Dynamisch und ambitioniert: Samuel Blake fühlt sich unter der Fittiche seines Trainers Francisco Munoz gut aufgehoben und auf dem richtigen Weg.
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Dynamisch und ambitioniert: Samuel Blake fühlt sich unter der Fittiche seines Trainers Francisco Munoz gut aufgehoben und auf dem richtigen Weg.

LEICHTATHLETIK - Samuel Blake läuft Spitzenzeiten über 1500 Meter

LAG-Mann mit australischen Wurzeln

Freisings Leichtahtleten haben wieder einen starken Mittelstreckler in ihren Reihen. Der kommt ursprünglich aus Australien.

Freising - Dass der Freisinger 1500-Meter-Läufer Samuel Blake überhaupt Startgelegenheiten in diesem Corona-Winter bekommt, ist nicht selbstverständlich. Im Gegensatz zu den meisten anderen Sportlern ist der Student aufgrund seines hohen Leistungsvermögens in der glücklichen Lage, Einladungen zu Profisport-Events zu erhalten.

Dabei zeigte sich der 25-Jährige in dieser Hallensaison in herausragender Verfassung. Am 13. Februar lief er beim CMCM Indoor Meeting in Luxemburg starke 3:43,12 Minuten. Selbst unter freiem Himmel war der gebürtige Australier nie schneller. Zum Vergleich: In diesem Jahr erzielten nur drei Deutsche ein besseres Ergebnis über diese Wettkampfstrecke. Zwar wusste sein Trainer Francisco Munoz, in welch starker Verfassung sich sein Athlet aktuell befindet. Da für ein derartiges Resultat aber alles stimmen muss, war es dennoch für ihn nicht unbedingt zu erwarten, vor allen Dingen, weil die Hallensaison zunächst unerfreulich startete. Der erste Wettkampfeinsatz von Samuel Blake war eigentlich für den 2. Februar in Erfurt geplant. Erst zwei Tage vor dem Startschuss bekamen Coach Munoz und sein Schützling Bescheid, dass ausgerechnet Blakes Rennen über 1.500 Meter gecancelt wurde. Dementsprechend musste der Saisoneinstieg auf den 7. Februar und das PSD Indoor Meeting in Dortmund verlegt werden. Und auch hier lief nicht alles glatt. Der Athlet der LAG Mittleren Isar wurde unglücklicherweise in den C-Lauf gesteckt – das langsamste von drei Rennen. Aufgrund der undankbaren Teilnehmer-Zusammenstellung musste Blake einen großen Teil des Rennens von der Spitze laufen – das heißt, unbeliebte Führungsarbeit leisten. Unter den gegebenen Umständen deutete aber das Ergebnis von 3:47,79 Minuten an, dass die Form stimmt.

Bei seinem zweiten Wettkampfeinsatz in dieser Hallensaison am vergangenen Samstag in Luxemburg ließen die Bedingungen dann kaum Wünsche offen. „Es war ein perfekter Lauf für Samuel, bei dem er einfach „,mitschwimmen“ konnte. Die Tempomacher haben gute Arbeit geleistet und die Durchgangszeiten waren konstant flott. Sam hat es geschafft, stets den Anschluss zu halten.“, so der Rennbericht von Trainer Francisco Munoz. Der Coach wollte kein Corona-Risiko eingehen und fieberte bei einem Livestream im Internet von Zuhause aus mit.

Wie bereits erwähnt, zeigte die Uhr am Ende 3:43,12 Minuten für Blake, gleichbedeutend mit einer persönlichen Bestleistung und einem achten Platz in einem erlesenen, internationalen Feld von zwölf Läufern. Der Sieg ging mit 3:38,65 Minuten an Charel Grethen, der einen neuen luxemburgischen Hallenrekord aufstellte.

Leider ist damit die Hallensaison für Samuel Blake schon zu Ende, bevor sie richtig Fahrt aufnehmen konnte. Aufgrund der strengen Corona-Regeln gibt es kaum Sportfeste in diesem Winter. Hinzu kommt, dass Samuel Blake als Australier weder bei den Deutschen Hallenmeisterschaften mitmachen darf, die am kommenden Wochenende in Dortmund stattfinden, noch für die Hallen-EM startberechtigt ist, die vom 4. bis 7 März in Torun (Polen) geplant sind. „Ich bin sehr zufrieden mit dieser Zeit. Grundsätzlich liegt der Fokus bei mir nie auf den Hallenwettkämpfen. Diese nehme ich nur mit, um Spaß zu haben und schnell bzw. mit hoher Qualität laufen zu können“, so das positive Fazit des Ausdauerathleten.

Die Freisinger Läufer trainieren aufgrund der geltenden Bestimmungen ausschließlich mit maximal einem Trainingspartner und draußen. Im Vergleich zu Bundeskaderathleten haben sie keine Erlaubnis für Gruppentraining und können nicht auf eine Halle mit Tartanboden zurückgreifen. Darauf angesprochen, erwidert Blake: „In Kenia oder Äthiopien ist mit Sicherheit auch nicht alles perfekt, trotzdem können Läufer aus diesen Ländern sehr schnell laufen. Entscheidend sind nicht unbedingt die Bedingungen, sondern das, was man draus macht.“ Diese Einstellung imponiert auch seinem Trainer, der sich teilweise um 6.30 Uhr mit seinem Athleten trifft, damit Sam Studium und Training unter einen Hut bekommen kann. „Nach dem kurzen Wettkampfblock soll sich Sam erst einmal ein paar Tage erholen. Dann beginnen wir einen neuen Aufbau für die hoffentlich stattfindenden Freiluftwettkämpfe.“, gibt Trainer Francisco Munoz die Marschroute für die kommenden Wochen vor. Langfristige Pläne können für dieses Jahr aus bekannten Gründen ohnehin kaum geschmiedet werden. Da Blake bei der DM nicht startberechtigt ist, liegt sein Fokus auf der Verbesserung seiner Bestleistungen: „Ich möchte gerne drei Schallmauern durchbrechen und unter 1:50 Minuten über 800 Meter, unter 3:40 Minuten über die Paradestrecke und unter acht Minuten über 3000 Meter laufen“, so die ambitionierte Ansage von Blake. Damit das gelingt, ist laut seinem Trainer vor allem ein Leistungssprung auf der Überdistanz nötig. Das heißt auch an einer Verbesserung über die 5000-Meter-Strecke wird intensiv gearbeitet. Entsprechend werden mit Beginn der neuen Vorbereitung die Umfänge weiter angezogen, ohne dabei die vorhandenen Qualitäten auf der Mittelstrecke zu vernachlässigen. Munoz hofft, dass die Coronazahlen in Deutschland weiter sinken, sodass es dem Coach mit all seinen Sportlern ab Mitte März nach ersten Lockerungen wieder ermöglicht wird, an gewohnter Trainingsstätte, dem aktuell geschlossenem Stadion an der Savoyer Au, zu trainieren.

Michael Wilms

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