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Problematisches Szenario: Am Beispiel der A-Junioren-Landesliga Nord verdeutlichte Florian Weißmann mögliche Auswirkungen eines vorzeitigen Abbruchs, wenn sportlich Erreichtes mit Auf- und Abstieg berücksichtigt werden soll. Die Ligen müssten größer werden, die Zahl der Spieltage würde steigen – und das wäre terminlich kaum darstellbar.

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Jugendfußball nach Corona: Wie eine Gleichung mit vielen Unbekannten

  • vonJochen Jürgens
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Erste Pflichtspiele sind auch im Jugendfußball frühestens ab dem 1. September möglich. Derweil basteln die BFV-Verantwortlichen bereits an möglichen Szenarien.

Landkreis – Bayern als Vorreiter: Nach dem Beschluss zur Fortführung der weiterhin ausgesetzten Saison im Frauen- und Männerfußball (wir berichteten) stellte sich nun auch der Verbands-Jugendausschuss mit seinem Vorsitzenden Florian Weißmann der Frage, wie es nach der Corona-Krise weitergehen könne. Gleich vier Web-Termine richtete der Bayerische Fußball-Verband (BFV) ein, um dem erwartet hohen Interesse gerecht zu werden. Zum Auftakt am Freitagabend vermeldete Weißmann „ausgebucht“ – fast 1000 Zuhörer lauschten den Ausführungen.

Tatsache ist: Analog zum Erwachsenenbereich wird es auch beim Nachwuchs kein Pflichtspiel vor – frühestens – dem 1. September geben. Einhergehend mit den weiterhin geschlossenen Sportanlagen, der heute beginnenden Maskenpflicht in Bussen und Bahnen sowie beim Einkaufen und der geltenden Regelungen zu Ausgangsbeschränkungen: Der vom BFV angepeilte „Zielwert 1. September“ zur Wiederaufnahme des Spielbetriebs könnte noch nach hinten korrigiert werden müssen. Dazu gelte es zu bedenken, dass auf den Fußballplätzen zum Zeitpunkt möglicher Lockerungen nicht in voller Mannschaftsstärke trainiert werden könne. Denn aus den eigenen Reihen ließen sich Kontaktketten im Falle eventueller Neuinfektionen wohl leichter nachvollziehen und sogar eingrenzen, was bei Spielen oder gar Sommerturnieren kaum funktioniere.

Mehrere Szenarien in Planung

Doch während sich die BFV-Verantwortlichen für endgültige Terminfindungen bis zu den entsprechenden Vorgaben der Regierung und Behörden gedulden müssen, planen Florian Weißmann und sein Team bereits mögliche Szenarien. „Bei einem Abbruch der Saison würden nur die Gruppenspielklassen auf unterster Ebene keine Auswirkungen spüren“, betonte Weißmann, „weil es da ja keine Absteiger gibt“.

Alle anderen Leistungsebenen im aufstiegsberechtigten Bereich hingegen bekämen Probleme bei sämtlichen Detailfragen zu rechtsgültigen Auf- und Abstiegsregelungen, Relegationsrängen sowie, daraus resultierend, gegebenenfalls auch bei den nachfolgenden Ligagrößen, wenn es beispielsweise keine sportlichen Absteiger gäbe. Weißmann verdeutlichte, dass in diesem Fall „mehr Spieltage in gleicher Zeit“ stattfinden müssten, was zu im Jugendfußball ungeliebten Englischen Wochen oder zu zusätzlichen Ansetzungen in den Ferien führe. Zudem könne man eine eventuelle Rückkehr der Pandemie ja nicht ausschließen. „Vielleicht sitzen wir dann in einem Jahr wieder alle hier und brechen im schlimmsten Fall die zweite Saison ab“, so seine Befürchtung.

Was wird aus den A-Jugendlichen?

Aber auch die Fortführung mit den bestehenden Jahrgängen und Teams berge Herausforderungen: Bereits in Planung befinde sich eine Sonderregelung zum Schutz der A-Jugend-Mannschaften, weil ab September zirka 70 Prozent der Fußballer des jüngeren U19-Jahrgangs für den Herrenbereich spielberechtigt wären. Im Fall einer notwendigen Verlängerung der gerade ruhenden Saison bis ins Kalenderjahr 2021 hinein würden übrigens auch B-Junioren ihren 18. Geburtstag erreichen. „Da gäbe es aber kein Sonderspielrecht in Herrenteams“, schloss Weißmann das Mitwirken B-Jugendlicher im Erwachsenenbereich aus.

Beim sensiblen Thema Vereinswechsel wurde zum Schutz der Vereine bereits entschieden, dass durch den ausgesetzten Spielbetrieb die „Sechs-Monate-Regelung“ nicht greift und die Berechnung der Frist um den Pandemie-Zeitraum verlängert wird. Überprüft werden soll in dieser Sondersituation der Wartefristwegfall bei Zustimmung des abgebenden Klubs. Bestehende Zusatz- und Zweitspielrechte behielten ihre Gültigkeit bis zum neuen Saisonende.

Lage im Kleinfeldbereich deutlich entspannter

Im „nichtaufstiegsberechtigten“ Spielbetrieb – speziell also im Kleinfeld – stelle sich die Lage deutlich entspannter dar: „Spontane Spielrunden“ und Wettbewerbe wie etwa der Kaufland Soccer Cup bei den E-Jugendlichen seien „jederzeit durchführbar“, sobald die Rahmenbedingungen es zuließen. Pokalwettbewerbe und auch die Hallenmeisterschaften hingegen wären erst einmal außen vor.

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