Rastislav Jedinak (r.) feiert mit Walter Schuhbauer den Aufstieg in die Bayernliga. In der Hand hält er ein großes Bierglas.
+
Das waren erfolgreiche Zeiten! 2008 führte Rastislav Jedinak (r.) die Handballmänner des SC Freising als Trainer in die Bayernliga. Hier feiert er mit dem langjährigen Abteilungsleiter Walter Schuhbauer.

FT-Serie „Was macht eigentlich...?“

Rastislav Jedinak: Vom Freisinger Handballer zum hessischen Landestrainer

Früher war Rastislav Jedinak einer der Eckpfeiler bei den Handballern des SC Freising. Seinem Sport ist er beruflich treu geblieben.

Seligenstadt/Freising – Anfang der 2000er Jahre war Rastislav Jedinak einer der Leistungsträger bei den Handballern des SC Freising. Viele schöne Jahre erlebte er in der Domstadt – und bis heute ist der mittlerweile 48-Jährige seiner Sportart treu geblieben. Derzeit ist er als Landestrainer beim Hessischen Handball-Verband (HHV) angestellt.

Rastislav Jedinak hatte gerade seine erste Auslandsstation in Österreich hinter sich, als nach seiner Rückkehr in die Slowakei das Telefon klingelte. Peter Mesiarik, damals Torhüter beim Sportclub Freising, meldete sich bei ihm und fragte nach, ob er sich nicht ein Engagement in dessen Verein vorstellen könnte. Nach einigem Überlegen – sein erster Sohn Nino war damals schließlich gerade erst ein Jahr alt – traf er die Entscheidung: Die Familie Jedinak zog in die Domstadt um. Von der höchsten Liga in der Slowakei ging es damit nach Deutschland in den Amateursportbereich.

Ein echter Allrounder auf dem Spielfeld

Er habe in Freising allerdings schnell seine zweite Heimat gefunden, schwärmt der 48-Jährige noch heute. Vor allem Ingrid Schuhbauer habe ihm wahnsinnig viel geholfen, es gab sowohl im sportlichen als auch im beruflichen Bereich immer beste Unterstützung. Mit den Freisinger Männern spielte Jedinak damals hauptsächlich in der Oberliga und überzeugte auf dem Feld als Allrounder. Lachend meint er: „Bis auf Torwart habe ich vermutlich alle Positionen gespielt.“ Er fühlte sich wohl in Freising, auch weil er aus familiären Gründen den Wechsel vom Profisport in den Amateurbereich machen wollte und hier dafür die besten Voraussetzungen vorfand.

Zeit für die nächsten Schritte

Noch während seiner Spielerlaufbahn übernahm der Slowake bei den SCF-Handballern bereits Trainerposten im Nachwuchsbereich – und im Alter von 35 Jahren wagte er den großen Schritt: Rastislav Jedinak beendete seine aktive Karriere und trainierte fortan für drei Jahre die Erste Herrenmannschaft: „Da war ich durchaus erfolgreich. In der ersten Saison haben wir gleich den Aufstieg in die Bayernliga geschafft und uns dann dort zwei Jahre lang gehalten.“ Und trotzdem war nach dieser Zeit Schluss in der Domstadt: „Ich wollte einfach meinen nächsten Schritt machen und in den Leistungsbereich zurückkehren.“

Der Bayerische Handball-Verband (BHV) bot Jedinak dafür die besten Möglichkeiten. Als Honorartrainer kümmerte er sich um die Auswahlmannschaften und fand sich langsam aber sicher in der Verbandsstruktur zurecht. Seine Aufgabengebiete wurden mit der Zeit immer umfangreicher, es kamen unter anderem diverse Fortbildungen hinzu: „Ich war viele Wochenenden für den Handball unterwegs“, betont Jedinak im Rückblick.

Passionierter Trainer: Rastislav Jedinak – hier noch im Sportclub-Dress – kümmert sich in Hessen um die Entwicklung junger Talente.

Fünf Jahre lang dauerte seine Tätigkeit beim BHV, ehe die Verbandskollegen aus Hessen beim heute 48-Jährigen anklopften: Im Nachbarbundesland wurde die Stelle als hauptamtlicher Landestrainer frei – und Rastislav Jedinak bewarb sich erfolgreich für diesen Posten. Die Aufgaben sind dabei ähnlich wie beim BHV – von der Sichtung der Auswahlmannschaften, der Kooperation mit den Schulen sowie der Unterstützung und Ausbildung von Trainern bis zur Vorbereitung der Talente für die Sichtungen des Deutschen Handballbunds (DHB). Nun allerdings in einer Festanstellung, die finanzielle Sicherheit bringt.

U17-Nationaltrainer in der Slowakei

Das hielt ihn jedoch nicht davon ab, sich nebenbei noch mit weiteren Handballern zu beschäftigen. 2018 übernahm er die weibliche U17-Nationalmannschaft der Slowakei, führte diese dann als U18 ein Jahr später zur Weltmeisterschaft: „Wir sind dort mit dem Ziel angetreten, uns in der A-Klasse zu halten.“ Das gelang mit einem zwölften Platz unter 16 Mannschaften einigermaßen souverän. Gerne hätte Rastislav Jedinak die Mädels aus seiner Heimat weiter betreut – doch die Corona-Pandemie machte ihm hier einen Strich durch die Rechnung: „Ich hätte jedes Mal 14 Tage in Quarantäne gemusst. Das ging einfach nicht. Trotzdem war die Zeit eine sehr schöne Erfahrung.“

Engagiert: 2018 übernahm Rastislav Jedinak das weibliche U17-Nationalteam der Slowakei.

In Hessen habe er trotz Corona derzeit viel zu tun, wie Rastislav Jedinak betont: „Die Kadermannschaften können ja weiterhin trainieren. Mir tut es aber für den Amateursport sehr leid, der durch die Pandemie wirklich schwer getroffen worden ist.“ Das werde man langfristig auch im Leistungsbereich merken, da ist sich der 48-Jährige sicher. „Es gibt schließlich viel weniger Anmeldungen beim Handball. Da fehlt der Nachwuchs. Man kann nur hoffen, dass es bald wieder besser wird.“

Die Söhne treten in die Fußstapfen des Vaters

Apropos Nachwuchs: Jedinaks ältester Sohn Nino ist mittlerweile 21 Jahre alt und unterschrieb kürzlich einen Vertrag bei der ESG Gensungen/Felsberg für die Dritte Liga. Der zweite Sohn Pascal ist mit seinen elf Jahren ebenfalls schon im Handball unterwegs. Beide entschieden sich für die Sportart ihres Vaters – sie hätten aber auch alles andere machen dürfen, betont der stolze Papa.

Mit seinen 48 Jahren sieht Rastislav Jedinak seine berufliche Zukunft weiter im Handball. Zwischendurch hatte er in seiner Freisinger Zeit auch etwas anderes versucht, war nach seinem Lehramtsstudium an Gymnasien in Freising und Neufahrn angestellt: „Der Handball war aber immer das Wichtigste, hier wollte ich den beruflichen Aufstieg schaffen.“ Was ihm durchaus gelungen ist. Er möchte weiterhin junge Talente entwickeln, Auswahlteams sichten. Aber Jedinak wäre auch nicht abgeneigt, wenn beispielsweise mal ein Bundesliga-Club anklopfen würde. „Man weiß ja nie.“

Seine schönste Zeit war die in Freising

Rückblickend bleibt seine schönste Zeit aber die in Freising, wo er viele Leute kennengelernt und er persönlich sowie mit der Familie eine wichtige Entwicklung durchgemacht hat. In Hessen fühlt er sich jedoch ebenfalls wohl, die Jedinaks wohnen in Seligenstadt. Und lachend meint der Ex-Freisinger: „Nach Bayern ist es von dort nicht weit. Wir sind direkt an der Grenze, nur der Main trennt hier die zwei Bundesländer.“ Vielleicht kommt’s ja irgendwann zur Rückkehr in seine zweite Heimat, die Domstadt.

Bernd Heinzinger

Zuletzt erschienen im Rahmen der FT-Serie: Lorenz Hecher: Eine Ringer-Karriere voller kolossaler Höhepunkte

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare