Der Bayerische Fußball Verband möchte die im Juli 2019 begonnene Saison um jeden Preis zu Ende bringen. Die Vereine sind sich über diese Entscheidung uneinig.
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Der Bayerische Fußball Verband möchte die im Juli 2019 begonnene Saison um jeden Preis zu Ende bringen. Die Vereine sind sich über diese Entscheidung uneinig.

Es herrscht kein klares Bild über die Zukunft im Amateurfußball

Vereine sind sich uneinig: Wie soll die Saison im Amateurfußball enden?

  • vonSebastian Dobler
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Der Bayerische Fußball Verband möchte die im Juli 2019 begonnene Saison um jeden Preis zu Ende bringen. Die Vereine sind sich über diese Entscheidung uneinig.

Landkreis – Wann werden die Sportplätze geöffnet, und wann darf der Ball endlich wieder rollen? Das sind die beiden Fragen, deren Beantwortung alle Amateurfußballer und Funktionäre aktuell entgegenfiebern.

Der Bayerische Fußball Verband (BFV) möchte die im Juli 2019 begonnene Saison um jeden Preis zu Ende bringen. Ludwig Schmidt, Spielleiter des Fußballkreises Donau/Isar, brachte jüngst sogar den Vorschlag, dass bis in die Sommerferien im Juli/August 2021 gespielt werden könne.

Bei den Landkreis-Vertretern der A-Klassen sind die Meinungen ob dieser neuen Idee eher gespalten. Auf der einen Seite gibt es eine Großzahl an Befürwortern, die die nun schon so lange andauernde Saison aufgrund sportlicher Fairness und der wenigen, noch ausstehenden Spiele auf jeden Fall zu Ende bringen wollen.

Trainer fordern lieber einen Abbruch als in die Sommerferien zu spielen

Es gibt aber auch konträre Meinungen aus dem Lager, das sich für einen Abbruch der laufenden Saison aussprecht und dauernde Verschiebungen ablehnt. So beispielsweise Volker Lippcke, Trainer des VfR Haag aus der A-Klasse 6: „Wenn die Saison nicht bis Mitte April wieder aufgenommen wird, sollte sie komplett abgebrochen werden. So wäre auch ein normaler und sinnvoll geplanter Neustart der kommenden Saison möglich. Ich halte nichts davon, bis in die Sommerferien zu spielen, weil es dann sicher viele Urlauber geben wird.“

Ähnlich sieht es Sebastian Schaller, Trainer des FC Moosburg II: „Ich glaube einfach, dass es zu viele Baustellen gibt, wenn die Saison länger als bis Ende Juni läuft. Schafft man einen sauberen Saisonübergang? Wie führt man Spieler aus der A-Jugend an die Herrenmannschaften heran?“

Auch die von Lippcke angesprochene Urlaubs-Thematik spiele eine wichtige Rolle. „Ich glaube schon, dass viele im Sommer wieder den Drang haben, verreisen zu wollen. Am Ende bringst du dann wegen Spielermangels nicht einmal eine Mannschaft zusammen“, so Schaller. „Deshalb wäre ich für einen Abbruch, wenn wir nicht pünktlich wieder starten können. Dann hätten die Vereine auch endlich einmal einen klaren Plan, an dem sie sich orientieren können.“

Rober Kühnel: „Aus sportlicher Sicht müsste man die Saison zu Ende bringen.“

Starke Befürworter des Spielleiter-Vorschlages und damit auch für eine Fortsetzung der Saison kommen hingegen aus Eching, Attenkirchen oder Hallbergmoos. Für Hallberg-Coach Robert Kühnel beispielsweise hat ein fairer Wettkampfcharakter oberste Priorität: „Aus sportlicher Sicht müsste man die Saison zu Ende bringen. Sonst beklagen sich am Ende wieder Vereine, die bei einem Cut nicht mehr aufsteigen können und auch diejenigen, die knapp über dem Strich stehen und den Klassenerhalt am grünen Tisch schaffen.“

Was der Spielbetrieb in Bayern fast allen anderen Verbänden voraus hat, ist die Tatsache, dass nur noch sieben Spieltage (plus vereinzelte Nachholpartien) ausstehen. „Wir sprechen von sechs bis acht Ligaspielen pro Verein, das sollte doch zu schaffen sein“, bringt es Echings Abteilungsleiter und Reserve-Trainer Marcus Heiss auf den Punkt. „Wenn es also möglich ist, sollte man das Ganze zu Ende bringen. Ich fände es auch nicht schlimm, den Sommer durchzuspielen, weil wir ja nicht wissen, was im Herbst wieder ist“, gibt er zu bedenken.

Mammutaufgabe für den Fußballverband

Auch Attenkirchens Fußballchef Alex Thalhammer sieht kein Problem darin, den Sommer für den Ligabetrieb zu nutzen. „Ich finde es gut, dass der BFV daran festhält, die Saison zu Ende zu spielen – auch wenn sich das bis Juli oder August ziehen würde. Dann würde sich anbieten, gleich nach der Relegation und nur ein, zwei Wochen Pause mit der neuen Saison zu beginnen.“ Auch die von den Abbruch-Befürwortern angebrachte Urlaubsthematik sieht Thalhammer nicht so kritisch, da die Gesellschaft seiner Meinung nach im Sommer von größeren Auslandsreisen nach wie vor absehen werde.

Es lässt sich also zusammenfassen, dass es auch bei der Frage, wie lange gespielt werden kann, viele unterschiedliche Meinungen gibt. Es wird eine Mammutaufgabe für den Fußball-Verband werden, eine für alle Vereine zufriedenstellende Lösung auszuarbeiten. Deshalb schlägt Dominik Heiß, Abteilungsleiter des SVA Palzing, eine Umfrage unter den Beteiligten vor: „Wenn sich die Lage in den kommenden Wochen stabilisiert und ein Restart realistisch ist, sollte man die Vereine über die Fortführung oder den Abbruch abstimmen lassen. Das wäre die fairste Lösung.“

(SEBASTIAN DOBLER)

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