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Neuer Club, neues Glück: Michael Eberwein (r.) – aufgewachsen in Dellnhausen – kam beim Drittligisten Hallescher FC bisher in 21 von 22 Saisonspielen zum Einsatz. Allein seine Trefferquote ist noch ausbaufähig.

Fußball

Fußballprofi Michael Eberwein: Der Spaß steht immer noch an erster Stelle

  • vonMatthias Spanrad
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Michael Eberwein hat nach einigen Rückschritten nun beim Halleschen FC in der 3. Liga sein Glück gefunden. Und der 24-jährige Fußballer hat noch eine Menge vor.

Landkreis – Es war auch für Michael Eberwein ein bisserl ein besonderer Moment. Und natürlich hat sich der 24-Jährige, eigentlich Stürmer beim Halleschen FC, das Ereignis nicht entgehen lassen: Mitte Januar hatte der Fußballclub Holstein Kiel das Unmögliche möglich gemacht und den großen FC Bayern München, den Deutschen Rekordmeister, DFB-Pokal-Rekordsieger und amtierenden Champions-League-Titelträger, aus dem DFB-Pokal gekickt. Für Michael Eberwein war das aus einem bestimmten Grund eine besondere Geschichte: Wenn nämlich alles ein wenig anders gekommen wäre, wäre der 24-Jährige ein Teil dieser vogelwilden Truppe gewesen, die dem FCB Paroli geboten und für die größte Sensation in der jüngeren deutschen Fußballhistorie gesorgt hat. Die Vita von Michael Eberwein, der in Dellnhausen in der Hallertau aufgewachsen ist, zeigt aber: Wenig ist im Leben planbar, noch weniger vielleicht die Karriere eines Fußballers.

Vom SE Freising zum FC Bayern München

Zunächst klingt diese Geschichte fast nach einer Blaupause für all die Hoffnungen junger Burschen von einem Leben als Profi, verbunden mit dem Ziel, eines Tages mit dem Fußball Geld zu verdienen. Wochenende für Wochenende vor tausenden frenetischen Zuschauern zu spielen, das Trikot eines großen Clubs zu tragen. Bei Michael Eberwein begann die Karriere so, wie sie heute für viele talentierte Kicker vorgeplant wird: Mit gerade mal 13 Jahren wechselte der Hallertauer, der zunächst beim SV Oberhaindlfing gespielt hatte, vom SE Freising zu eben jenem FC Bayern München. Von da an durchlief Michael Eberwein alle weiteren Jugendteams an der Säbener Straße. Er stieg auf zum Junioren-Bundesliga-Spieler, trug sich in der Saison 2014/15 etwa ganze 13 Mal als Torschütze ein. Recht viel mehr kann man als A-Jugendspieler fast nicht erreichen.

Hoffnungsvolles Talent: Michael Eberwein (l.) wechselte mit 13 Jahren in die Jugend des FC Bayern. Dieses Bild entstand 2009 beim Karibik-Cup in Freising.

Irgendwann kam allerdings der Punkt, an dem es galt, Entscheidungen zu treffen. Viele junge Kicker träumen natürlich davon, sich beim FC Bayern durchzusetzen, der neue Bastian Schweinsteiger oder Thomas Müller zu werden. Michael Eberwein war nah dran am Profikader der Bayern – er durfte im Winter 2014/15 sogar mit dem Team von Trainer Pep Guardiola nach Doha ins Trainingslager. Klar, er hätte nicht Nein gesagt, wenn die Karriere in München weitergegangen wäre.

Wechsel ins „Feindesland“

Sein Weg war aber ein anderer. Es wurde ihm signalisiert, dass es wohl eher nur für die Amateure, damals in der Regionalliga zu Hause, reichen würde. Also packte Eberwein seine Siebensachen – und zog ins Ruhrgebiet, ins Feindesland der bajuwarischen Fußballfans. Der 18-Jährige heuerte bei Borussia Dortmund an, unterschrieb bei der Zweiten Mannschaft, die in der Regionalliga spielte. Und es klingt, als hätte der heute 24-Jährige diesen Schritt nicht bereut. „Für meine Entwicklung war das sehr gut“, sagt Eberwein. „Es war wichtig, wegzukommen von zu Hause, auf eigenen Beinen zu stehen.“ Sowieso scheint er mit sich im Reinen zu sein, mit seinem Weg, mit seinem bisher Erreichten – oder dem nicht Erreichten. Aber dazu später mehr.

Wie war es denn nun, das zu erleben, was viele junge Talente gerne erleben würden? Dass er in seiner Jugendzeit auf vieles verzichten musste, fast alles dem Fußball unterordnete, täglich zum Training nach München fuhr und quer durch die Republik zu den Spielen? Dass er viel Aufwand betrieb, um es bei den Bayern zu schaffen? „Bereut habe ich das nicht“, sagt Michael Eberwein. Er habe sich ja trotzdem mit Spezln treffen können – doch das Weggehen am Wochenende und exzessive Feiern, „das war nie etwas, das ich gebraucht habe“. Also: Fußball, Fußball, Fußball.

Viel Spaß, aber keinerlei Druck

Und doch, schiebt Michael Eberwein hinterher, sei sein Antrieb nicht der vieler anderer gewesen. Klar, den Traum vom Profifußballer träumte auch der kleine Michael immer wieder, etwa, als er mit dem FCB bei einem Jugendturnier in Freising zu Gast war, auch später, als es in der Junioren-Bundesliga hoch herging. Der Erfolg war für Eberwein aber nie das oberste Ziel. „Es war nie der Druck da“, erinnert sich der 24-Jährige. „Auch von zu Hause nicht.“ Papa Michael Eberwein ist ein leidenschaftlicher und bekannter Musiker, auch er und sein Bruder Maximilian spielten am Anfang ein Instrument. Michael entschied sich jedoch für den Fußball, investierte alles, vor allem Zeit und Leidenschaft. Es war vor allem der Spaß an dieser Sportart. Und er sagt: „Das alles macht keinen Sinn, wenn man nur das Geld vor Augen hat, es aber nicht wirklich will.“ Das wären Tipps, die Michael Eberwein manchem Nachwuchstalent heute durchaus mit auf den Weg geben würde.

Eine Verletzung verändert vieles

Was Michael Eberwein in seiner Karriere hingegen bereits erfahren musste, ist, dass es nicht immer nur steil bergauf geht. Die ersten beiden Jahre in Dortmund waren noch mehr als erfolgreich, er kam in der Zweiten Mannschaft jeweils auf mehr als 30 Saisoneinsätze, schoss 14 respektive zwölf Tore, durfte immer wieder bei der Bundesliga-Truppe mittrainieren. Im dritten Jahr zog sich Eberwein dann aber eine schwerere Knöchelverletzung zu und kam, als der Vertrag beim BVB auslief, nicht mehr richtig in Tritt. Zudem: Er, der Stürmer mit einem Gardemaß von 1,92 Metern, wollte sich nach drei Regionalliga-Jahren höherklassiger versuchen. Der Kontakt zum damaligen Drittligisten Fortuna Köln kam schnell zustande, und der Trainer, Uwe Koschinat, „wollte mich unbedingt haben“.

Große Ehre für einen jungen Kicker: Im Januar 2015 durfte Michael Eberwein (2. v. r.) als A-Junior – hier mit seinen Kollegen Leopold Zingerle, Marco Hingerl und Gianluca Gaudino (v. l.) – mit den Bayern-Profis um Coach Pep Guardiola mit ins Trainingslager in Doha.

Schwere Zeit beim Bayern-Pokalschreck

Doch in Köln fehlte ihm das Glück. Eberwein stand zwar in 34 Partien auf dem Rasen, am Ende stieg die Fortuna aber in die Regionalliga ab. Wiederum musste sich Eberwein neu orientieren – und landete schließlich im Juli 2019 beim Zweitligisten und Bayern-Pokalschreck Holstein Kiel. „Persönlich lief es für mich dort aber nicht gut“, resümiert Michael Eberwein sein erstes – und bisher einziges – Jahr in der 2. Bundesliga. Lediglich 27 Spielminuten in zwei Partien konnte der Stürmer bei den Störchen verbuchen, saß meist nur auf der Bank oder auf der Tribüne.

Ob das der erste echte Rückschritt in seiner noch jungen Kariere war? Eberwein überlegt lange – von Verdruss ist aber wenig zu spüren. „Natürlich bist du enttäuscht, wenn du in der 2. Liga nicht drankommst.“ Aber er scheint mit solchen Rückschlägen umgehen zu können. Das gelingt nicht jedem in jungen Jahren. Sinan Kurt etwa, einer seiner Kollegen in der U 19, wurde schnell hochgelobt und spielt nach einer regelrechten Odyssee mittlerweile in der Slowakei. „Man muss sich darauf einstellen, dass es nicht nur bergauf geht“, sagt Eberwein. Und auch lernen, damit umzugehen, an sich glauben und immer weiterarbeiten. In dem Wissen, dass nach dem Regen irgendwann wieder die Sonne kommt.

Aktivposten beim Halleschen FC

Die ist für Michael Eberwein nun der Drittliga-Club Hallescher FC, zu dem er im vergangenen September gewechselt ist. Auch das war für den gebürtigen Hallertauer wieder Neuland. „Das erste Mal ging’s in den Osten, ich habe es mir schlimmer vorgestellt.“ Ein wenig muss der 24-Jährige da selbst schmunzeln. Ganz im Gegenteil, beim Halleschen FC scheint er richtig angekommen zu sein. Von den 22 bisherigen Partien bestritt der Stürmer 21. Von seinen drei Toren gelang ihm ausgerechnet bei Türkgücü München eines – in der alten Heimat, im Olympiastadion.

„Im Endeffekt geht es für einen jungen Fußballer darum zu spielen“, weiß Eberwein. „Teamkollegen, Trainer – hier bin ich jetzt viel mehr integriert.“ Freundin Theresa ist ebenfalls mit nach Halle gekommen, auch ein Umstand, der die Eingewöhnung im neuen Umfeld erleichtert. Bei den TV-Übertragungen der 3. Liga bekommt er viel Lob, ist einer der Aktivposten beim HFC in der Offensive, scheint gesetzt im Team von Trainer Florian Schnorrenberg.

Studium neben dem Profifußball

Wie es weitergeht? Da hat Michael Eberwein keinen fixen Karriereplan. Um sich ein zweites Standbein zu schaffen, auch als Absicherung, hat er natürlich das Abitur abgelegt – „das war Pflicht“. Aktuell absolviert der 24-Jährige nebenher ein Sportmanagement-Studium, „aber das dauert bei mir etwas länger als bei normalen Studenten“, erklärt Eberwein fast schon entschuldigend. Ansonsten liegt der Fokus freilich weiterhin auf der Fußballkarriere. „Das erste halbe Jahr in Halle war okay, aber es ist schon noch mehr drin.“ Immerhin war er mehr als ein Jahr, wenn man so will, fast komplett raus, in Kiel fehlte ihm die Spielpraxis. „Klar muss ich an den Toren noch arbeiten.“ Drei Treffer sind’s aktuell, da soll noch mehr kommen.

Ansonsten läuft es für sein Team, als Tabellenzehnter mit 31 Zählern hat der HFC genug Abstand zu den Abstiegsplätzen. „Natürlich träumt der Verein auch vom Aufstieg“, betont Eberwein. Und eines ist für ihn klar: Er möchte sich irgendwann mindestens noch in der 2. Bundesliga beweisen. „Wenn ich das nicht wollen würde, wäre ich wohl falsch hier.“

Eberwein genießt jeden Augenblick

Ansonsten genießt Michael Eberwein jeden Augenblick, den er im Profi-Zirkus erleben darf. Wenn irgendwann wieder tausende Fans in den Stadien sein werden, wenn er in der Sportschau zu sehen ist. „Das ist schon cool, wenn man sich da dann laufen sieht und sogar noch ein Tor schießt.“ Dennoch ist er kein typischer Fußballer aus der Glitzerwelt des Profisports. „In der 3. Liga verdient man auch nicht unmenschlich viel“, zeigt Eberwein auf. „Ausgesorgt hast du hinterher nicht.“ Darum geht es und ging es ihm nie. Vielmehr hat er sich einen Traum verwirklicht. Und nie den Spaß am Spiel verloren. Rückschritte hin oder her.

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