Mahmoud Karimi (rechts) bei einem Bundesliga-Kampf 1992.
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Technisch versiert und immer mit voller Power: Mahmoud Karimi (r.) lehrte in seinen 14 Jahren als Bundesliga-Ringer so manchem Gegner das Fürchten. Dieses Foto stammt aus dem Jahr 1992.

FT-Serie „Was macht eigentlich...?“

Mahmoud Karimi: Eine Ringer-Karriere voller prägender Momente

Früher kämpfte er für Siegfried Hallbergmoos, heute arbeitet er als Personal Trainer: Mahmoud Karimi blickt auf eine ereignisreiche Ringer-Karriere zurück.

Hallbergmoos – Er war zu Beginn seiner Karriere schon kurz davor, die Ringerstiefel an den Nagel zu hängen. Doch er tat es nicht – und avancierte in der Folge zu einem bärenstarken Athleten, der sogar in mehreren Gewichtsklassen für Furore sorgte: Mahmoud Karimi (47) blickt auf eine bemerkenswerte Ringer-Laufbahn zurück. Dem Sport ist er beruflich bis heute treu geblieben.

Mahmoud Karimi kämpfte insgesamt 14 Jahre in der Ringer-Bundesliga. Begonnen hat er beim SV Siegfried Hallbergmoos und kam dann über die Stationen Wacker Burghausen, AV Germania Markneukirchen und Johannis Nürnberg wieder zu seinen Wurzeln, in die Flughafengemeinde, zurück. Seinen größten Erfolg landete der technisch versierte Freistilkünstler durch den Gewinn der Bronzemedaille bei den deutschen Einzelmeisterschaften 1997 in Tuttlingen. Er unterlag zwar dem späteren Meister Andreas Kubiak im Halbfinale hauchdünn mit 3:4, setzte sich aber dann im Duell um Bronze gegen Andreas Zabel aus Luckenwalde durch.

Bei der Bayerischen im Finale ungeschlagen

Damit nicht genug: Im gleichen Jahr hat er für Deutschland im Weltcup gerungen – beim Großen Preis von Italien erkämpfte sich Karimi einen dritten Rang. Ein Jahr davor, 1996, war er Deutscher Vizemeister im Juniorenbereich geworden. Insgesamt wurde er in seiner Karriere achtmal Bayerischer Einzelmeister – und das noch dazu in vier verschiedenen Gewichtsklassen: bis 62, 68, 74 und 82 Kilo. Nicht ohne Stolz erzählt der Freistilspezialist, der gerne auf schnelle Beinangriffe setzte: „Ich habe bei den bayerischen Einzelmeisterschaften keinen einzigen Endkampf verloren.“

Aller Anfang war schwer: Zu Beginn seiner Ringer-Zeit – das Bild zeigt ihn bei einem Schülerkampf 1990 – dachte Mahmoud sogar ans Aufhören.

Karimi hatte zwar keine speziellen Vorbilder. Sein älterer Bruder Jahanshah hat ihm aber viel beigebracht und ihn positiv beeinflusst. Außerdem hat der heute 47-Jährige dem früheren Hallbergmooser Weltklasse-Ringer Sergej Goubrinjouk gerne zugehört und viele nützliche Tipps von ihm erhalten. Dies war auch nötig, wie Karimi selber einräumt: „Am Anfang war ich als Ringer sehr schlecht und bin sogar bei oberbayerischen Einzelmeisterschaften ausgeschieden. Ich war kurz davor, alles hinzuschmeißen.“ Erst als ihn sein Bruder unter die Fittiche genommen habe, wurde es immer besser.

Tiefschläge machten ihn noch stärker

In all den Jahren als Mattenkämpfer wurde Mahmoud Karimi des Öfteren vom Verletzungspech heimgesucht – er musste zwei Schulter- und eine Meniskus- sowie zwei Kreuzband- und eine Bandscheiben-Operation über sich ergehen lassen. Doch er war ein echtes Stehaufmännchen und kam immer wieder zurück. Und der Einsatz hat sich gelohnt: „Mein schönstes Erlebnis war, als ich den für Bad Reichenhall ringenden Weltmeister und Olympia-Zweiten Sjarhej Smal besiegt habe. Ich werde auch nie vergessen, dass Stefan Hofstetter 1990 seinen Gegner im Aufstiegkampf gegen Freiburg nach einem klaren 0:4-Rückstand durch einen Kopfzug schulterte.“ Damit sicherte Hofstetter dem SV Siegfried im vorletzten Fight den Gesamtsieg – „wir stiegen in die 1. Bundesliga auf“. Zudem war Karimi „sehr stolz, als Ergün Aydin, den ich trainiert habe, zum ersten Mal Deutscher Juniorenmeister wurde. Solche Momente bleiben immer in Erinnerung.“

Salztabletten ließen die Pfunde purzeln

Jetzt, nachdem seine Karriere längst beendet ist, plaudert Karimi aus dem Nähkästchen: „Ich brachte normalerweise locker 73 Kilo auf die Waage, musste jedoch bis 68 Kilo antreten. Um das nötige Gewicht zu verlieren, kaufte ich mir in der Apotheke öfter Salztabletten, um die Pfunde purzeln zu lassen und damit ich keine Krämpfe bekam. Dabei verliert man aber nicht nur Gewicht, sondern es schwächt den ganzen Körper. Deshalb dauerten die letzten Sekunden einer Begegnung für mich meistens eine Ewigkeit.“ Zum Vergleich: „Jetzt ist die Ernährung ganz anders als früher – dadurch kann man leichter abkochen. Außerdem steht in der heutigen Zeit die physische Stärke im Vordergrund.“

Das  Ringen  geht  ihm  heute eigentlich nicht ab. „Trotzdem denke ich immer wieder an Menschen, die ich vom Ringen her kenne. Zum Beispiel reise ich seit 20 Jahren, wenn es möglich ist, immer wieder nach Schweden, um dort frühere Mannschaftskameraden wie Mohammad Babulfath zu treffen, damit wir uns über die damaligen Zeiten austauschen können.“

Karimi kam mit 14 nach Deutschland

Mahmoud Karimi erzählt sehr gerne von diesen Jahren: „Als ich mit 14 nach Deutschland kam, habe ich mich mit meinem Hallbergmooser Teamkollegen Georg Schatz angefreundet – er ist auch heute noch mein bester Freund. Wir sehen uns für gewöhnlich einige Male pro Woche, und es ist für mich eine Ehre, dass ich sein Trauzeuge sein durfte.“

Mahmoud Karimi (47) erinnert sich gerne an seine aktive Laufbahn.

Mahmoud Karimi war aber nicht nur als Aktiver erfolg- reich, sondern auch als Coach: Er war Nachwuchstrainer beim SV Siegfried und betreute später auch die Bundesliga-Staffel. Von 2007 bis 2010 trainierte er zudem die Erstliga-Mannschaft von Wacker Burghausen. Und alte Liebe rostet nicht: Den bisher letzten Fight, den er gesehen hat, war der Endkampf um die Deutsche Meisterschaft 2020 zwischen Burghausen und Köllerbach. Karimi verbrachte allerdings auch viel Freizeit auf dem Fußballplatz: „Ich spielte drei Jahre für den TuS Oberding – da gab es keinen Stress, da stand ganz klar der Spaß im Vordergrund.“

In Bayern eine neue Heimat gefunden

Aber wie kam es überhaupt zu der Sportlerkarriere? Mahmoud wurde im September 1973 in Teheran geboren und wuchs dort bis zu seinem 14. Lebensjahr mit vier Brüdern und einer Schwester auf. Im Jahr 1987 holte ihn sein älterer Bruder Jahanshah, der bereits in Bayern lebte, ins Notzingermoos, wo er bei der Familie Hagl freundlich aufgenommen wurde. Hintergrund: Mahmouds Vater war relativ früh gestorben, und seine Familie wurde im Iran politisch verfolgt. „Allerdings hatte ich in der Schule arge Probleme. Ich konnte ja weder Deutsch sprechen, noch etwas verstehen“, erzählt er. „Aber Jahanshah hat mir beim Erlernen der deutschen Sprache, aber vor allem auch des bayerischen Dialekts sehr geholfen. Dadurch habe ich bald viel verstanden – und nicht zuletzt deshalb fühlte ich mich schnell sehr wohl in meiner neuen Heimat. Im Grunde genommen übernahm dann Jahanshah bei mir die Vaterrolle. Ohne ihn hätte ich es wohl nicht geschafft.“

Nach der Schule erlernte Mahmoud Karimi den Beruf des Hotelfachmanns im Arabella-Hotel in Schwaig, dort blieb er weitere fünf Jahre. Von 1996 bis 2001 pendelte er zwischen Deutschland und Amerika hin und her. In diesen fünf Jahren war er Angestellter und Trainer beim vierfachen Weltmeister und zweimaligen Olympiasieger John Smith. Danach arbeitete er gut zehn Jahre in einem Fitnessstudio in München und machte verschiedene Trainerscheine. Seit 2015 ist Karimi als selbstständiger Personal Trainer in München tätig. Ohne Sport geht es eben nicht.

Anton Schweißgut

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