Co-Trainer Gojko Stojisavljevic (3. v. r.) klatscht mit den Spielern des TSV Jahn Freising ab.
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Von seinem Erfahrungsschatz profitierten schon etliche Generationen an Freisinger Basketballern. Gojko Stojisavljevic (3. v. r.) hat früher in seinem Heimatland Kroatien selbst höherklassig gespielt.

Basketball

Freisings Co-Trainer Gojko Stojisavljevic: Ein Talentschmied aus Leidenschaft

  • VonPeter Spanrad
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Co-Trainer Gojko Stojisavljevic von den Basketballern des TSV Jahn Freising geht bald in Ruhestand – sportlich denkt er aber noch längst nicht ans Aufhören.

Freising – In den vergangenen 30 Jahren hat Trainer Gojko Stojisavljevic die Basketball-Abteilung des TSV Jahn Freising entscheidend geprägt. Im Mai hat er – zumindest beruflich – das Rentenalter erreicht und geht in den Ruhestand. Denn Stojisavljevic hofft, dass er fit genug bleibt, um seinen reichen Erfahrungsschatz weiter an möglichst viele Nachwuchskorbjäger weitergeben zu können. Das Tagblatt hat mit dem 65-Jährigen über sein bewegtes Leben gesprochen.

Herr Stojisavljevic, es hat sich herumgesprochen, dass Sie als Hausmeister der Mittelschule Lerchenfeld in den Ruhestand gehen. Wann ist Ihr letzter Arbeitstag?

Ich werde am 1. Mai in den Ruhestand gehen.

Freuen Sie sich darauf?

Jein. Ich habe den Job sehr gerne gemacht. Klar freue ich mich, wenn ich mit 66 Jahren in den Ruhestand gehen darf und nicht mehr arbeiten muss. Wenn etwas zu Ende geht, ist das aber nicht immer so schön. Das stimmt einen schon auch nachdenklich.

Dann müssen Sie auch Ihre Dienstwohnung verlassen. Haben Sie in Freising bereits eine neue Wohnung gefunden?

Das ist nicht ganz einfach. Die Stadt Freising ist sehr bemüht, mir zu helfen und mir eine Sozialwohnung anzubieten. Aber ob das bis 1. Mai klappt, weiß ich nicht. Ich habe auch schon eine Wohnung angeboten bekommen – doch die ist für mich als Rentner viel zu teuer. Schlimmstenfalls müsste ich mir überlegen, ob ich in mein Geburtsland Kroatien gehe. Dort sind die Lebenshaltungskosten ähnlich hoch wie in Deutschland, aber die Wohnungen deutlich günstiger. Aber das möchte ich eigentlich nicht. Seit 30 Jahren ist Freising meine Heimat – hier fühle ich mich sehr wohl.

Darum verließ Gojko Stojisavljevic Jugoslawien

Warum sind Sie nach Deutschland gekommen?

Vor 30 Jahren herrschte im früheren Jugoslawien Krieg, der für mich auch nicht überraschend kam. Schon vor Ausbruch des Kriegs habe ich mir überlegt, Jugoslawien zu verlassen. Eine meiner Tanten wohnte damals in Bad Mergentheim in Baden-Württemberg. Die habe ich angerufen und um Rat gefragt. Sie hat mich motiviert, nach Deutschland zu gehen. Aber sie hat mir auch gesagt, dass man in Deutschland nur als Koch oder Krankenschwester eine Chance auf eine Aufenthaltsgenehmigung hat.

Was haben sie damals beruflich gemacht?

Nach dem Abitur habe ich Bauingenieurwesen studiert. Um also in Deutschland eventuell eine Aufenthaltsgenehmigung zu erhalten, habe ich Koch gelernt. Nachdem ich Abitur hatte, musste ich nur zwölf Prüfungen absolvieren. Als 1991 der Krieg ausbrach, bin ich nach München geflohen. Die ersten drei Jahre hatte ich nur eine Duldung. Von 1991 bis 1993 wohnte ich in München bei einem Freund.

Und wie sind Sie dann nach Freising gekommen?

Ich habe in München wieder Basketball gespielt. Und ein Trainer hat mir 1992 gesagt, dass der TSV Jahn einen Basketballtrainer sucht. Ich habe angerufen – und bin so nach Freising gekommen.

Einsätze in der 2. und 3. Basketball-Liga

Sie haben schon in Kroatien Basketball gespielt?

Ich habe in meiner Heimatstadt Virovitica mit meinen Freunden von klein auf sehr viel Sport gemacht. Bis zum 14. Lebensjahr habe ich Fußball und Basketball gespielt. Dann wurde mir aber immer klarer, dass Basketball meine Sportart ist. Er war und ist auch heute noch ein ganz wichtiger Bestandteil meines Lebens.

Welche Spiele und Erfolge sind Ihnen besonders in Erinnerung geblieben?

Nach dem Abitur bin ich zum Studieren nach Zagreb gegangen, habe dort zunächst in der 3., dann auch in der 2. Liga gespielt – also auf recht hohem Niveau. Mit unserer Studentenmannschaft haben wir es ins Finale der Studentenmeisterschaft in Belgrad gebracht. Das war einer meiner Höhepunkte – ich habe 42 Punkte gemacht. Am Ende haben wir leider mit einem Zähler Unterschied verloren. Das war 1975. Ein wichtiges Erlebnis hatte ich danach, als wir uns mit dem Team auf die neue Saison vorbereiteten. Wir bauten damals in einem Stadion auf einem Handballfeld ein Basketballfeld auf. Über 4000 Zuschauer kamen, um uns gegen das Profiteam von Cibona Zagreb zu sehen. Ich erinnere mich noch ganz genau – der Gegner spielte so aggressiv, dass ich die ersten 15 Minuten keinen Ball berührt habe. Das hat meinen Ehrgeiz aber so angestachelt, dass ich noch viel härter trainiert habe.

Im Jahr 1992 kam Gojko Stojisavljevic (stehend, l.) zum TSV Jahn Freising – seitdem ist er eine Trainer-Ikone des Vereins. Das Bild zeigt die Mannschaft der Saison 1992/93.

Was waren dann Ihre ersten Trainerstationen?

Nach dem Studium habe ich es zunächst als Spielertrainer versucht, das hat nicht so gut funktioniert. Danach habe ich in Virovitica ein Team trainiert, dann ein halbes Jahr eines in Zagreb und danach sieben Jahre recht erfolgreich die Mannschaft von Koprivnica. Wir sind von der 5. in die 2. Liga aufgestiegen. In der Mannschaft waren einige super Talente, die das Zeug für die 1. Liga hatten. Einige schafften es auch ins Profigeschäft.

Haben Sie noch Kontakt zu den Spielern?

Ja. Viele von ihnen sind damals in viele verschiedene Städte gegangen, etwa nach Barcelona, Berlin oder Zagreb. Das Wichtigste am Basketball sind für mich die vielen Freundschaften, die durch den Sport entstanden sind.

Wie lief dann die erste Zeit in Freising für Sie?

Beruflich war es nicht leicht, für Bauingenieure gab es damals keine Jobs. Ernst Berg, der damalige Basketball-Abteilungsleiter beim TSV Jahn, hat mir dann in den Schulen eine Tätigkeit ermöglicht. Fünf Jahre unterrichtete ich an vielen Landkreisschulen in den sogenannten SAG’s Basketball. Dann habe ich auch mal in einer Tankstelle gearbeitet.

Akribischer Trainer, engagierter Hausmeister

Wie kamen Sie zum Hausmeisterposten in der Mittelschule Lerchenfeld?

Im Jahr 2000 hat die Stadt eine Vertretung für einen Hausmeister gesucht. Darauf habe ich mich beworben. So arbeitete ich als Aushilfe im Haus der Vereine, in der Realschule und in der Mittelschule an der Düwellstraße. Als die neue Mittelschule in Lerchenfeld 2002 fertiggestellt war, habe ich dort die Stelle erhalten.

Wie lief es beim TSV Jahn?

Ich habe vor allem im Jugendbereich viele Teams trainiert, aus denen etwa Maximilian Hellmich, Florian Brückner oder Toni Weichselberger hervorgegangen sind. Mit ihnen haben wir uns auch für die bayerische B-Jugend-Meisterschaft qualifiziert.

Gab es in Ihrer Trainerlaufbahn auch Tiefpunkte?

Ja. Das war Mitte der 2000er Jahre, als die Basketball-Sparte in eine Krise geriet und Abteilungsleiter Ernst Berg gehen musste. Das hat mich sehr getroffen, weil ich mit Ernst Berg sehr gut zusammengearbeitet hatte. Ich war so enttäuscht, dass ich den TSV Jahn verließ und zwei Jahre lang das Frauenteam von Kickz München coachte. Die Mannschaft spielte damals in der 2. Bundesliga. Aber ich habe weiterhin die Jugendmannschaften des TSV Jahn Freising betreut.

Warum sind Sie dann endgültig zum TSV Jahn zurückgekehrt?

Es waren in erster Linie die Spieler Zlatan Dedic und Horst Nierhaus und dann vor allem auch Abteilungsleiter Franz Lupp, die mich gebeten haben, das Training der Ersten Männermannschaft in der 2. Regionalliga zu übernehmen. Ich habe dann Stefan Manhart zurückgeholt und begonnen, ein neues Team aufzubauen.

Sie haben sich vor einiger Zeit als Headcoach zurückgezogen, waren zunächst neben Denis Rühmann und sind jetzt neben Michael Buhl als Co-Trainer aktiv. Warum?

Wenn man älter wird, fehlt einem irgendwann die nötige Energie, um als Headcoach tätig zu sein. Aber mir bereitet es sehr große Freude, mit so jungen Trainern wie Denis Rühmann oder Michael Buhl zusammenzuarbeiten. Mit ihnen habe ich die Trainingspläne ausgearbeitet – und ich kann als Co-Trainer meine jahrelange Erfahrung einbringen.

Ein sinnvolles Leben ohne Basketball kann ich mir auch im Ruhestand nicht vorstellen.

Gojko Stojisavljevic will sich weiter beim TSV Jahn einbringen

Worin sehen Sie als Trainer neben Ihrer Erfahrung Ihre große Stärke?

Ich glaube, ein gutes Gespür für Talente zu haben, die ich dann zu guten Spielern formen kann.

Wie beurteilen Sie die augenblickliche Leistungsfähigkeit der Jahn-Bayernliga-Mannschaft?

Die letzte Saison war schwierig, weil viele erfahrene Spieler die Mannschaft verlassen hatten. Unsere vielen jungen Akteure haben in den vergangenen Monaten aber viel gelernt. Und mit Michl Babl und Tim Peisker sind zwei starke Spieler zurückgekehrt. Wenn sich unsere jungen und talentierten Leute weiterhin so gut entwickeln, verfügen wir bald wieder über eine sehr starke Mannschaft. Leider lässt derzeit Corona ein Mannschaftstraining nicht zu. Die Spieler müssen sich selbstständig fit halten.

Gojko Stojisavljevic: Saisonabbruch wäre sinnvoller

Glauben Sie, dass die Bayernliga-Saison noch fortgesetzt werden kann?

Von der Logik her nicht. Es wäre für mich sinnvoller, jetzt die Saison für beendet zu erklären. Und dann könnte man im September mit der neuen Runde starten.

Welche Pläne und Wünsche haben Sie, wenn Sie am 1. Mai in den Ruhestand gehen?

Wenn die Jahn-Basketballer mich weiter als Trainer brauchen können, wäre ich sehr froh, meine Erfahrung einbringen zu können und die Talente zu fördern. Denn ein sinnvolles Leben ohne Basketball kann ich mir auch im Ruhestand nicht vorstellen. Es wäre schön, ab und zu wieder nach Kroatien fahren zu können, um mich mit Verwandten und Freunden zu treffen. Normalerweise treffen wir uns mit der Familie zu Weihnachten – das ist diesmal ausgefallen. Und dann wäre ich glücklich, wenn ich in Freising eine bezahlbare Wohnung finden könnte. Denn ich bin fest in Freising verwurzelt.

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