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Ins Rampenlicht geklettert: Frederike Fell (17) beeindruckte mit ihrem DM-Sieg in der olympischen Kombination auch Bundestrainerin Friederike Kops.

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Frederike Fell kraxelt von Titel zu Titel

Sie eilt derzeit von Erfolg zu Erfolg: Nach der Bewältigung einer extrem schweren Felsroute und zwei Siegen im Deutschen Jugendcup erreichte Frederike Fell beim Europäischen Jugendcup einen mehr als beachtlichen vierten Platz. Diese Leistung krönte sie durch Siege bei der deutschen Meisterschaft im Olympic Combined und im Speedklettern – und avancierte damit endgültig zur wohl besten Sportkletterin Deutschlands.

Marzling – Mit einer Begehung der Route „Odd fellows“ in der Fränkischen Schweiz zog Frederike Fell, die junge Sportkletterin des DAV Freising, im Frühjahr in den erlesenen Kreis der Athletinnen ein, die im 11. Grad unterwegs sind. Dass sie so schwere Felstouren zwischen ihren zahlreichen Wettkampfeinsätzen bewältigen kann, zeigt das gewaltige Potenzial der 17 Jahre jungen Marzlingerin. Für sie selbst war die Begehung einer derart schwierigen Route ein absoluter Höhepunkt – und gleichwertig mit einer deutschen Meisterschaft.

Noch ist sie in derA-Jugend startberechtigt. Und auch wenn die Konkurrenz in dieser Altersklasse groß ist, setzt sich Fell regelmäßig an die Spitze: So gewann sie in Dresden den Deutschen Jugendcup in der Disziplin Lead (Vorstiegsklettern) und am Tag darauf auch im Speed. Hier geht es darum, eine genormte Route möglichst schnell zu klettern. Diese von den meisten Sportkletterern ungeliebte Form des Wettkampfs rückte in letzter Zeit mehr und mehr ins Rampenlicht, da sie bei den Olympischen Spielen 2020 in Tokio im Rahmen des Kombinationswettbewerbs Klettern im Programm stehen wird.

Ihr ist kein Kletterproblem zu schwierig: Die Marzlingerin ist in der deutschen Spitze angekommen.

Der letzte Europäische Jugendcup machte dann in München Station. Hier schrammte Frederike Fell mit einem vierten Platz zwar knapp am Podest vorbei, konnte mit ihrer Leistung aber hochzufrieden sein. Sie war die beste deutsche Teilnehmerin und rechnete im Vorfeld nicht mit einem derartig guten Ergebnis: „Ich freue mich riesig. Ehrlich gesagt, war es für mich bei der starken Konkurrenz schon eine Überraschung, überhaupt im Finale zu sein“, meinte sie danach. Auch Bundestrainerin Friederike Kops lobte das Nachwuchstalent in höchsten Tönen: „Sie hat im Finale in meinen Augen den besten technisch-taktischen Auftritt aller Teilnehmerinnen der weiblichen Jugend A und der Juniorinnen geliefert!“ Und Fell hatte riesigen Spaß, vor heimischem Publikum zu klettern: „Es war einfach cool.“ Zudem lieferte sie wieder die Bestätigung, mit dem Spitzennachwuchs der großen Kletternationen Frankreich, Österreich, Slowenien oder der Schweiz mithalten zu können.

Ihren bemerkenswertesten Auftritt legte Fell dann bei der ersten Auflage der deutschen Meisterschaften in der olympischen Kombination im neuen Leistungszentrum in Augsburg hin. Hier müssen Top-Leistungen in den Disziplinen Bouldern, Lead und Speed gezeigt werden, wie es das olympische Format für Tokio vorgesehen hat. Diese drei – doch sehr unterschiedlichen – Disziplinen in Topform hintereinander zu absolvieren, verlangt von den Athleten ein Höchstmaß an körperlicher Fitness sowie mentaler Reife. Neben dem konditionellen und psychischen Anspruch heißt es auch, auf die Zähne zu beißen, weil die für Kletterer essenzielle Haut auf den Fingern arg strapaziert wird. Frederike Fell präsentierte sich jedoch in allen Wettbewerben in Galaform und lag am Ende eines anstrengenden Wochenendes auf Platz eins. Auch Bundestrainerin Kops würdigte die erste Deutsche Meisterin in der olympischen Kombination – und bekannte sich als Fan von ihr: „Sie scheint eine Newcomerin am Combined-Himmel zu sein. Man hat den Eindruck, dass sie total unbeschwert in ihre Wettkämpfe geht und einen Riesen-Spaß daran hat. Frederike Fell hat in den letzten Wettkämpfen gezeigt, dass sie super fokussiert ist und einen sehr klaren Kopf hat. Sie hat verdient gewonnen.“

Mit dem breiten Kreuz dieser Erfolge reiste die 17-Jährige dann am Wochenende zur deutschen Meisterschaft im Speedklettern nach Düsseldorf. Auch dort holte sie sich den Titel und brannte zudem im Halbfinale mit 10,99 Sekunden eine fantastische Zeit in die Speedwand.

Christian Rester

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