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Eine der ersten Gratulantinnen: Hündin „Happy“ musste sich offenbar beim Gedanken, was der Sohn ihres Frauchens gerade geleistet hatte, erstmal kräftig schütteln. Zuvor hatte sie Niklas fürsorglich die Wange geleckt.

Besonderes Geschenk zum Geburtstag

„Gehöre wieder zu den Lebenden“: Niklas Ludwig (18) fasst nach Ironman schon nächste Ziele ins Auge 

  • Michael Leitner
    vonMichael Leitner
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Es ist vollbracht: Nach 9:11:29 Stunden hat Niklas Ludwig sein Ziel erreicht und einen Ironman quer durch den Kreis Freising gefinisht. „Ich bin komplett überwältigt“, sagt der 18-Jährige.

Freising/Kirchdorf – Es war ein Moment der großen Emotionen, ein Mix aus vollkommener Glückseligkeit, unbändigem Stolz und grenzenloser Erleichterung: Niklas Ludwig läuft über die Ziellinie an der Stoibermühle, sackt auf dem Handtuch zusammen, das seine Liebsten für ihn ausgebreitet haben, und reckt seine Arme in die Höhe. Die Kraft, die verschwitzten Hände zu Siegerfäusten zu ballen, die hat er nicht mehr. Um ihn herum stehen Dutzende Menschen. Familienmitglieder und Freunde, Vereinskollegen vom TSV Jahn Freising. Was sie sehen, ist ein junger Mann, der über die Grenzen der Belastbarkeit hinausgegangen – und an seinem 18. Geburtstag zum Ironman aufgestiegen ist. Viele haben Tränen in den Augen.

„Das war ein wahnsinnig toller Empfang“

„Ich habe das alles um mich herum schon noch mitbekommen“, erzählt Niklas Ludwig einen Tag nach seinem „Ironman Stoibermühle“. „Ja, meine Leute haben ein Geburtstagsständchen für mich angestimmt, und sie haben alle geklatscht. Das war wirklich ein wahnsinnig toller Empfang.“

Der Moment des persönlichen Triumphs: Niklas Ludwig läuft am Sonntagnachmittag nach 9:11:29 Stunden völlig entkräftet ins Ziel.

Alles war angerichtet für die große Geburtstagsparty. Seine Familie hatte aus kleinen Kuchenstücken das Wort „Ironman“ geformt und Glitzerkonfetti auf dem Handtuch verteilt. Lauter bunte Sternchen – für ihren jungen Star. Lange dauerte die Fete jedoch nicht. Nach 3,8 Kilometern Schwimmen, 180 Kilometern Radfahren und 42,195 Kilometern Laufen war Geburtstagskind Niklas „nur noch müde“. Aber glücklich. Denn wenige Minuten nach der Zielankunft hatte der Kirchdorfer Nachwuchstriathlet realisiert, was er da vollbracht hatte: Seine Nettozeit betrug 9:11:29 Stunden – damit hatte er seine Vorgabe von 9:30 Stunden überdeutlich übertroffen.Sein Traum, der jüngste Ironman in unter zehn Stunden zu werden, war Wirklichkeit geworden.

„Ich fühle mich super“

Dass er es schaffen würde, hat sich bereits einen halben Tag vorher angedeutet. „Ich fühle mich super – wird Zeit, dass es endlich losgeht“, sagt Niklas ein paar Minuten vor seinem Start am Badesee Stoibermühle. „Vor meinem Testwettkampf war ich deutlich nervöser, jetzt freue ich mich, dass es so weit ist.“ Die Stimmung ist gelöst. Keine Spur von Anspannung. „Er hat sich eigenständig zwei Jahre lang auf diesen einen Tag vorbereitet. Ich bin stolz auf ihn und weiß, dass er das packt“, betont sein Vater Dirk (49).

Treuer Begleiter auf den letzten elf Kilometern: Papa Dirk Ludwig (l.) und Niklas kurz vor der Ankunft am Badesee Stoibermühle.

Am Anfang lief alles glatt. Um Punkt sieben Uhr stürzte sich Niklas ins kühle Nass des Stoibermühlsees – begleitet von drei Sportlern und Trainingspartnern und von Mama Irene (46) im Schlauchboot. Schon eine Stunde später hatte er die erste Disziplin hinter sich gebracht. „Beim Schwimmen bin ich genau in meinem Zeitplan geblieben“, sagt Niklas. „Die erste Runde bin ich recht entspannt angegangen, die zweite, dritte und vierte dann etwas schneller.“

Beim Radfahren ließ Niklas seinen Begleiter hinter sich

Schnell – das war das Motto für die 180 Kilometer auf dem Triathlon-Rad. Niklas konnte von Beginn an eine hohe Pace setzen. Nach 45 Kilometern hatte er sogar seinen Begleiter David Dudek – immerhin ein ehemaliger Profi-Radsportler aus Nordrhein-Westfalen – abgehängt. „Ich habe mich umgedreht, und auf einmal war da niemand mehr“, wunderte sich Niklas. Mit ein Grund dafür sei sein neuer Radhelm gewesen – „eine gute Aerodynamik ist einfach eine Menge wert“. Die Folge: Auf den ersten 90 Kilometern holte Niklas gegenüber seinem Rennplan satte 15 Minuten raus.

Wechsel geglückt: Auf dem Triathlon-Rad war Niklas am Ende fast 20 Minuten schneller als geplant.

Der zweite Teil auf dem Rad hatte es jedoch in sich: „Mein Verbrauch an Kohlenhydraten war höher als das, was ich zu mir nehmen konnte. Ich habe versucht, den Verbrauch auszugleichen, hab’ mich aber immer müder gefühlt“, erläutert Niklas. Daher blieb er auf der zweiten Radrunde durch den Landkreis Freising „nur“ noch weitere vier, fünf Minuten unter der Vorgabe. Trotzdem schaffte er eine Zeit von 4:40:13 Stunden – bei einem Schnitt von 38,4 Kilometern in der Stunde.

„Der ganze Lauf hat sich etwas zu hart angefühlt“

Der abschließende Marathon durch die Isarauen entwickelte sich zu einer Tortur. „Der ganze Lauf hat sich etwas zu hart angefühlt“, blickt der 18-Jährige zurück. Ab Kilometer 27 wurde es „richtig hart, zu hart“: Die Hitze nahm immer mehr zu, Niklas versuchte, im Schatten zu laufen und sich dadurch etwas Kühlung zu verschaffen. Es half nichts mehr. „Sieben Kilometer vor dem Ziel ist mir echt schwindlig geworden. Ich habe dann kleinere Gehpausen eingelegt, wobei es da schlimmer war als beim Laufen.“ Dennoch: Niklas hatte längst den Tunnelblick – ans Aufgeben verschwendete er keinen Gedanken. „Meine Begleiter haben mir letztlich die Kraft gegeben, die letzten Meter auch noch zu schaffen.“ Seine Laufzeit von 3:30:45 Stunden lag zwar etwas über der Zielvorgabe – aber das war im Moment seines persönlichen Triumphs zweitrangig.

Schneller Schwimmer: Der Nachwuchstriathlet spulte im Stoibermühlsee routiniert sein Pensum ab.

Das gilt vor allem für seine Freunde und Verwandten, die im Zielbereich sehnlichst auf ihren Helden gewartet und mit ihm gelitten haben. „Es ist einfach der Wahnsinn! Er hat diesen Ironman nicht nur in einer glänzenden Zeit absolviert, sondern alle Erwartungen übertroffen“, freute sich Opa Helmut Götze. Und auch Niklas’ Mutter Irene atmete erstmal ganz tief durch: „Dieses Mama-Gezittere geht so langsam an die Substanz. Doch ich bin glücklich und unheimlich stolz auf meinen Sohn. Es ist unglaublich, was er geschafft hat.“ Und natürlich verriet sie auch, was ihr Sohnemann zum Geburtstag bekommt. „Das Geschenk hat nur bedingt etwas mit Triathlon zu tun: eine neue Schlafcouch, damit sein Rücken fit bleibt“, sagt sie schmunzelnd.

„Meine Beine schmerzen noch ziemlich“

Der Rücken war am Montag, dem Tag nach dem Ironman, gleichwohl das kleinste Problem: „Die Beine schmerzen noch ziemlich, das Aufstehen hat heute ein bisschen länger gedauert“, sagt Niklas und lacht. „Aber ich habe elf Stunden geschlafen, mittlerweile gehöre ich wieder zu den Lebenden.“ Er nimmt sich nun die Zeit, diesen Erfolg in vollen Zügen auszukosten. „Ich bin komplett überwältigt. Es war ein geiler Tag und ein saucooles Rennen.“ Klar, er hätte manche Dinge noch besser machen können. „Zum Beispiel hätte ich beim Laufen durch eine bessere Geschwindigkeitseinteilung beim Radfahren etwas schneller sein können – doch hinterher ist man immer schlauer. Es war ja meine erste Langdistanz.“

Stolze Familie: (v. l.) Mutter Irene, Niklas, sein Bruder David und Vater Dirk machten wenige Minuten vor dem Start allesamt einen entspannten Eindruck.

Es wird – zumindest für ein paar Jahre – auch sein letzter Ironman gewesen sein. Denn Niklas’ Karriereplan sieht anders aus: Er will auf die Mitteldistanz, also auf die halbe Distanz des Ironman, wechseln und versuchen, dort 2022 bei der Weltmeisterschaft die Gesamtwertung der Amateure zu gewinnen. „Anschließend wird es Zeit für den Schritt in die Profiszene.“ Und da wäre ja auch noch sein Traum vom berühmt-berüchtigten Ironman Hawaii: „Aber den erfülle ich mir nicht in den nächsten Jahren. Vielleicht 2030.“

Happy Birthday, Ironman! Seine Familie und Freunde bereiteten dem Geburtstagskind an der Stoibermühle einen wunderbaren Empfang.

Die nächsten Ziele sind schon gesteckt

Nach all den Strapazen, die Niklas am Sonntag auf sich genommen hat, ist nun erstmal eine Pause angesagt. „Ich werde mich eine Woche erholen und dann das trainieren, worauf ich Lust habe.“ Ganz ohne Sport geht’s jedoch nicht: Das Hirschbachschleiferl am 26. Juli – der Kirchdorfer Lauf über 9,7 Kilometer – steht genauso auf der Agenda wie die virtuelle Bezirksmeisterschaft im Radfahren und eine Alpenüberquerung mit dem Mountainbike gemeinsam mit seinem Bruder David (20). Danach ist noch genug Zeit, das nächste ganz große Ziel in Angriff zu nehmen.

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