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Im Trikot des FC Bayern München: In der U 17 spielte Lilly (r.) für die Roten, hier 2018 in Moosinning.

Fußball

Schauspielerin Lilly Reulein: Leidenschaft für Lansing und den Fußball

  • vonOlaf Heid
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Lilly Reulein aus Neufahrn hat sich mit ihrer Rolle in der Kultserie „Dahoam is Dahoam“ einen Namen gemacht. Ihre zweite Leidenschaft ist der Fußball.

Landkreis – Als Lilly Reulein ans Telefon geht, sagt sie: „Moment, ich bin kurz vor Buxtehude.“ Die Neufahrnerin ist weit weg von Lansing, dem fiktiven Drehort der Vorabend-Kultserie „Dahoam is Dahoam“ des Bayerischen Fernsehens (BR). Sie befindet sich auf privater Deutschland-Reise. Bekannt wurde die Fachabiturientin bayernweit durch ihre Schauspielrolle der Valentina Götz. Zudem spielt die 18-Jährige leidenschaftlich gerne Fußball, gehört normalerweise zum Kader des Frauen-Regionallisten FC Forstern, schnürte aber auch schon für den FC Bayern die Schuhe.

Zeit für Reisen hat sie nun reichlich. Denn sowohl der Fußball als auch die Schauspielkarriere ruhen. Ihre Rolle des schwangeren Teenagers ist im Augenblick nicht mehr vorgesehen. „Das ist ja auch kompliziert. Die Produzenten müssten mich, weil ich ja eine Schwangere gespielt habe, nun mit einem Kind drehen – und das ist schon sehr aufwändig“, erklärt Reulein. Eine Rückkehr zu der beliebten Kultserie hält sie aber keineswegs für ausgeschlossen. „Im Augenblick pausiere ich ja nur, da kann durchaus noch was kommen.“

Bereits im Alter von fünf Jahren kam Lilly Reulein zu der Rolle und spielte mit, bis sie zwölf war. In wie vielen Folgen insgesamt weiß sie gar nicht genau, „es waren viele“. Seit ihrer Rückkehr an Weihnachten 2019 seien es um die 30 gewesen, meint die junge Schauspielerin.

Dreharbeiten neben dem Fachabitur

Die Dreharbeiten liefen immer neben dem Fußball und vor allem der Schule. Reulein, die schon länger in Neufahrn wohnt, machte in der Domstadt Freising an der FOS ihr Abitur. „Das war schon eine Belastung und mein Zeitplan extrem eng getaktet“, betont sie. Doch es habe immer viel Spaß gemacht. Es sei keineswegs einfach gewesen: „Wir haben drei bis vier Mal wöchentlich gedreht.“ Vormittags ging es zur Schule, nachmittags ans Set. Dazwischen wurde fleißig Text gelernt. „Es war ja auch eine anspruchsvolle Rolle. Mit einer Schwangerschaft musste ich mich erst mal auseinandersetzen“, sagt Reulein, die die Schauspielerei begeistert. Fußball stand daher oft hinten an.

Als Fünfjährige spielte Lilly Reulein mit ihrem Serienvater „Sebastian Wildner“ alias Herbert Ulrich.

Reulein kommt eigentlich aus Aschheim, hat beim dortigen FC zehn Jahre in der Jugend gekickt. „Das ist mein Herzensverein“, erzählt die Mittelfeldspielerin. „Da habe ich mich immer wohl gefühlt.“ Das gilt aber gleichermaßen auch für fast alle weiteren Stationen. Reulein liebt und lebt den Teamgeist. Von Aschheim ging es in der Altersklasse U 15 zur SpVgg Markt Schwabener Au, wo das laufstarke Mädchen auch schon in der U 17 aushalf.

Vor allem das zweite Jahr als C-Juniorin hat sie in Erinnerung behalten. Denn in der Saison 2016/17 gelang ihr mit der SpVgg eine Art Triple: Meistertitel, Gesamtsieg bei einem internationalen Turnier in Spanien („Copa Catalunya“) und die Titelverteidigung beim Ebersberger Landkreispokal. „Es war eine überragende Saison. Wir haben die Bezirksoberliga mit 100:1 Toren gewonnen.“ Sie selber spielte auf der 10er-Position und legte vor allem Teamkollegin Anna Formanski auf, mit der sie anschließend zur U 17 des FC Bayern München („Ein Traum von mir“) ging, dem sie zwei Jahre treu blieb. Doch wegen einer Verletzung im ersten Jahr verpasste Reulein den Anschluss. Sie spielte nur sporadisch und wurde auch auf keiner Position spezialisiert. Dazu fehlte ihr der Mannschaftsgeist. „Und Profi wollte ich ja nicht werden.“

Zurück nach vier Jahren Pause in Lansing: die schwangere „Valentina“ (l.) an Weihnachten 2019.

Es folgte der nächste Wechsel. Erst wollte sie zurück nach Aschheim, doch nach einem Probetraining bei Regionalligist FC Forstern ging es in den Landkreis Erding. „Das sind super Mädels, die hervorragend Fußball spielen“, sagt Reulein. „Dritte Liga mit einem Dorfverein zu spielen, ist eine überragende Mischung.“ Sie gehört zum Kader der Ersten, könne aber aufgrund des Trainingsrückstands mit dem Niveau nicht mithalten. Sie spielt derzeit darum überwiegend in der Zweiten in der Bezirksoberliga („Hier kriege ich Praxis“), aber auch in der Dritten, einer Spielgemeinschaft mit Hohenlinden.

Durch Corona vermisse sie ihre Mädels, die Regelmäßigkeit des Trainings und das Gefühl, auf dem Platz zu stehen. „Joggen ist nicht so der Spaß für mich“, erklärt Reulein, „viel lieber hätte ich wieder den Ball am Fuß.“ Vielleicht fehlen ihr auch die Frotzeleien innerhalb des Teams, denen sie „auf liebe Art und Weise“ ausgesetzt ist. „Ich werde mit meinem Seriennamen Valentina gerufen oder auf meine Schwangerschaft angesprochen. Ob ich denn nach der Entbindung überhaupt schon wieder spielen könnte.“

Fanpost ans Vereinsheim

Doch die junge Frau bekommt in Forstern auch andere Liebesbekundungen: Fanpost. „Ich habe schon einige Briefe erhalten, die einfach ans Vereinsheim geschickt wurden. Das ist schon lustig“, so die Schauspielerin, die gewissenhaft alle Schreiben beantwortet hat. „Vielfach wurde nach aktuellen Autogrammkarten gefragt. Aber ich habe gar keine, da bin ich los und habe mir selber Fotos im Drogeriemarkt ausgedruckt und unterschrieben.“

Doch seitdem die Schule abgeschlossen ist, ruht auch die Schauspielkarriere der angehenden Staatsdienerin. Lilly Reulein möchte im Herbst 2021 eine Polizei-Ausbildung beginnen. Außerdem befindet sich der Fußball bekanntermaßen im Lockdown und in der Winterpause. Sie nutzt die Zeit, um sich ein Auto zu kaufen und Deutschland zu erkunden. „Ich schaue, auf was ich Lust habe, und entscheide ziemlich spontan“, sagt sie lachend. Einzige Bedingung: „Ich muss an Weihnachten wieder daheim sein, sonst gibt’s Ärger.“ Egal, ob sie aus Buxtehude, Forstern oder Lansing zurückkehrt.

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