Beim „25-Jährigen“ in Arpajon: (v.l.) Der Arpajoner „Alt-OB“ Monsieur Hervé, der 1991 zusammen mit seinem Freisinger Kollegen Dr. Schäfer die Partnerschaftsurkunde unterzeichnet hatte, Christa Weinzierl, Helmut Weinzierl und Alt-Oberbürgermeister Dieter Thalhammer.

Sportreferent Helmut Weinzierl im Interview

„Schöne Zeit mit gutem Endspurt“

  • Andreas Beschorner
    vonAndreas Beschorner
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Freising – Urgestein – das ist so schnell gesagt. Doch wenn es tatsächlich auf jemanden zutrifft, dann auf ihn: Helmut Weinzierl. Schier unglaubliche 48 Jahre lang saß der jetzt 80-Jährige im Freisinger Stadtrat – als tapferer Streiter für die SPD und als wackerer Kämpfer für den Sport. Denn 36 Jahre lang war er Sportreferent der Stadt Freising – ein Mann mit einem großen Herzen und stets offenen Ohren für die Vereine und deren Anliegen. Ab Mai 2020 muss der Stadtrat ohne Weinzierl auskommen – und Weinzierl ohne den Stadtrat.

Nach fast einem halben Jahrhundert in der Kommunalpolitik ist in wenigen Tagen Schluss. Sind Sie traurig?

Weinzierl: Wenn man bei etwas mit Herzblut dabei war und dann noch erleben durfte, dass etwas realisiert wird, hinter dem man jahrzehntelang her war, dann fehlt einem das sicherlich. Aber nachdem ich so lange in verschiedenen Bereichen tätig war, tut es auch mal gut, nicht jeden Tag in den Terminkalender schauen zu müssen. Es war eine schöne Zeit mit einem guten Endspurt, als die Eishalle und das Kombibad gebaut wurden. Aber jetzt ist es Zeit, das auch einmal sozusagen von außen zu betrachten.

Was sind die positiven Erlebnisse, die Sie mit Ihrer kommunalpolitischen Tätigkeit verbinden?

Das sind natürlich die beiden Projekte Eishalle und Kombibad. Aber das geht schon zurück bis in das Jahr 1972, als in der Stadt Freising eine starke Entwicklung im Schulbereich eingesetzt hat. Da war als erste Maßnahme, dass man bei der Paul-Gerhardt-Schule eine Doppelturnhalle gebaut hat, dann hat die Realschule eine Doppelturnhalle bekommen, die nächste wurde für das Dom-Gymnasium gebaut, danach wieder eine für das Camerloher-Gymnasium, zuletzt dann noch die Dreifachturnhalle an der Mittelschule in Lerchenfeld. Und ich habe mich von Anfang an reingehängt, dass die neuen Steinparkschulen nicht nur eine Doppelturnhalle bekommen – und zwar unterirdisch, wie das im Gespräch war. Jetzt wird eine Dreifachhalle gebaut, und das freut mich sehr. Jetzt steht halt noch eine Dreifachturnhalle für das Josef-Hofmiller-Gymnasium an und die Turnhalle bei der Schule in Vötting. Ich habe all die Jahre immer darauf gedrängt, dass die Vereine bei der Ausstattung der Turnhallen berücksichtigt werden, dort ihre Sachen lagern können. Und das war wichtig. Denn, wissen Sie, in so einem Stadtrat sitzen nicht viele Sportfachleute.

Und was waren so die negativen Erlebnisse?

Das hakt oft an Kleinigkeiten. Ich habe zum Beispiel die 170 Seiten des Sportentwicklungsplans komplett durchgelesen. Irgendjemand hatte da rausgestrichen, dass die Umkleidekabinen in der Savoyer Au neu gebaut werden sollen. So etwas ärgert mich halt.

Wie sind aus Ihrer Sicht die Vereine in Freising aufgestellt?

Ein Beispiel: Die Freisinger Baseballer wollten beim Sportclub ihr Trainingsgelände einrichten. Ich habe aber angeregt, sie sollten sich besser andere Flächen suchen und deshalb mit dem BC Attaching Kontakt aufnehmen. Und dort sind sie jetzt. Das Beispiel Attaching zeigt außerdem, dass es auch mit dem Überleben von Sportheimen klappt, wenn sich Vereine zusammentun. Andere Vereine haben freilich noch Defizite: In Vötting gehört meiner Meinung nach der nächste Kunstrasenplatz hin. Und ich plädiere stark dafür, dass im Freisinger Norden bei Untergartelshausen ein neues Sportzentrum entsteht. Weil viele Vereine nicht viel Geld haben, sollte die Stadt die Anlagen bauen, die Vereine sollten sich dafür um den Sport kümmern.

Sie haben als Stadtrat und Sportreferent drei Oberbürgermeister erlebt. Wie haben Sie sie erlebt?

Der lockerste von den Dreien war Adolf Schäfer. Ich sage nur: Savoyer Au, wo Schäfer trotz Isarauen gesagt hat „Das machen wir“. Es gab einen guten Draht zur Staatsregierung, sodass man dort trotz Auwald bauen durfte. Schäfer, der ja früher selbst Motocross gefahren ist, war immer für die Belange des Sports zu haben. Dieter Thalhammer hat das ja schon als Fraktionschef der SPD mitgetragen. Als Oberbürgermeister hat er dann als Verwaltungsprofi zunächst einmal geschaut, dass die Unterbringung der Verwaltung passt – ich nenne nur das ehemalige Amtsgerichtsgebäude und das ehemalige Wasserwirtschaftsamt an der Kammergasse. Danach hat Thalhammer dann Luft gesehen, dass man auch für den Sport etwas tut: Dass sich die Stadtwerke um die Bäder kümmern sollen, hat im Endeffekt zum fresch geführt, die Eishalle, die schon 1996 ein großes Thema war, kam noch dazu. Und unter Thalhammer wurde die Freisinger Sportgala mit den Stargästen ins Leben gerufen, eine pfundige Sache. Und Tobias Eschenbacher ist da reingewachsen, hat alles mitgetragen, er zieht voll mit. Die Zusammenarbeit war mit allen drei OB’s unproblematisch.

Sie waren immer und sind noch immer Genosse. Da haben Sie als Stadtrat erleben müssen, wie die SPD-Fraktion in Freising immer kleiner wurde.

Das stimmt, dabei haben sich SPD-Vertreter auch für den Sport immer so sehr reingehängt – von Thalhammer über Otto Gmeiner bis hin zu Peter Warlimont. Die Verluste der SPD hängen schon mit der Flughafenproblematik zusammen, da gibt es eben Leute, die würden auch einen Besenstiel wählen, so lange er nur grün ist. Das gilt auch für das Thema Klima. Auch da gibt es eine nicht differenzierende Wählerschar. Für die SPD wird es wichtig sein, nicht nur gute Pläne vorzulegen, sondern sie auch sichtbar und hörbar persönlich zu vertreten. Bis sich da Erfolg abzeichnet und das beim Wähler ankommt, dauert es halt.

Sie haben jetzt viel freie Zeit. Was tun Sie? Wird Ihnen da nicht langweilig, wenn Sie nach fast einem halben Jahrhundert nicht mehr in der Kommunalpolitik tätig sind?

Eines ist sicher: Es wird nicht langweilig. Ich werde Zeit für meine Familie und meine Enkel haben, das macht einen Heidenspaß. Ich kann und werde mit meiner Frau ins fresch gehen, wir werden ohne jede zeitliche Beschränkung Sport machen können – zum Beispiel Nordic Walking. Dann gibt es in Freising eine Mords-Kulturangebot, das wir wahrnehmen werden – von Poetry Slam bis zu Ausstellungen. Endlich haben wir auch Zeit zum Reisen, nach Paris und London beispielsweise. Und dann werde ich künftig ein Buch in die Hand nehmen können, ohne auf die Uhr schauen zu müssen. Und weil ich ein begeisterter Zeitungsleser bin, werde ich es genießen, morgens etwas länger als bisher in die Zeitung schauen zu können.

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