der Politik bekommen haben. Zuschauer sind für uns sehr wichtig, erstens natürlich für die Stimmung, aber auch von der wirtschaftlichen Seite her.“ Die Kosten würden ja nicht geringer, da wären die Einnahmen durch Heimspiele für den einen oder anderen Verein schon wichtig. Monz sieht jedoch einige unsichere Aspekte: „Was ist, wenn ein Spieler positiv getestet wird? Wie läuft es dann? Wir werden meiner Meinung nach einen zerrissenen Spielplan haben, dafür braucht es noch eine Lösung.“ Wichtig sei, einen möglichst fairen Verlauf zu gewährleisten. Mit seinen Bezirksoberliga-Männern könne er seit zwei Wochen trainieren – und alle seien schon richtig heiß auf den Saisonstart am 10. Oktober.

Judo

Für die Judokas seien die Erleichterungen natürlich erfreulich, findet Joe Sanders, Trainer bei der SG Moosburg. Wenngleich die Lockerungen im Wettkampfbetrieb für die bayerischen Sportler erstmal keine Rolle spielen. Denn wie der Bayerische Judo-Verband auf Anfrage bestätigte, habe man die aktuelle Kampfsaison zusammen mit den Vereinen in dem Wissen einer möglichen Öffnung abgesagt. Nach sechs Monaten Trainingspause seien Wettkämpfe im Judo nicht ohne ein erhebliches Verletzungsrisiko durchführbar gewesen. Sanders teilt diese Meinung. Vielen Klubs sei es auch durch Hallenschließungen gar nicht möglich gewesen zu trainieren, sodass ein Saisonstart im Herbst keinen Sinn gemacht hätte.

Ringen

Auch die Ringer haben die Lockerungen der Staatsregierung in Sachen Corona sehr positiv aufgenommen. Damit schaut es tatsächlich so aus, dass die Punkterunden in den bayerischen Ligen definitiv am 24. Oktober starten können. Vereinschef Michael Prill vom SV Siegfried Hallbergmoos hat die Entscheidung mit Freude zur Kenntnis genommen: „Es ist schön für den Verein und die Fans, dass die Regierung nun doch Grünes Licht gegeben hat. Jetzt müssen wir abwarten, wie die Umsetzung im Detail ausschaut.“ Infos werde man demnächst vom Bayerischen Ringer-Verband erhalten. Prill weiter: „Der organisatorische Aufwand beschäftigt uns heuer sogar mehr als die Sorge, dass die Staffel fit in die Saison startet. Dass die Begegnungen mit Zuschauern, in geschlossenen Räumen sind bis zu 200 erlaubt, stattfinden dürfen, macht die Saison noch interessanter. Wir werden unsere Planungen nun intensivieren, damit alles klappt.“

Volleyball

Bis zu 200 Zuschauer sind ab dem 19. September indoor erlaubt? Da kann Dejan Jankovic nur müde lächeln: „Von derartigen Zahlen können wir nur träumen“, sagt der Abteilungsleiter der Freisinger Volleyballer. „Wir haben in der Halle gar keine Tribüne, außerdem kommen meistens ohnehin nur 50 bis 100 Leute.“ Allerdings – und das ist das viel größere Problem: Die Sportclub-Aktiven müssen aktuell draußenbleiben. 

Jankovic: „Es wird ein ziemlicher Kaltstart“

In den letzten zwei Wochen der Sommerferien hätten die Erwachsenenteams des SCF in der Halle an der Moosstraße trainieren können – „seit dem Schuljahresbeginn am Dienstag ist sie für uns nicht mehr zu nutzen“, sagt Jankovic. Er hoffe nun auf eine schnellstmögliche Lösung. Immerhin hatte die Stadt Freising schon signalisiert, die Schulsporthallen ab 1. Oktober wieder für die Vereine zugänglich zu machen. Gerade noch rechtzeitig vor dem Saisonstart in der Regionalliga, die Freisinger Volleyballer haben am 10. Oktober ihr erstes Auswärts- und eine Woche später ihr erstes Heimspiel. „Es wird ein ziemlicher Kaltstart“, bedauert Jankovic. Trotzdem freut er sich über die Entscheidung der Politik. „Das ist toll. Aber es gibt noch zahlreiche Probleme.“

Josef Fuchs, Bernd Heinzinger, Anton Schweißgut und Michael Leitner

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