Nele Mezger im Trikot des FC Bayern München
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Fußball ist für sie mehr als ein Hobby: Nele Mezger (17) hat ihre Zeit beim FC Bayern München genossen.

Talente des Frauenfußballs

Nele Mezger und ihr Abenteuer beim FC Bayern München

  • VonFranziska Kugler
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Nele Mezger (17) aus Moosburg kickte zwei Jahre lang im U 17-Team des FC Bayern München. Jetzt legt sie den Fokus auf die Schule – und ihren neuen Verein.

Moosburg – Sie lebte den Traum vieler junger Fußballerinnen: Die 17-jährige Nele Mezger spielte im U17-Team des FC Bayern München, bis Ende Juni ihr Vertrag ausgelaufen ist. Der Sprung in die Zweite Mannschaft – er war angesichts der starken Konkurrenz zu groß. Jetzt legt die Moosburgerin den Fokus erstmal auf die Schule. Im Tagblatt-Interview spricht die 17-Jährige über ihre Ziele für die Zukunft, ihren neuen Club – und darüber, warum es Frauen in der Fußballbranche weiterhin so schwer haben.

Nele, wann hast du mit dem Fußball begonnen?

Angefangen habe ich im Alter von sechs Jahren. Davor hatte ich auch schon beim Training mitgemacht, aber da war ich einfach noch zu jung und habe nicht verstanden, worum es wirklich geht. Ich bin einfach nur mitgelaufen.

Wie bist du als junges Mädchen aufs Fußballspielen gekommen?

Vor allem durch meinen Bruder, dem ich immer wieder bei den Spielen zugeschaut habe. Er war damals auch mein großes Vorbild. Zudem ist direkt neben meinem Zuhause ein Fußballplatz – und ich habe mich einfach nie so für typische Mädchen-Sportarten interessiert.

Fußballerische Anfänge beim FC Moosburg

Wie verlief dann dein sportlicher Werdegang?

Zu Beginn habe ich noch beim FC Moosburg gekickt, dort habe ich dann bis zur C-Jugend mit den Jungs gespielt. Zwar hatte Moosburg damals auch eine Mädchenmannschaft, in der ich öfter ausgeholfen habe, aber das war einfach ein ganz anderes Niveau. Bei den Jungs holt man sich viel mehr Selbstbewusstsein, und auch vom Körperlichen her ist es viel härter. Das hat mir auch die Chance eröffnet, bei den Mädchen körperbetonter zu spielen. Vor vier Jahren bin ich dann zum FFC Wacker München in die B-Jugend-Bayernliga gewechselt und habe dort eine Saison bestritten, bevor ich im Anschluss vor zwei Jahren zum FC Bayern München gegangen bin.

Ich war von morgens um 7 bis abends um 21 Uhr unterwegs. Aber es geht nicht anders, wenn man auf diesem Niveau spielen will.

Nele Mezger über den Spagat zwischen Schule und Training beim FC Bayern München

Wie kam der Kontakt zu den Bayern zustande?

Vor fünf Jahren haben mich meine Eltern das erste Mal zu einem Trainingstag bei Bayern angemeldet. Aber da war ich noch viel zu jung für die U 17. Ein Jahr später hat mein ehemaliger Moosburger Trainer Udo Lehr ein Testspiel gegen den FFC Wacker organisiert – als Chance für mich. Dadurch bin ich nach München gekommen. Zwischen Wacker und dem FC Bayern gab es eine Vereinbarung zu einer engeren Zusammenarbeit. Damals sind wir dann zu fünft zu Bayern gegangen.

Wie sind die Trainingsbedingungen für Juniorinnen beim FC Bayern?

Vor Corona hatten wir dreimal die Woche Training und eine Partie am Wochenende. Durch Corona mussten auch wir den Spielbetrieb einstellen und hatten Online-Training über Zoom. Aber da konnten wir nichts mit dem Ball ma-chen, sondern nur Kraft- und Stabilisationstraining. Zusätzlich haben wir vom Verein immer wieder kleine Videos mit Übungen bekommen, bei denen man den Ball am Fuß führen muss. Nach den Lockerungen trainierten wir zweimal wöchentlich am Campus. Jedoch haben sich die Trainingszeiten geändert, weil die Jungsteams Vorrang haben.

Findest du es in Ordnung, dass Männer in vielen Vereinen immer noch bevorzugt behandelt werden?

Nein, nicht wirklich. Man merkt das auch oft an den Zuschauern, die meist vorrangig den Jungs zuschauen. Dann hört man die typischen Sprüche: Frauen können nicht Fußballspielen oder sie spielen so langsam. Ich glaube, die Jungs haben durch diese Einstellung vieler Menschen Vorteile.

Wie schwierig ist der Spagat, neben dem Training auch die Schule und andere Hobbys unter einen Hut zu bekommen?

Seit ich bei Bayern spielte, war es schwieriger. Bis Ende Juni fuhr ich montags und mittwochs direkt vom Nachmittagsunterricht mit dem Zug ins Training. Ich war von morgens um 7 bis abends um 21 Uhr unterwegs. Aber es geht nicht anders, wenn man auf diesem Niveau spielen will – dazu gehört einfach ein bisschen Disziplin. Mein Leben allgemein hat sich um den Fußball herum gebaut. Im Alltag ist es schade, weil man Freunden öfter absagen muss. Aber ich bekomme das gut organisiert, sodass ich trotzdem genug Zeit für meine Freunde finde. Aber für andere Hobbys bleibt kaum Zeit. Nur Skaten gehe ich öfter mal.

Was sind deine langfristigen Ziele für die Zukunft?

Ich habe keine bestimmten Ziele, aber viele Ideen. Eine Sache, die ich auf jeden Fall beibehalten will, ist, dass ich den Spaß nicht verliere. Denn ohne Spaß macht es keinen Sinn weiterzuspielen. Nach der Schule würde ich gerne ein Fußballstipendium in den USA oder allgemein im Ausland machen. Dadurch öffnen sich viele Türen, und man holt sich die nötige Erfahrung.

„Bei den Frauen reicht es selbst in der Bundesliga oft nicht zum Leben.“

Traust du dir auch eine Karriere in der deutschen Bundesliga zu?

Grundsätzlich ja, aber es ist schwierig. Im Münchner Umkreis gibt es kaum Vereine, zu denen ich wechseln könnte. Ich müsste also in ein anderes Bundesland gehen, und da bin ich mir noch nicht sicher, ob ich das will. Denn beim Frauenfußball reicht es nicht, nur Fußball zu spielen. Bei den U19-Teams der Jungs hingegen verdient man ja bereits Geld. Doch bei den Frauen reicht es selbst in der Bundesliga oft nicht zum Leben. Ich musste beispielsweise meine Zugfahrkarten zum Training selbst bezahlen. Bei den Jungs wird das alles gesponsert. Das ist eigentlich eine Katastrophe. Am Campus gibt es auch Wohneinheiten für Nachwuchsspieler – aber keine für die Mädchen. Das finde ich schade. Bei den Mädels fängt es auch erst ab der U 17 an. Viele Spielerinnen können in diesen kurzen zwei Jahren nicht gut genug ausgebildet werden, sodass fast alle nach der Jugend den Verein wieder verlassen.

Wir hatten eine kleine Abschlussfeier, die für alle sehr traurig war.

Nele Mezger über ihren Abschied vom FC Bayern

Was macht dir trotz allem am Fußball besonders Spaß?

Am meisten die Spiele und die Busfahrten dorthin sowie das Training. Das war bei Bayern besonders cool, dass wir für die Auswärtsfahrten einen Mannschaftsbus – teilweise auch den der Profis – hatten. Da lernt man die Mitspielerinnen näher kennen und konnte danach im Bus noch ein wenig feiern. Auf dem Spielfeld ist es wichtig, sich mit seinen Mitspielerinnen zu verstehen. Man wird vor allem bei Bayern stark durchgemischt und kennt sich am Anfang nicht. Man hat mit der Zeit trotzdem seine Späße und Insider. Beispielsweise mussten wir, wenn wir von den Trainern außerhalb einer Übung getunnelt wurden, einen Kuchen backen. Dementsprechend haben wir auch viel Kuchen gegessen.

Was war der schönste Moment in deiner noch jungen Karriere?

Letztes Jahr waren wir mit dem FCB auf Mallorca und haben ein Turnier gespielt. Dort sind wir auch gegen Vereine wie Real Madrid angetreten. Das war ein Highlight für mich – vor allem, weil es auch so international war. Auch haben wir uns als Team besser kennengelernt und eine Woche zusammen im Hotel gelebt.

Neuer Club: Nele Mezger kickt jetzt bei den Damen des FC Stern München

Wie geht es in der neuen Saison weiter?

Leider bin ich zu alt, um noch ein Jahr in der U 17 bei Bayern zu spielen. Wir hatten auch schon eine kleine Abschlussfeier, die für alle sehr traurig war. Wegen der Corona-Pandemie war es richtig schwer, einen neuen Verein zu finden – aber ich habe einen gefunden. Ich spiele jetzt in der Damenmannschaft des FC Stern München in der Bayernliga, sie haben mich nach dem Probetraining genommen. Mein Ziel ist es jetzt erstmal, in die Mannschaft reinzukommen und Erfahrungen im Frauenbereich zu sammeln. Zudem will ich nächstes Jahr vorrangig meine Schule abschließen. Ein Abschluss ist einfach wichtig, wenn man mit dem Fußball als Frau eh nichts verdienen kann. Da muss viel passieren in Sachen Gleichberechtigung.

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