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In kleinen Gruppen mit bis zu fünf Personen ist Fußballtraining ab Montag prinzipiell wieder gestattet. Doch die Vereine müssen noch viele weitere wichtige Dinge berücksichtigen.

Restart am Montag

Fußball und Corona: Die Ampel steht erst auf Gelb

  • vonJochen Jürgens
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Unter elf Voraussetzungen dürfen auch die Fußballklubs aus dem Landkreis Freising ab Montag wieder trainieren. Die Frage ist nur: Wer haftet bei Neuinfektionen?

Landkreis – Anpfiff für die Amateure: Ab dem heutigen Montag darf der Ball in Bayern wieder rollen, die Vereine können in ersten kleinen Schritten auf ihre Sportplätze zurückkehren. Doch wie beim Einkauf oder in Bussen und Bahnen gelten klar definierte Regelungen aus der vierten Bayerischen Infektionsschutzmaßnahmenverordnung, die der Bayerische Fußball-Verband (BFV) in einem fünfseitigen Infoblatt auf seiner Homepage zum Download anbietet.

Die Möglichkeit zur Wiederaufnahme des Trainingsbetriebs kam dennoch überraschend, weil zunächst nur Individualsportarten für den Restart vorgesehen waren. „Durch die Rahmenrichtlinien haben sich zahlreiche Detailfragen gestellt“, berichtet BFV-Vizepräsident Robert Schraudner. „Und mehrere Ballsportverbände wollten wissen, warum nicht auch Teamsportarten unter Berücksichtigung der Auflagen wieder anfangen dürften.“ Nach einem Austausch zwischen Innen- und Gesundheitsministerium am Freitagnachmittag sprang die Ampel auch für den Fußball von Rot auf Grün.

„Es sollte jetzt niemand eigenständig zu trainieren beginnen.“

Korrekterweise ist das vermeintlich grüne Licht allerdings erst ein „Gelb“. „Es sollte jetzt niemand eigenständig zu trainieren beginnen, ohne mit der zuständigen Stadt- oder Gemeindeverwaltung gesprochen zu haben“, mahnt Schraudner. Schließlich bleiben die Sportanlagen weiter behördlich gesperrt – deren Benutzung sei grundsätzlich verboten. „Die Vereine müssen jetzt überprüfen, ob sie die elf im Infoblatt genannten Voraussetzungen erfüllen können“, sagt Schraudner und verweist auf unbedingt zu erledigende Hausaufgaben.

Christian Hobmeier (46), Trainer des TSV Au: „Aus rein sportlicher Perspektive macht es keinen Sinn, jetzt mit dem Training zu beginnen. Aber aus mentaler Sicht halte ich es für wichtig, dass die Jungs mal wieder die Pille am Fuß haben. Wir warten vorerst ab, ob von der Regierung oder dem BFV noch Verordnungen nachkommen.“

Im Einzelnen wären das – beim Fußball klar – die Ausübung der Trainingseinheiten auf öffentlichen oder privaten Freiluftsportanlagen unter Einhaltung des Abstands zweier Personen von mindestens 1,50 Metern. Die Kleingruppen dürfen inklusive der Übungsleiter maximal fünf Personen umfassen. In einer Großfeldhälfte sind dadurch zwei Kleingruppen zulässig, also höchstens zehn Personen, die kontaktfrei und entsprechend ohne Zweikämpfe trainieren dürfen. Umkleidekabinen und somit auch Duschen bleiben genauso von der Nutzung ausgeschlossen wie Mannschafts- und Besprechungsräume – umgezogen wird sich daheim oder im Auto.

Hygiene- und Desinfektionsmaßnahmen sind einzuhalten

Mehr noch: Nicht nur den Vereinsverantwortlichen, sondern allen Teilnehmern obliegt die Pflicht, alle Hygiene- und Desinfektionsmaßnahmen einzuhalten – auch im Hinblick auf gemeinsam genutzte Sportgeräte. Der Zugang zu Wasser und Seife ist zu ermöglichen, ebenso die Nutzung von Toiletten (ebenfalls unter Berücksichtigung der Abstandsregel), alle anderen Nassanlagen wie etwa die Schuhputzeinrichtungen bleiben abgeschaltet. Beim Betreten und Verlassen der Sportanlagen und natürlich auch beim zeitlichen Wechsel der Trainingsgruppen sind Warteschlangen oder Gruppenansammlungen unbedingt zu vermeiden. Personen aus Risikogruppen dürfen durch eine Aufnahme des Trainingsbetriebs „keiner besonderen Gefährdung“ ausgesetzt werden, und Zuschauer sind auf den Anlagen in dieser Ausnahmesituation verboten. „Halten wir uns nicht daran, ist mit Problemen zu rechnen“, hofft Schraudner auf eine konsequente Umsetzung der Vorgaben. Denn er befürchtet, „dass ansonsten die Lockerungen schnell wieder aufgehoben werden könnten“. Organisatorisch dürfte auf die Jugend- und Abteilungsleiter nun also einiges an Arbeit zukommen.

Dominik Grimm (29), Abteilungsleiter, SV Pulling: „Wir haben uns am Sonntag gleich ausgetauscht, werden aber die Entwicklung im Mai abwarten und voraussichtlich im Juni starten. Dabei schauen wir uns auch an, was andere machen. Der Verein hat eine große Verantwortung zu tragen, um die Einhaltung der Regeln gewährleisten zu können.“

Über allem schwebt allerdings die sorgenvolle Frage, wer denn im Fall von eventuell auftretenden Neuinfektionen haftbar gemacht werden könne. Robert Schraudner verweist dazu auf die Zuständigkeiten – angefangen von den staatlichen Stellen über die Vereine und letztlich jeden Einzelnen selbst. „Solange der Verein sich an die Regeln hält und nicht bewusst gegen die Auflagen verstößt, sehe ich keine Probleme auf die Klubs zukommen“, sagt der BFV-Vizepräsident. Da sei jeder Teilnehmer selber in der Verantwortung, vor allem bei Husten, Fieber, Atemnot und anderen Erkältungssymptomen bei sich oder einer anderen Person aus dem eigenen Haushalt daheim zu bleiben.

Was ist, wenn Neuinfektionen auftreten?

Falls allen Maßnahmen im Alltag und auf den Sportplätzen zum Trotz dennoch Neuinfektionen auftreten sollten, sind die Vereine zum Führen von Anwesenheitslisten verpflichtet, um dann behördlich etwaige Infektionsketten besser nachverfolgen zu können. Den Kommunen wird dafür ein Ansprechpartner – ein „Hygienebeauftragter“ – benannt. Diese Person sorgt für den korrekten Umgang mit allen Regeln, wozu auch das Vermeiden „jeglicher Begrüßungsrituale“ und von gemeinsamem Torjubel gehört. Wie schwer das erwachsenen Menschen fallen kann, zeigte das im Internet kursierende Video eines nunmehr ehemaligen, da deshalb suspendierten, Berliner Profifußballers.

Johannes Pollhammer (26), Spieler und Jugendtrainer beim TSV Moosburg: „Langsam, aber sicher und mit Bedacht wieder zu beginnen, halte ich für eine gute Sache. Ein komplettes Mannschaftstraining ist natürlich unrealistisch. Beim TSV wird an einem Plan gearbeitet, dass unter Beachtung aller Auflagen bald in Kleingruppen trainiert werden kann.“

Eine noch größere Herausforderung stellt laut Fußball-Verband das Einhalten der Abstands- und Hygieneregeln für die jüngsten und jüngeren Fußballer dar. Daher rät der BFV zu einem späteren Beginn für alle Kleinfeldteams und setzt dabei voraus, dass zunächst über Schule, Kindergarten oder Kita Erfahrungen im ungewohnten Umgang gesammelt werden. Klar scharren speziell die Nachwuchskicker vielerorts mit den Hufen und wollen zurück auf den Platz, doch etwas Geduld wird noch vonnöten sein.

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