Lorenz Hecher (hintere Reihe, l.) auf dem Mannschaftsfoto der SpVgg Freising aus der Saison 1980/81.
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Die letzten Jahre seiner aktiven Laufbahn rang der Giggenhausener Lorenz Hecher (hintere Reihe, l.) für die SpVgg Freising – das Mannschaftsfoto stammt aus der Saison 1980/81.

FT-Serie „Was macht eigentlich...?“

Lorenz Hecher: Eine Ringer-Karriere voller kolossaler Höhepunkte

Er fuhr zu Olympia und zur WM: Lorenz Hecher hat in seiner Ringerkarriere viel erreicht. Einen seiner schönsten Siege feierte er aber gegen seinen Heimatverein.

Giggenhausen – Er war ein Kraftpaket und ein Griechisch-Römisch-Spezialist, der in seiner aktiven Zeit zwölf Jahre in der Ringer-Bundesliga auflief und in den schweren Kategorien für den SV Siegfried Hallbergmoos, den ASV Schorndorf sowie die SpVgg Freising auf Punktejagd ging: Lorenz Hecher (74) brachte in seiner Glanzzeit stattliche 110 Kilo Kampfgewicht bei einer Körpergröße von 1,83 Meter auf die Waage – und schaffte es 1972 sogar zu Olympia. Heute hat sich der Giggenhausener zwei nicht weniger erfüllenden Hobbys verschrieben.

Der Lenz, wie er genannt wird, begann seine Laufbahn relativ spät – erst mit 17 Jahren. Damals nahm ihn sein älterer Bruder Alfons, der bereits beim SV Siegfried angeheuert hatte, ins Training mit. Lorenz Hecher erinnert sich noch gut: „Am liebsten lief ich mit meinem Bruder die 5000 Meter, dadurch holte ich mir die nötige Kondition.“

Kraftpakete unter sich: Im DM-Endkampf 1974 verlor Hecher (l.) gegen Wilfried Dietrich.

Bis 1971 ging Lorenz für den damaligen Bundesligisten aus Hallbergmoos auf die Matte, bevor er mit 25 zum ASV Schorndorf ging, mit dem er auch Deutscher Meister wurde. Den Wechsel habe er nie bereut: „Alfons und ich haben damals den SV Siegfried verlassen, weil der Club fünfmal pro Woche Trainingseinheiten abhielt, uns jedoch dafür keine Entschädigung anbot. Da kam uns das Angebot des ASV gerade recht. Ich habe mich in Schorndorf so wohlgefühlt, dass ich dem Verein fünf Jahre die Treue hielt. Es war eine sehr schöne Zeit.“ Als 30-Jähriger schloss er sich der SpVgg Freising an, bei der er dann seine Karriere beendete. Damit nicht genug: Lorenz war fünf Jahre lang bei der Sportvereinigung Trainer für den klassischen Stil und anschließend noch drei Jahre für beide Stilarten.

DM-Finalsieg gegen Bruder Alfons

Nicht zu vergessen die vielen Erfolge, die er in seiner aktiven Laufbahn gefeiert hat: Im Jahr 1967 wurde er Deutscher Juniorenmeister im Halbschwergewicht. 1971 gewann Lorenz Hecher erstmals den DM-Titel im Männerbereich – interessanterweise vor seinem älteren Bruder Alfons, den er im Finale nach Punkten besiegte. Zwei Jahre später wurde er nationaler Champion vor Pedro Pawlidis aus Aalen, und 1975 holte er den Titel durch den Sieg im Endkampf gegen den Bad Reichenhaller Richard Wolff. Im Jahr davor hatte es nur zu Silber gereicht – Hecher unterlag im Finale gegen Ringerlegende Wilfried Dietrich aus Schifferstadt.

Erfolgreiche Brüder: Lorenz (l.) und Alfons Hecher 1972 bei Olympia in München. Das Bild entstand im Olympiadorf.

Seinen schönsten Erfolg in der Bundesliga erlebte er gegen Josef Gammel vom Heimatverein SV Siegfried Hallbergmoos: „Ich trat für die SpVgg Freising an und schulterte den um rund 40 Kilo gewichtigeren Hallbergmooser mit einem Kopfhüftschwung. Da brauchst du natürlich Dusel und musst deinen Gegner gleich am Anfang des Kampfs, wenn er noch nicht schwitzt, erwischen – sonst rutscht du am Körper so eines 150-Kilo-Kolosses ab und kannst den Griff nicht mehr ziehen“, erzählt Hecher. „Wir gewannen damals die Begegnung übrigens sensationell mit 32:8 – es war die höchste Saisonniederlage des SV Siegfried.“

WM-Fünfter und Olympia-Elfter

Die absoluten Höhepunkte seiner Ringer-Karriere erlebte der heute 74-Jährige allerdings auf internationalem Parkett: 1972 startete er bei den Olympischen Spielen in München – er landete auf Rang elf – und zwei Jahre später bei der WM im polnischen Kattowitz, wo er den fünften Platz ergatterte. „Dort durfte ich am letzten Wettkampftag die deutsche Fahne in das mit über 10 000 Fans gefüllte Stadion tragen. Angesichts dieser gewaltigen Kulisse bekam ich ganz schön weiche Knie. Ich war aber sehr stolz.“

Schon zahlreiche Preise haben der 74-Jährige und sein Sohn Harald mit dem Brieftaubensport gewonnen.

Hecher, der sich in der Nationalmannschaft für den klassischen Stil entschied, da hier nur eine Stilart erlaubt war, wurde noch eine weitere große Ehre zuteil: Nachdem er über 25 Kämpfe für die Nationalmannschaft bestritten hatte, bekam er die Silberne Ehrennadel des Deutschen Ringer-Bunds (DRB). „So eine Auszeichnung, vergisst man sein Leben nicht mehr.“ Dennoch geht ihm der Ringersport heute nicht ab: „Ich habe schon 25 Jahre lang keinen Kampf mehr gesehen, deshalb habe ich auch keinen Kontakt mehr zu meinen früheren Mannschaftskameraden.“ Ein bisschen wehmütig räumt er ein: „Zu unserer Zeit durften in einer Mannschaft nur zwei Ausländer ringen. Dagegen holen die Vereine jetzt von überall nichtdeutsche Ringer, um die Staffeln noch schlagkräftiger zu machen. Dadurch haben die eigenen Talente nur noch geringe Chancen, in der Bundesliga zu ringen. Viele resignieren deshalb und kehren dem Ringkampfsport den Rücken – das finde ich wirklich schade.“

Leidenschaftlicher Jäger: Lorenz Hecher, hier mit Sohnemann Harald, der von klein auf immer mit dabei war.

Zu seinem Lebenslauf: Lorenz Hecher ist ein gebürtiger Giggenhausener. Er besuchte die Volksschule in seinem Heimatort und danach die landwirtschaftliche Berufsschule in Freising. 1970 heiratete er in der Kirche St. Stephanus in Giggenhausen seine Frau Hildegard. Das Ehepaar, das im vergangenen Jahr die Goldene Hochzeit feierte, hat zwei Buben, Herbert und Harald. Besonders stolz ist Lorenz Hecher auch auf seine drei Enkelkinder Florian, Daniel und Fabian und natürlich darauf, dass die ganze Familie so gut zusammenhält. Im Jahr 1970 übernahm der Lenz den elterlichen Bauernhof und war bis 1995 Schweinezüchter, bevor er sich einen Getränkemarkt aufbaute, den er inzwischen an seinen Sohn Harald weitergegeben hat.

Brieftaubenzüchter und Jäger

Heute hält sich Lorenz Hecher mit Radfahren fit – und darüber hinaus hat er zwei erfüllende Hobbys: Er züchtet Brieftauben, was ihm sehr viel Spaß macht – zumal er zahlreiche Preise mit seinen Tieren gewinnen konnte. Er ist aber auch begeisterter Jäger. „Die Liebe zur Jagd habe ich von meinem Großvater geerbt“, erzählt der 74-Jährige, der seit 16 Jahren Jagdpächter im Bereich Giggenhausen-Nord ist. „Das Wichtigste ist dabei, dass man ein Auge für das Ganze hat, in erster Linie für die Hege und Pflege des Wildes.“ Dass er dieses Hobby mit seinem Sohn Harald, der ebenfalls Jäger ist, gemeinsam genießen kann, bereitet dem ehemaligen Weltklasse-Ringer natürlich ganz besondere Freude.

Anton Schweißgut

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