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Ganz in seinem Element: Sepp Fritsch (vorne) trainierte insgesamt elf Jahre die Bundesliga-Ringer des SV Siegfried Hallbergmoos – dieses Foto stammt aus dem Jahr 1996.

Die Turnhalle war sein zweites Zuhause

„Was macht eigentlich...?“ Für Ringer-Trainer Sepp Fritsch war die Turnhalle das zweite Zuhause

Sein Engagement für den Ringkampfsport zieht sich wie ein roter Faden durch sein bisheriges Leben: Sepp Fritsch (64) war 37 Jahre lang als Aktiver respektive als Trainer sowohl auf als auch neben der Matte sehr erfolgreich.

Hallbergmoos – „Zum Ringen“, erzählt Sepp Fritsch, „hat mich und meine Brüder Manfred und Harry damals mein Cousin Peter Hain gebracht, der lange Vorstand bei der SpVgg Freising war.“ Von 1964 bis 1969 machte er bei der Sportvereinigung die ersten Schritte auf der Matte – doch danach wechselte das Multitalent zum Ringer-Bundesligisten SV Siegfried Hallbergmoos.

Hochkonzentriert auf der Matte: Dieses Bild zeigt Sepp Fritsch (l.) 1980 bei einem Kampf gegen Peter Walz vom KSV Köllerbach.

Fritsch ging immerhin 15 Jahre lang für die Mannschaft aus der Flughafengemeinde in der Bundesliga auf Punktejagd. In seiner aktiven Zeit wurde er nicht weniger als 15 Mal Bayerischer Einzelmeister – und im Nachwuchsbereich glänzte er durch fünf Stockerlplätze bei den nationalen Titelkämpfen. Seinen absoluten Höhepunkt erlebte er im Jahr 1971: Seinerzeit erkämpfte sich Sepp Fritsch im Seniorenbereich die Bronzemedaille bei den deutschen Einzelmeisterschaften.

„Peter Neumair war mein absolutes Vorbild“

Ebenfalls im Jahr 1971 bestritt der heute 64-Jährige seinen ersten und letztlich auch einzigen Länderkampf. Die Staffel des Deutschen Ringer-Bunds (DRB) verlor allerdings gegen die Amerikaner deutlich mit 3,5:7:5. Interessant: Neben Fritsch standen zu dieser Zeit auch die Siegfried-Größen Willi Wohlschläger, Alfons Keller, Albert Baumann und Peter Neumair in der Auswahl des DRB – ein absolutes Novum.

An einen der unzähligen Kämpfe in seiner Laufbahn erinnert sich Sepp Fritsch besonders gut: „Ich habe einmal gegen den amtierenden Olympia-Sieger Pasquale Passarelli lediglich mit 9:20 verloren – der hat mich wohl geschont. Mein absolutes Vorbild war allerdings Peter Neumair, der sich nach dem Training immer noch weiter geschunden und mir gezeigt hat, wie belastbar ein menschlicher Körper wirklich sein kann.“ Und mit Stolz fügt Fritsch hinzu: „Dass ich 1981 bei der Sportlerehrung des Münchner Merkur den tollen zweiten Platz hinter Rallyefahrer Erwin Weber erreicht habe, freut mich heute noch sehr.“

Erfolgreicher Trainer, bekannter Name

Auch als Trainer war Sepp Fritsch sehr erfolgreich und machte sich in ganz Deutschland einen guten Namen. Mit einigen Unterbrechungen war er elf Jahre Bundesliga-Trainer des SV Siegfried Hallbergmoos. Sehr gute freundschaftliche Kontakte unterhält er noch heute mit den damaligen Co-Trainern Christian Edfelder, Gustav Dubelowski und Karl Waller. Als Coach stieg er zweimal in die 1. Bundesliga auf und erreichte außerdem dreimal das Halbfinale um die deutsche Mannschaftsmeisterschaft der Ringer.

2006 marschierte der Trainerfuchs mit seinen ehrgeizigen Burschen sogar bis ins DM-Finale, scheiterte dann jedoch am späteren Meister 1. Luckenwalder SC. Gleichwohl war die Vizemeisterschaft der größte Erfolg des SV Siegfried in seiner knapp 100-jährigen Vereinshistorie. Fritsch: „Ich bedanke mich noch mal beim damaligen Vereinschef Sepp Niedermair, der mir eine solche Klassemannschaft zur Verfügung gestellt hat.“

Das ist aber längst nicht alles: Tausendsassa Sepp Fritsch war von 1984 bis 2004 – also 20 Jahre – Landestrainer des Bayerischen Ringer-Verbands (BRV). Dass er 1987 auch noch Bundestrainer des DRB war, rundet die grandiose Bilanz des Ringer-Urgesteins ab.

„Wenn ich einen Kampf anschaue, fühle ich mich immer noch als Trainer“

Auch heute lässt sich Sepp Fritsch, sofern es irgendwie möglich ist, keinen Kampf in Hallbergmoos oder Freising entgehen: „Wenn ich mir einen Kampf anschaue, fühle ich mich immer noch als Trainer und greife verbal ins Geschehen ein“, sagt er grinsend. Der 64-Jährige ist außerdem ein großer Fan von Welt- und Europameisterschaften sowie Olympischen Spielen und besucht, wenn es geht, meistens mit ein paar Freunden die Wettbewerbe.

Aber er führt natürlich auch ein Leben abseits des Ringer-Sports. In seiner Kindheit ging er in die Volksschule in Lerchenfeld, ehe er das Josef-Hofmiller- und danach das Camerloher-Gymnasium besuchte, bei dem es Sport als Leistungskurs gab. Nach dem Abitur 1976 war für ihn klar, dass er den Beruf des Lehrers ergreif

Lehrer war sein Traumberuf: Der 64-Jährige blickt auf spannende Jahre zurück.

en will. Die Ausbildung zum Volksschullehrer führte ihn über Ingolstadt, Moosburg und Eching nach Neufahrn, wo er die 7., 8., und 9. Klassen unterrichtete. In Hallbergmoos lehrte er bis zu seiner Pensionierung 34 Jahre lang stets die 5. und 6. Klasse.

„Für eine andere Aufgabe wäre ich nicht geeignet gewesen“

Fritsch erinnert sich gerne an eine Anekdote aus seiner Zeit als Lehrer: „In Hallbergmoos haben die Schüler einmal gegrinst, als sie mich sahen – ich konnte mir jedoch nicht erklären, warum. Aber dann hat mich ein Schüler aufgeklärt und mir gesagt, dass ich mein Hosentürl offen habe – die ganze Klasse hat schallend gelacht. Das ist mir danach nie wieder passiert.“

Abschließend sagt Fritsch: „Lehrer, das war wirklich mein Traumberuf, denn ich wäre für eine andere Aufgabe wohl nicht geeignet gewesen.“ Seit Juli 2019 ist er nun Pensionist – seitdem hat er seine sportlichen Aktivitäten zurückgeschraubt. „Ich habe als Lehrer den Schülern sowohl am Barren als auch am Reck jahrelang alle Übungen vorgeturnt – deshalb bin ich jetzt richtig trainingsfaul geworden. Durch das Ringen und meinen Beruf bin ich so oft in den Turnhallen gewesen, dass ich heute viel lieber in die Berge oder in den Biergarten gehe.“ Das hat er sich auch verdient. Anton Schweißgut

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