Motocrosser Lion Florian rast in Schräglage in eine Kurve.
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Voll fokussiert in jeder Lage: Motocrosser Lion Florian raste heuer im ADAC-Youngster-Cup auf den zweiten Platz. Welchen Weg der 19-Jährige künftig einschlagen kann, wird sich in der kommenden Saison zeigen.

Motocross

Lion Florian vom MSC Freisinger Bär: „Meine Karriere steht auf dem Prüfstand“

Motocross-Fahrer Lion Florian vom MSC Freisinger Bär will den Sprung zum Profi schaffen. Falls das nicht klappt, hat er aber einen Plan B hat er in der Tasche.

Landkreis – Er ist jung, schnell, scheut kein Risiko – und auch an Talent und Können mangelt es ihm nicht. Immerhin belegte der vielversprechende Motocross-Fahrer in der 250-Kubikzentimeter-Klasse beim ADAC-Youngster-Cup jüngst den zweiten Platz, in der EM-Wertung brachte er es auf den 15. Rang – beste Voraussetzungen also für eine internationale Karriere. Die Rede ist von Lion Florian (19) vom MSC Freisinger Bär, der gerade auf dem Sprung in den Profi-Zirkus ist. Seit seinem dritten Lebensjahr fährt er Motocross – erst mit einem Minimotorrad, einer Yamaha PW50, später mit einer 125er, aktuell mit einer KTM SXF 250 Kubikzentimeter. Einen Rennstall hat er auch schon. Es handelt sich um das in Wolfsburg ansässige Team WZ-Racing. Und doch, Lion Florian befindet sich am Scheideweg.

Denn: Einen Werkvertrag hat er noch nicht. Ob er einen erhält, entscheidet sich in der kommenden Saison, die im Mai beginnt. Dann kommt es darauf an, dann müssen Ergebnisse her. Momentan steht der Erdinger ohne Hauptsponsor da, seine Förderung bei der ADAC Stiftung Sport ist ausgelaufen. Dennoch ist Florian guter Dinge. „Ich bin sehr zuversichtlich“, sagt er im Brustton der Überzeugung. Mut machen ihm der bisherige Verlauf seiner Karriere, sprich: seine Erfolge und eine ganze Reihe guter Resultate.

Lion Florian ist dem MSC Freisinger Bär weiterhin verbunden

Eine Serie, die ohne den Motorsportclub Freisinger Bär und ohne dessen Cross-Gelände am Münchner Flughafen nicht möglich wäre. Bis heute ist Lion Florian dem MSC verbunden. „Ich bin immer bei dem Verein geblieben, habe da bis heute gute Spezln. Ich war da immer gut aufgehoben und habe vom MSC-Sponsoring profitiert“, betont er.

Große Unterstützung hat der Motocross-Crack von seinem Vater und Mentor Manfred Heilmaier erfahren. Auch Mutter Andrea Florian fördert ihren Sohnemann nach Kräften: Sie kümmert sich unter anderem um die Website ihres Filius. Bis vor kurzem war die Karriere von Lion Florian noch reine Familiensache, das gemeinsam ins Leben gerufene Team hieß FMX Racing. Zusammen mit Vater Manfred hat Lion selbst an den Bikes geschraubt. Vom Papa, der gelernter Kfz-Mechaniker ist, hat er sich alles abgeschaut, was ein Fahrer wissen muss. „Ich kenne die Basics, weiß, worum es geht“, erzählt der Motocrosser. Mit dem Wohnmobil ging es auf Tour zu den diversen Rennstrecken. Man war also im wahrsten Sinne des Wortes viel auf Achse. Zunächst national, dann international.

Eingespieltes Vater-Sohn-Duo: Lion Florian hat sich von seinem Papa und Mentor Manfred Heilmaier alles abgeschaut, was ein Fahrer wissen muss.

Lion Florian wirkt besonnen und konzentriert – ganz so wie einer, der um seine Qualitäten weiß. Auf der Rennstrecke ist er immer für eine Überraschung gut. Seine aktuelle Situation sieht er als Herausforderung und Ansporn an. Typisch für einen, der sich durchgebissen und die Gelegenheit beim Schopf gepackt hat, als ihn die ADAC Stiftung Sport aufgenommen und ihn vier Jahre begleitet hat. Angefangen hatte alles mit der Enduro seines Vaters. Einer Husaberg. Das war noch in München, die Begeisterung für das Geländemotorradfahren ist vom Vater auf den Sohn übergesprungen. „Das hat mich inspiriert“, erinnert sich der 19-Jährige. Es kam, wie es kommen musste: Der Knirps wollte ein eigenes Bike. Er bekam es – und ab ging’s nach Tschechien, wo der kleine Rennfahrer auf einem großen geteerten Platz das Einmaleins des Fahrens lernte.

2008 fuhr Florian schließlich sein erstes Rennen. Von da an ging es steil bergauf: Neben dem zweiten Platz im ADAC-Youngster-Cup 2020 sowie einem Deutschen Meistertitel in der 125-ccm-Klasse im Jahr 2018 zählt auch ein neunter Rang in der EMX-Klasse bis 125 ccm dazu. Florian will hoch hinaus. Sein großes Idol ist der erste deutsche Motocross-Weltmeister Ken Roczen. Dem würde er es gerne gleichtun. „Mein Ziel ist es, eines Tages in der Weltmeisterschaft, also in der höchsten Klasse, der MXGP, zu fahren“, sagt der Senkrechtstarter.

„Sobald man am Startgatter steht, hat man keine Freunde mehr.“

Der Gefahren seines Sports ist sich Florian durchaus bewusst. Er hatte bereits Brüche am Oberschenkel, am Schien- und Wadenbein davongetragen. Beim Rennen blende man das aus. „Man ist nur auf die Strecke, auf das Bike und auf sich selbst fokussiert und will die bestmögliche Performance abliefern“, erklärt der junge Mann, der unbedingt Vollprofi sein möchte. Und er fügt an: „Ich fühle mich auf dem Rennplatz zuhause. Ich habe viele Freunde – trotz der Konkurrenz.“ Florian sagt jedoch auch: „Sobald man am Startgatter steht, hat man keine Freunde mehr.“

Wie auch immer, einen Plan B hat Lion Florian, der vor zwei Jahren die Herzog-Tassilo-Realschule in Erding abgeschlossen hat, aber auch schon. Sollte es nicht mit der Profi-Laufbahn klappen, will er eine Ausbildung als Zweiradmechaniker machen. „Meine Karriere steht auf dem Prüfstand, die kommende Saison ist jetzt entscheidend.“ Zweifel, dass er es nicht schaffen könnte, schwingen da jedoch nicht mit.

Alexander Fischer

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