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Bruchtest: Auch solche spektakulären Aktionen demonstrieren die Taekwondo-Kämpfer immer wieder. Joachim Veh (7. DAN) „bewältigt“ den Ziegel, den TKD-Trainer Max Heimbeck (4. DAN) hält. Geschehen bei der 25-Jahr-Feier der TKD-Abteilung des SV Langenbach im Jahr 2012 in der Albinhalle in Moosburg.

SV Langenbach

Großmeister Joachim Veh: Der Mann, der Taekwondo nach Langenbach brachte

  • Margit Conrad
    vonMargit Conrad
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Als Joachim Veh vor 30 Jahren nach Langenbach gekommen ist, brachte er mit Taekwondo eine fernöstliche Sportart mit und machte sie beim heimischen Sportverein salonfähig. Mehr noch: Nach wie vor leitet Veh, der am heutigen Samstag seinen 58. Geburtstag feiern kann, die SVL-Taekwondo-Abteilung. Und das, obwohl er längst wieder im 145 Kilometer weit entfernten Lauingen wohnt.

Langenbach/Lauingen – Es war in den 1970er Jahren. Damals kämpfte sich David Carradine in der TV-Serie „Kungfu“ durch die heimischen Wohnzimmer und faszinierte viele mit dieser spektakulären fernöstlichen Kampfkunst, die so ganz anders war als das bisher Bekannte. Auch Joachim Veh aus Lauingen.

Es war wohl eine glückliche Fügung, dass beim dortigen Turnverein auch Taekwondo (TKD) angeboten wurde. Zuvor hatte Veh beim TV drei Jahre lang Handball gespielt. Doch schnell merkte der damals 16-Jährige, dass Taekwondo mehr war als nur die in der Außenwirkung wahrgenommene Kampfsportart.

Schattenkampf: Anlässlich des 20. Geburtstags der Taekwondo-Abteilung im TV Lauingen – auch sie leitet Veh – geben er und SVL-Trainer Martin Zilger (3. DAN) eine Show im Scheinwerferlicht.

Kurzum: TKD faszinierte ihn. Er wollte mehr darüber wissen und lernen. Von 1976 an nahm er in Lauingen, Burgau, Stuttgart und München Taekwondo-Unterricht bei Jakob Beck, Reinhold Fixle, vor allem aber immer wieder bei Park Soo Nam, dem damaligen Bundestrainer. Dabei erkannte er auch, dass viel innere Bereitschaft und Disziplin notwendig sind, wenn man die eigenen Leistungsgrenzen ausloten oder gar überschreiten will. Diese Einstellung kam ihm auch zugute, als er mit Beginn seines Wehrdienstes 1980 bei der Luftwaffe in Leipheim ein intensives Lauftraining für Langstrecken startete. 1983 etwa absolvierte er sowohl den München- als auch den Berlin-Marathon.

Gleich im Anschluss begann Joachim Veh mit dem Studium fürs Lehramt an beruflichen Schulen für Landwirtschaft, Sozialkunde und Sport an der LMU und TU München, aber auch in Freising. Letzterer Studienort war quasi das Tor zur Geburtsstunde des TKD beim SV Langenbach. „Meine Frau und ich suchten eine günstige Unterkunft in der Nähe des Studienortes. 1987 zogen wir nach Langenbach, im Juni kam der erste Nachwuchs zur Welt.“

Gleichzeitig musste sich Veh auf die deutschen Meisterschaften im Taekwondo vorbereiten. Dies bei schlechtem Wetter im Freien zu tun, gestaltete sich als sehr problematisch und konnte nicht als optimal bezeichnet werden. Deshalb fragte der Neubürger beim damaligen SVL-Vorsitzenden Helmut Lachmann an, ob er die Halle nutzen dürfe. Durfte er, allerdings nicht ohne Gegenleistung: „Du kannst schon in die Halle, aber dann musst du auch für uns was tun“, zeigte sich Lachmann sofort aufgeschlossen für die neue, wenn auch für ihn noch unbekannte Sportart. Und so wurde die TKD-Abteilung in Langenbach ins Leben gerufen, die nunmehr halb so alt ist (30 Jahre) wie der Verein selbst.

Es gibt Mensch, die umgibt eine besondere Aura, und ihnen obliegt die Fähigkeit, andere für ihre Leidenschaft zu gewinnen, zu begeistern. Joachim Veh zählt zweifelsohne zu dieser Spezies. Und so war es auch kein Wunder, dass die TKD-Sparte beim SVL nach knapp vier Jahren mehr als 100 Mitglieder zählte. Veh gibt sich rückblickend trotzdem bescheiden und betont: „Es war nicht allein mein Verdienst.“ Der „große Rückhalt im Verein und überhaupt die positive Resonanz, vor allem auch in der Presse“ seien aus seiner Sicht die Punkte gewesen, die positiv zusammengewirkt hätten.

Die Taekwondo-Jugend schaut zu ihm auf: Joachim Veh im römischen Apollo-Grannus-Tempel zu Faimingen.

Dennoch: Seine vorbildliche Führungsrolle hat den Ausschlag gegeben, dass die Sparte auch nach 30 Jahren noch boomt. Denn: Es mag wohl nicht so häufig vorkommen, wenn es nicht sogar einmalig ist, dass eine Abteilung weiterblüht, obwohl der Chef längst nicht mehr vor Ort ist, sondern an einem 145 Kilometer entfernten Ort wohnt – und das schon seit 25 Jahren. Aber Joachim Veh, der neunmalige Bayerische und zweifache Deutsche TKD-Meister im Bereich Technik, dem im Jahr 2010 der 7. DAN verliehen wurde, hat dafür gesorgt, dass er kompetente Übungsleiter vor Ort hat, die seine Philosophie an Kinder, Jugendliche und auch Erwachsene weitergeben. Viele seiner Schüler hat der 58-Jährige übrigens bis zum Schwarzgurt trainiert.

TKD, so sagt Veh, sei grundsätzlich für jeden geeignet. Er rät: „Einfach mal ausprobieren!“ Er fügt aber auch an: „Die individuelle Leistungsfähigkeit und Leistungsbereitschaft sind ausschlaggebend.“ Mehr noch: Taekwondo ist nicht nur Sport. Es ist eine Kampfkunst und ganz ursprünglich eine Kriegskunst. Wer das erkannt habe, ziehe für sein Leben eine Menge Vorteile daraus: körperliche und mentale Fitness, vernünftiges Selbstbewusstsein. „Taekwondo – vernünftig betrieben – ist ausgesprochen gesund und bereichert das Leben. Obwohl Taekwondo eine Kampfsportart und Kampfkunst ist, erziehen wir unsere Schüler damit, um deeskalierend zu werden.“ Und das sei keine leere Worthülse, betont Joachim Veh und ergänzt: „Kampfsport macht Menschen nachgewiesenermaßen friedlich, ausgeglichen und hilfsbereit. Das belegen viele Beispiele mit TKD im Gefängnis, in Schulen mit schwierigen Schülern oder in Brennpunkt-Ortsteilen.“ Es ist zweifelsohne eine Philosophie, die dahinter steckt.

Und welche Lebenseinstellung hat ein Joachim Veh zu diesem Sport, zu dieser Kampfkunst? TKD – richtig betrieben – forme den Charakter und lasse den Menschen auch reifen. Die Technikübungen und die Körperkontrolle funktionierten nur mit stetiger Disziplin. Sie stehe an vorderster Stelle. Gewaltbereite Menschen so zu schulen, dass sie sich auspowern können, ohne aggressiv zu werden, vor allem auch zu lernen, auf andere Rücksicht zu nehmen – diesen ihren eigenen neuen Weg aufzuzeigen, dafür stehe Taekwondo, schwärmt Veh, der als Oberstudienrat an der Förder-Berufsschule Dürrlauingen unter anderem auch Sportunterricht gibt.

Schon gewusst?

Steckbrief: geboren am 25. November 1959 in Lauingen, verheiratet, zwei erwachsene Kinder.

Sportlicher Werdegang:

1983 bis 1989: stellvertretender Vorsitzender des Taekwondo-Clubs Donau-Lech-Iller e.V.

1985 bis 1989: Mitglied im Vorführungsteam der Deutschen Taekwondo-Union.

1987: Gründung der TKD-Abteilung beim SV Langenbach, dort bis heute Abteilungsleiter.

Von 1985 bis 1995: zwei Mal Deutscher und neun Mal Bayerischer Meister (Technik).

Seit 1990: Überfachliche Trainer-C-Lizenz

1995: Gründung der TKD-Abteilung im TV Lauingen, und dort seither Abteilungsleiter.

Seit 1998: Übungsleiter-A-Lizenz.

2003: Prüfung zum 6. DAN.

Ab 2004: Mitglied der Gesamt-Vorstandschaft im TV Lauingen.

2010: Verleihung des 7. DAN.

Ausrichter etlicher Meisterschaften und DAN-Prüfungen in Lauingen und Langenbach.

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