Christiane Schredl von den Handballern der HSG Freising-Neufahrn in Aktion.
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Laufen, Workouts, Online-Fitnesskurse: Die Bayernliga-Mannschaft der HSG Freising (im Bild Christiane Schredl) hält sich so gut es geht fit und hofft im neuen Jahr auf einen Re-Start.

Handball und Corona

Längere Pause eine Bedrohung für die Basis

Die Handballteams in Bayern haben bis Ende Dezember Pause. Doch wie geht es danach weiter? Wir haben uns bei den Landkreis-Vereinen umgehört.

Landkreis – Der Handball ruht in Bayern mindestens bis zum Jahresende. Diese Entscheidung traf der Verband vor kurzem. Wegen des November-Lockdowns sei ein Spielbetrieb im Dezember nicht möglich gewesen, da man den Vereinen mindestens vier Wochen Vorbereitungszeit geben wolle. Bei den Vereinen des Landkreises kam die Meldung wenig überraschend. „Davon war ich fest ausgegangen“, meinte Simon Klawe, Coach der Frauen von der HSG Freising-Neufahrn: „Ohne Training im November wäre die Verletzungsgefahr ansonsten viel zu groß gewesen.“ Klawe rechnet allerdings nicht damit, dass es schon Anfang des Jahres weitergeht: „Ich denke, dass wir im Dezember maximal in Kleingruppen trainieren dürfen. Für mich ist ein Saisonstart vor Februar unwahrscheinlich.“ Im November gibt es einen Wochenplan für die Bayernligatruppe. Zehn Kilometer Laufen, dazu Workouts und Online-Fitnesskurse stehen auf dem Programm: „Die Frauen sollen sich fit halten und ich will da schon Nachweise“, betont der Trainer.

Bei den HSG-Männern spricht Trainer Erik Brasko ebenfalls von einer richtigen Entscheidung und fürchtet noch eine längere Pause: „Ich gehe davon aus, dass wir erst im Januar wieder in die Halle dürfen und die Saison frühestens im Februar wieder startet.“ Maximal eine einfache Runde sei dann für Brasko noch möglich: Der Verband sollte sich überlegen, ob man auf Auf- und Abstieg verzichtet. Der Wettbewerb wird nicht für alle Vereine gleich sein.“ Vorgaben für die trainingslose Zeit gab er seinen BOL-Männern nicht: „Es soll sich einfach jeder bewegen und sich zu Hause fit halten.“ Er vertraut auf die Disziplin und betont: „Wer nichts gemacht hat, der hat dann beim Wiederstart durchaus einen Nachteil.“

Otto Holländer: Der Trainer der SG Moosburg glaubt an eine einfache Runde.

Dass die Entscheidung des BHV „so brutal“ ausfällt, das hätte Lukas Monz (Trainer Männer SC Eching) nicht erwartet: „Jeder Verein hat doch seine Hygienekonzepte. Es ist einfach super bitter für uns.“ Man wisse nicht, auf welchen Zeitpunkt jetzt hin gefiebert werden könne: „Es ist ja nicht klar, ob es im Januar weiter geht. Die Motivation hochzuhalten fällt schon schwer.“ Auch das Training zu Hause wäre beim derzeitigen Wetter deutlich schwerer umzusetzen, als noch beim ersten Lockdown im Frühjahr. Monz fordert „Es muss einfach im Januar weiter gehen, in welcher Form auch immer. Sonst ist das Ganze eine Bedrohung für die Basis des Handballs.“ Die Leute würden schlimmstenfalls reihenweise in Individualsportarten abhauen: „Das habe ich bei unserer B-Jugend gesehen, da haben während Corona schon zwei Talente aufgehört.“ Eine einfache Runde mit Heim- und Auswärtsquotienten wäre für Monz eine akzeptable Lösung.

„Ich habe es erwartet, auch wenn es aus Sicht des Handballs nicht richtig ist“, das meint Otto Holländer (Männer SG Moosburg) zur Entscheidung. Er fügt allerdings aus: „Bei der Betrachtung des Ganzen konnte es nicht anders kommen.“ Ohne Dezember-Training wäre auch für ihn ein Start Anfang Januar nicht möglich und maximal könnte es noch eine einfache Runde geben: „Das bedeutet zwar Wettbewerbsverzerrung, ganz fair kannst du es allerdings nicht machen.“ Für die Spieler hat er im November Laufeinheiten zu zweit auf die Tagesordnung gesetzt: „Sie müssen darauf achten, dass sie nicht zu viel an Kondition verlieren. Ich habe da mein vollstes Vertrauen“, betont Holländer: „Wir müssen beim Start topfit sein, bei einem reduzierten Spielplan darfst du dir keine Ausrutscher erlauben.“

Dass diese Entscheidung bereits früher fällt, das hätte Peter Heun, Trainer der Kirchdorfer Frauen, erwartet: „Natürlich ist es blöd. Aber man weiß ja noch nicht einmal, ob es im Januar wieder losgehen kann.“ Die Kirchdorferinnen haben keine eigene Halle: „Daher ist es unklar, wann wir wieder trainieren dürfen. Vier Wochen Vorlaufzeit sind auf alle Fälle notwendig.“ Eine einfache Runde, die bis Ende April dauert, würden die SCK-Frauen mitmachen, so Heun: „Wenn es aber bis Juni oder sogar Juli gehen sollte, dann überlegen wir schon, ob wir nicht besser zurückziehen.“ Schließlich hätten viele Frauen in diesen Monaten schon anderes als Handball geplant. Derzeit halten sich die Kirchdorferinnen mit gemeinsamen Online-Übungen fit, organisierten diese selbständig über Zoom oder andere Plattformen.

Lukas Monz: Der Trainer des SC Eching ist enttäuscht über den Stopp.

Bei den Handballerinnen vom SVA Palzing gibt es derzeit noch eine übungsfreie Zeit, wie Trainer Lutz-Steffen Schmidt sagt: „Wir haben seit Mitte Juli trainiert, da tut eine Pause einmal ganz gut.“ Er arbeitet gerade an ein paar spaßigen, teamorientierten Übungen für den zweiten Teil des Lockdowns. Die Pause bis Ende des Jahres kam für ihn alles andere als unerwartet und sei auch sinnvoll: „Jetzt müssen wir schauen, wie sich die Coronazahlen entwickeln.“ Die Zeit würde immer enger, laut Schmidt gehe in der Palzinger Liga (Bezirksklasse) bei einem Start Mitte Januar theoretisch noch eine volle Runde: „Das ist in anderen Ligen aber sicher nicht der Fall und der BHV will wohl eine einheitliche Regelung.“ Daher würde man beim SVA eine einfache Runde in Kauf nehmen: „Es wäre einfach nur schön, wenn wir wieder spielen dürfen.“ Am besten mit Aufstieg, denn sonst wäre es für Palzing ein verlorenes Jahr nach dem gerade erst für diese Saison begangenen Neustart der Frauenmannschaft.

Bernd Heinzinger

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