Zaungäste im wahrsten Sinne des Wortes: Von außerhalb des Vereinsgeländes lassen sich Testspiele – wie die Partie des VfB Hallbergmoos gegen den FC Schwaig Anfang August – bestaunen. Ins Stadion dürfen die Fans nicht.
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Zaungäste im wahrsten Sinne des Wortes: Von außerhalb des Vereinsgeländes lassen sich Testspiele – wie die Partie des VfB Hallbergmoos gegen den FC Schwaig Anfang August – bestaunen. Ins Stadion dürfen die Fans nicht.

Klubs hängen am Tropf der Infrastruktur

Zuschauer-Verbot im Fußball: Vorgaben sorgen für Unverständnis - Einige Vereine kapitulieren

  • vonSebastian Dobler
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Bei Testspielen in Bayern gilt nach wie vor ein Zuschauerverbot. Die neuen Vorgaben des BFV sorgen im Landkreis für Unverständnis. Einige Vereine kapitulieren vor den Auflagen.

Landkreis – Es ist alles andere als eine leichte Situation für die bayerischen Amateurvereine: Die Mannschaften befinden sich seit Wochen in der Vorbereitung und bestreiten Testspiele. Wann aber und ob der Pflichtspielbetrieb überhaupt wieder aufgenommen werden kann, ist unklar. Vergangene Woche gab der Bayerische Fußball-Verband (BFV) die Info heraus, dass sich der Re-Start um 14 Tage verzögern wird. Neuer geplanter Termin ist der 19. September.

Aktuell gilt bei Testspielen striktes Verbot von Zuschauern

Begründet wurde die Verschiebung von Verbandsseite mit der Ausarbeitung eines weiteren Hygiene-Konzepts für die Zulassung einer begrenzten Anzahl an Zuschauern bei den Pflichtspielen. Dieses Konzept könne, so BFV-Präsident Rainer Koch, frühestens Anfang September vom Innenministerium abgesegnet werden. Bis dahin wolle der Verband den Vereinen „eine gewisse Vorlaufzeit zur Umsetzung der dann geltenden Hygiene-Konzepte“ einräumen.

Aktuell gilt bei Testspielen in Bayern ein striktes Verbot von Zuschauern. Als solche gelten laut BFV-Erklärung „alle Personen, die nicht zwingend für die Durchführung des Trainingsspiels anwesend sein müssen“. Fans sind demnach während der Testpartien auf dem Vereinsgelände noch nicht zugelassen. Das führt bei vielen Klubs zu großem Unverständnis – gerade, weil sich in Schwimmbädern, an Badeseen oder auch an anderen öffentlichen Orten im Freien mittlerweile wieder die Massen tummeln und Mindestabstände oft nur eine untergeordnete Rolle spielen. Martin Braun, Sportlicher Leiter des TSV Moosburg, spricht aus, was sich viele denken: „Es ist nicht nachvollziehbar, dass keine Zuschauer zugelassen sind, aber zeitgleich jeder See überlaufen ist oder ich mit 200 Menschen feiern darf.“

Es gibt Hintertürchen - doch auch die bereiten Probleme

Einige Hintertürchen gibt es jedoch für Testspiel-Interessierte: Die vom BFV definierten Regularien des Zuschauer-Verbots gelten lediglich für den Sportplatz respektive das Vereinsgelände – nicht aber für die Flächen rund um das Areal (hinter den Ballfangzäunen) oder die Vereinsgaststätte im Sportheim, die den entsprechenden Regeln für die Gastronomie unterliegt. Leute, die zum Platz pilgern, um sich Vorbereitungspartien anzuschauen, werden von den Klubs also oftmals hinter die Ballfangzäune verwiesen. Hier entsteht jedoch das nächste Problem, betont Spartenchef Dominik Heiß vom SVA Palzing: „Bei uns gibt es auf der Gegengeraden genügend Sitzbänke, wo Abstände gewährleistet werden könnten. Wollen Zuschauer das Vereinsgelände betreten, schicken wir sie hinter den Zaun. Die meisten zeigen Verständnis dafür, da sie wissen, dass wir nichts dafür können, sondern lediglich die Regeln befolgen. Das Ergebnis danach ist natürlich alles andere als optimal: Jetzt stehen die Zuschauer dicht an dicht und nebeneinander hinter dem Zaun. Der Sinn dieser Definition von Verbandsseite her ist mehr als fragwürdig.“

Es ist nicht nachvollziehbar, dass keine Zuschauer zugelassen sind, aber zeitgleich jeder See überlaufen ist.

Martin Braun, Sportlicher Leiter des TSV Moosburg

Bei all dem Unmut halten sich doch alle Vereine so gut es geht an die Vorgaben. Ob und wie gut diese Regularien umgesetzt werden können, ist auch zwangsläufig von der Infrastruktur abhängig: Gibt es eine Gaststätte in Sichtweite des Spielfelds? Liegt der Platz an einem öffentlichen Weg, der durch einen Zaun vom Sportgelände klar abgetrennt ist, oder ist das Spielgeschehen von außerhalb gar nicht einsehbar? Ist das Vereinsareal von mehreren Seiten frei zugänglich, sodass eine Einlasskontrolle nur schwer umsetzbar ist? All diese Faktoren bestimmen, ob Fans die Begegnungen – zumindest aus der Ferne – verfolgen können.

Einige Teams können sich mit Auflagen gut arrangieren

Gut arrangieren mit den aktuellen Auflagen können sich die Teams aus Eching, Oberhaindlfing oder Pulling. „Wir halten uns an die Vorschriften und lassen keine Zuschauer an den Platz“, sagt SVP-Trainer Robert Eichler. „Aber da wir ja eine große Terrasse bei der Wirtschaft haben, stellen sich natürlich dort einige Fans hin und schauen zu.“ Ähnlich läuft es beim SV Oberhaindlfing-Abens, berichtet Abteilungsleiter Werner Diemaier: „Bei uns können die Zuschauer auf dem Balkon oder auch vom Biergarten aus das Spiel mitverfolgen. Sie sind durch die Sportgaststätte auch registriert, für dem Fall einer nötigen Nachverfolgung. Am Platz selbst befinden sich nur die Betreuer und Spieler der Mannschaften.“ Für Diemaier ist dieses Szenario als Übergangslösung akzeptabel – ein Grundproblem bleibt aber bestehen: „Die Zuschauer sind in der Summe natürlich deutlich weniger. Das ist schon eine schwierige Lage. Wir haben so gut wie keine Einnahmen, und beispielsweise muss ja der Schiedsrichter trotzdem bezahlt werden.“

Wie wichtig gute örtliche Voraussetzungen sind und wie glücklich sich in diesem Fall der TSV Eching mit seiner Anlage schätzen kann, berichtet Reserve-Trainer Marcus Heiss: „Wir haben schon einige Corona-Heimspiele der Ersten und Zweiten hinter uns. Bei uns können sich Zuschauer auf die große Terrasse und in den Biergarten am Sportheim setzen, die Personen werden vom Wirt erfasst. So hat jeder etwas davon: Der Wirt macht Umsatz, Interessierte können zuschauen und haben perfekte Sicht, zudem werden alle Hygiene-Maßnahmen eingehalten. Aufgrund unserer tollen Anlage ist das möglich.“

Abteilungsleiter des SV Dietersheim: „Es ist eine blöde Situation“

Ganz anders sieht die Situation in Marzling und in Dietersheim aus. „Wir haben eine offene Anlage, da weiß ich gar nicht, wie ich diese Auflagen erfüllen soll“, gibt Mario Spoljaric, Vorsitzender und Abteilungsleiter des SV Dietersheim, zu bedenken. „Da muss ich ständig um den Platz laufen, um die Abstände zu gewährleisten und Personen wegzuschicken – das ist mir ehrlich gesagt zu viel Arbeit. Die Auflagen mit oder ohne Zuschauer sind uns zu aufwändig, daher haben wir bis zum 30. August nur ein Spiel zu Hause ohne Zuschauer und eines auswärts ausgemacht. Es ist eine blöde Situation.“

Beim SV Marzling verzichtet man wegen der Nichtvereinbarkeit von Auflagen und Vereinsgelände gänzlich auf Heimspiele, solange keine Zuschauer erlaubt sind. „Wir haben uns im Verein so verständigt, dass alle Mannschaften – von klein bis groß – ihre Vorbereitungsspiele ausnahmslos auswärts austragen, um somit gleich zwei Probleme zu lösen“, sagt SVM-Fußballchef Jochen Jürgens. „Einerseits die Zuschauer-Thematik: Es gibt Vorgaben des Verbands, die jedoch vielerorts umgangen respektive ausgetrickst werden können. Teilweise scheren sich die Vereine auch erst gar nicht um die Vorgaben. Dazu kommt das Problem mit verpachteten Flächen und Balkonen, wo der Verein die Leute nicht wegschicken darf, sondern dies der Wirt tun müsste. Dieses Problem und die damit zusammenhängende Diskussion wollten wir nicht haben.“ Der zweite – nicht minder wichtige – Grund: die Größe der Kabinen. „Wir haben teilweise schon Probleme, eine komplette Mannschaft in unseren Räumlichkeiten unterzubringen. Wenn noch Regeln wie Abstände oder Maskenpflicht eingehalten werden sollen, wird das echt schwierig. Deshalb haben wir entschieden, vorerst keine Heimspiel auszutragen.“

Wunsch der Vereine ist klar

Fazit: Die Zuschauer-Thematik sorgt vielerorts für Unklarheiten und Unverständnis – und vor allem für reichlich Diskussionen. Der Wunsch der Vereine ist klar: Fans sollten wieder auf die Anlage dürfen. „Ich bin der Meinung, dass die höchstens 200 Zuschauer, die auch bei Kulturveranstaltungen in Bayern erlaubt sind, auch in unseren Spielklassen zugelassen werden könnten. Natürlich nur, wenn alle Auflagen eingehalten werden, was unter normalen Umständen aber gegeben ist“, sagt Alex Thalhammer, 2. Abteilungsleiter der SpVgg Attenkirchen, der jedoch eine Lanze für die Arbeit des Verbands bricht: „Klar sind einige Regeln fragwürdig. Aber die Oberen versuchen doch auch nur, dass es trotz der Corona-Lage möglich ist, zu spielen und die Saison zu beenden.“

Die Zahl der Corona-Infizierten in Bayern steigt wieder deutlich. Der Pandemiebeauftragte des Klinikums Freising macht sich große Sorgen über einen zweiten Lockdown.

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