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Am Boden: Die Handballer der HSG Freising-Neufahrn – hier Alexander Heldner – hatten in der Landesliga Nord wenig zu bestellen, standen schon vor der Corona-Krise als sportlicher Absteiger fest und profitieren nun am meisten von der Verbandsentscheidung.

BHV-Entscheidung

Freisinger Handballteams endgültig aller Abstiegssorgen entledigt

Der BHV hat entschieden: Die Handball-Saison wird abgebrochen, es gibt keine Absteiger. In Freising, Kirchdorf, Eching und Moosburg ist die Erleichterung groß.

Landkreis – Das Präsidium des Bayerischen Handball-Verbands (BHV) hat seine Entscheidung getroffen: Die Saison 2019/20 wird in allen Klassen unterhalb der 3. Liga endgültig abgebrochen, am 1. Oktober soll es mit der neuen Punktrunde weitergehen. Über die Meisterschaft und damit den Aufstieg dürfen sich die Vereine mit dem besten Quotienten freuen – die erreichten Zähler dividiert durch die Anzahl der absolvierten Spiele ergeben einen Wert, der mit 100 multipliziert wird und das Ergebnis für die Abschlusstabelle darstellt. Erleichtert sind die Landkreis-Vereine jedoch eher darüber, dass es keine Absteiger gibt: Das ist die eindeutige Aussage des Stimmungsbilds, das sich das FT bei den Clubs eingeholt hat.

HSG Freising-Neufahrn Frauen I (Bayernliga)

Natürlich freue man sich, weiter in der Bayernliga spielen zu dürfen, betont Trainer Simon Klawe, dessen Team zum Zeitpunkt des Abbruchs auf dem vorletzten Platz in der Tabelle stand: „Wir können jetzt wieder bei Null anfangen und in der neuen Saison hoffentlich unser großes Potenzial zeigen, das in der Mannschaft vorhanden ist.“ Generell sagt er: „Für die Gesellschaft ist der Abbruch sinnvoll – für den Handball allerdings enttäuschend.“ Wann es denn überhaupt weitergehe, könne man derzeit überhaupt noch nicht sagen: „Das macht die Planungen für die Vorbereitung schwer.“

Aktuell hielten sich seine Handballerinnen mit Laufen, individuellem Krafttraining oder auch dem Online-Kurs von Felix Ilberg fit. Dass es aufgrund der fehlenden Absteiger – für Klawe „die sportlich fairste Lösung“ – eventuell mehr Mannschaften in der Bayernliga geben wird, stört bei der HSG niemanden. Der Coach: „Da kann man noch besser sehen, wo wir stehen. Klar wäre es eine höhere Belastung, aber das würden wir schon schaffen.“ Die ganze Mannschaft freut sich auf alle Fälle schon wieder auf den Zeitpunkt, an dem sich endlich wieder einmal alle zu einem gemeinsamen Training treffen können.

HSG Freising-Neufahrn Männer I (Landesliga)

Die HSG-Männer standen als Tabellenletzter vor dem Abbruch als sicherer Absteiger fest – und profitieren daher am meisten von der BHV-Entscheidung. Trainer Walter Schuhbauer betont: „Für uns ist das eine gute Nachricht, die allerdings nicht so überraschend kam.“ Weiterzuspielen wäre definitiv keine Alternative gewesen: „Wir müssen alle froh sein, wenn die kommende Saison pünktlich starten kann.“

Ende der vergangenen Woche gab’s zudem eine Videokonferenz mit den Trainern und Spielern, in der über das weitere Vorgehen entschieden wurde – ein freiwilliger Abstieg wäre möglich gewesen. Schuhbauer: „Doch die überwältigende Mehrheit sprach sich dabei für einen Verbleib in der Landesliga aus.“ Gleichwohl gebe es noch einige Unsicherheiten – etwa, wann ein Training wieder möglich ist oder wie viele Teams in der Liga spielen werden. Deshalb ist in zwei Wochen ein weiteres Meeting angesetzt, dann soll die endgültige Entscheidung folgen. Verstärkungen wären unter normalen Umständen dringend notwendig, sagt Schuhbauer: „Aktuell ist es aber schwer. Ich gehe davon aus, dass unser Kader so bleibt, wie er ist.“ Wichtig sei jetzt aber vor allem, die Corona-Krise in den Griff zu bekommen: „Hoffentlich ist das bald der Fall.“

SC Kirchdorf Frauen (Bezirksoberliga)

Sehr gut mit der Entscheidung leben kann SCK-Coach Peter Heun: „Es hätte keinen Sinn gemacht, wieder einzusteigen.“ Seine Kirchdorferinnen lagen zum Zeitpunkt des Abbruchs nur einen Punkt vor dem vorletzten Rang, schwebten also noch in Abstiegsgefahr. Heun ist gespannt, ob die nächste Runde tatsächlich Anfang Oktober beginnen kann: „Wenn wir erst ab August wieder trainieren können, dann wird es spannend.“ Man müsse nun einfach abwarten. Dass sein Team auch ohne das sofortige Saisonende nicht abgestiegen wäre, davon zeigt sich Heun überzeugt: „Wir hatten zuletzt einen Aufwärtstrend. Jetzt haben wir jedoch Gewissheit und hängen gerne ein weiteres Jahr Bezirksoberliga dran.“

SC Eching Männer (Bezirksoberliga)

Das Vorgehen des BHV sei „absolut absehbar“ gewesen, sagt SCE-Coach Lukas Monz: „Grundsätzlich kann man allerdings nie eine für alle Vereine faire Lösung finden.“ Die Aufsteiger müssten seiner Ansicht nach damit leben, dass ihnen nachgesagt werde, der Titel habe einen Makel. „Wir selbst waren dagegen noch in Abstiegsgefahr, deshalb stört es uns keineswegs, dass keine Mannschaft runter muss.“

Seine Truppe habe in dieser Saison deutlich unter ihren Möglichkeiten gespielt. „Das niedrige Durchschnittsalter, das Potenzial der Jungs sowie die Größe des Kaders sprechen dafür, dass wir uns in der kommenden Spielzeit verbessern.“ Prinzipiell sei es gut, dass man jetzt Gewissheit habe – eine Wiederaufnahme der aktuellen Runde hätte für Monz auch keinen Sinn gemacht: „Denn wir sind schließlich keine Profis. Ohne das nötige Training gleich wieder einzusteigen, wäre fatal gewesen. Das hätte zu vielen Verletzungen führen können.“

SG Moosburg Männer (Bezirksliga)

Das vorzeitige Ende der Saison 2019/2020 sei die logische Konsequenz, sagt SGM-Coach Christoph Damke: „Die Gesundheit geht einfach vor – und beim Handball sind alle eng beieinander.“ Als Mittelfeldteam hatte Moosburg mit dem Auf- und dem Abstieg sowieso nichts zu tun. Sehr froh zeigt sich der Trainer darüber, dass jetzt alles geklärt sei. Die Spieler würden sich derzeit individuell fit halten – und lachend fügt Damke noch hinzu: „Nur der Trainer ist ein fauler Hund.“ Wann man wieder in die Halle könne, sei aktuell unvorhersehbar: „Das kommt darauf an, wie sich das gesellschaftliche Leben entwickelt. Ich denke, dass wir erst dann trainieren können, wenn auch der Schulsport wieder möglich ist.“ Schon jetzt sei klar, dass es aufgrund von Studium und Beruf einige Abgänge bei der SGM geben wird, dafür würden aber einige Nachwuchstalente aus der A-Jugend in den Erwachsenenbereich aufrücken: „Ich sehe uns auf alle Fälle gut gerüstet, wenn es wieder weitergeht.“ Wann auch immer das sein wird.

SG Moosburg Frauen (Bezirksliga)

Als Liga-Vorletzter – punktgleich mit Schlusslicht Taufkirchen – können auch die Moosburger Mädels erleichtert darüber sein, dass es keine Absteiger gibt. Derzeit gibt es zwischen Trainer Stefan Klein und dem Team kaum Kontakt, nach dem Abbruch im März wurde das Training nur via WhatsApp abgesagt. Die Entscheidungen des BHV seien im Moment das kleinste Problem, sagt der Trainer. Die Gesundheit stehe an allererster Stelle. Da werde der Sport zur Nebensache.

HSG Freising-Neufahrn Frauen II (Bezirksliga)

Die HSG-Reserve stand im Niemandsland der Liga. Das Team kann das vorzeitige Saisonende daher entspannt zur Kenntnis nehmen.

HSG Freising-Neufahrn Männer II (Bezirksliga)

Die Mannschaft um Trainer Holger Mundry hätte den Klassenerhalt sowieso geschafft: Die beiden Absteiger standen bereits fest, nachdem der TSV Karlsfeld und der TSV Dachau 65 ihre Teams zurückgezogen hatten. Mundry ist überzeugt davon, dass die HSG II in der Saison 2020/21 richtig durchstarten kann.

SC Eching Frauen (Bezirksklasse Ost)

„Ich finde die Entscheidung richtig, sie kam aber deutlich zu spät“, sagt SCE-Trainer Dominik Ferdinand: „Der BHV hätte deutlich früher für Gewissheit sorgen müssen.“ Nun bestehe endlich Klarheit. Ferdinand sah den Abbruch als alternativ los an: „Es ist definitiv die beste Lösung, die der Verband treffen konnte.“

Bernd Heinzinger

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