Gruppenfoto vom Pokalschwimmen 2019. Es sind viele Kinder mit Medaillen und Pokalen zu sehen.
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Ein Bild aus unbeschwerten Zeiten: Der Spaß wird bei den größtenteils jungen Sportlern des SV 77 Neufahrn groß geschrieben. Das Gruppenfoto vom Pokalschwimmen 2019 ist der beste Beweis dafür.

Sport und Corona

Schwimmverein 77 Neufahrn sitzt auf dem Trockenen

  • Andreas Beschorner
    vonAndreas Beschorner
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Die Schwimmer des SV 77 Neufahrn leiden sportlich ganz besonders unter der Corona-Pandemie. Ein Blick auf die Mitgliederzahlen verheißt nichts Gutes.

Neufahrn – Sie sitzen – und das im wahrsten Sinne des Wortes – seit gut einem Jahr die meiste Zeit auf dem Trockenen: die Mitglieder des Schwimmvereins 77 Neufahrn e.V. Auch das Vereinsleben liegt darnieder. Außerdem haben Vorsitzender Markus Kaitschick und sein Team einen Mitgliederverlust von rund zehn Prozent zu beklagen. Trotzdem: Man lässt sich von Corona nicht unterkriegen – und das Wasser steht dem SV 77 ja auch noch nicht bis zum Hals.

Es ist ein Auf und Ab für den Club: Erst der Lockdown ab März 2020, später konnten die Schwimmer aus Neufahrn – zum allergrößten Teil Kinder und Jugendliche – dann wenigstens in den Kraftraum, draußen durfte man seinerzeit Lauf- und Zirkeltraining machen, erinnert sich Kaitschick. Das Problem: Der Sommer war an vielen Tagen zu heiß für lange Laufeinheiten der Kinder. Immerhin: Vor den Sommerferien konnten die Neufahrner Schwimmer ihr Training im Freisinger Kombibad fresch abhalten. „Wir haben den Platz genutzt, so gut es ging“, erzählt Kaitschick über diese Zeit, in der man vor allem erst im 50-Meter-, dann im 25-Meter-Becken Techniktraining absolvierte. Während der Sommerferien waren die Sportler des SV 77 dann abermals zum Nichtstun verdonnert. Sogar das beliebte Sommerfest musste ausfallen, an Feiern war nicht zu denken.

Kurze Freude zwischen den Lockdowns

Nach den Ferien ging es jedoch mit zweimaligem Training pro Woche im fresch weiter. Dann endlich, nach weiteren sechs Wochen: Der SV 77 konnte sein angestammtes Domizil, das neufun, wieder nutzen. Nur die Wassergymnastik konnte und wollte man da nicht anbieten, weil die Teilnehmer ältere Menschen sind und zur Risikogruppe gehören, und weil die Trainerin im Krankenhaus arbeitet, berichtet Kaitschick. Doch lange währte die Freude nicht: Bevor man im November auch wieder mit der Wassergymnastik in Neufahrn loslegen wollte (getrennt in zwei Gruppen), kam der zweite Corona-Lockdown. Das neufun musste schließen, und die Schwimmer des SV 77 standen wieder ohne Wasser und ohne Trainingsmöglichkeiten da.

Das Vereinsleben liegt darnieder: An Fitness- und Konditionstraining in der Halle – wie hier in Vor-Corona-Zeiten – ist angesichts der aktuellen Inzidenzwerte im Landkreis Freising derzeit überhaupt nicht zu denken.

Zahl der Mitglieder zurückgegangen

Zwar gebe es beim SV 77 Duathleten und Triathleten, die ihr Schwimmtraining in einem See absolvieren könnten, für die „normalen“ Wettkampfschwimmer des SV 77 sei das jedoch nicht möglich, führt der SV-Vorsitzende aus: Das Wasser sei zu kalt, man habe keine Bahnen, und für Trainer sei es dann schwierig bis unmöglich, bis zu zehn Kinder im Auge zu haben. Die Folge all dieser Corona-Ereignisse: Von 312 Mitgliedern zu Beginn der Pandemie ist der SV 77 nun auf 281 Mitglieder geschrumpft. Vor allem die Jugendlichen hätten sich in den vergangenen Monaten eben andere Sportarten gesucht, in denen zumindest Training – und vielleicht sogar Wettkämpfe – stattfinden konnten, erzählt Kaitschick. Ein Problem, das es auch in anderen Sportarten gibt.

SV 77 verzichtet auf Online-Training

Online-Angebote? Das mache der SV 77 aus diversen Gründen nicht, erläutert der Vereinsvorsitzende: Zum einen stehe das Training im Wasser ganz klar im Vordergrund, und zum anderen sei das schwierig, weil man gerade bei Kindern genau aufpassen und hinschauen müsse, dass die ihre Übungen richtig machen, um nicht die Gesundheit zu schädigen. Außerdem sei manchen ehrenamtlichen Trainern, die oft genug auch in Schicht arbeiteten, so ein Online-Training zeitlich schon gar nicht möglich. Freilich: Für manch einen Sportler gab es schon individuelle Trainingspläne für Zuhause. Dazu schlossen sich Gruppen per Video-Chat zusammen und trainierten gemeinsam.

Unerfüllte Hoffnungen

Die vor einigen Wochen aufkeimende Hoffnung, der Inzidenzwert im Landkreis Freising könnte unter 50 fallen, was wieder Außensport möglich gemacht hätte, sei schnell wieder zunichtegemacht worden, sagt Kaitschick mit Blick auf einen seit Langem über 100 liegenden Wert. Man wäre bei warmen Temperaturen wieder in den Genuss gekommen, zumindest draußen gemeinsam Laufen zu können – „auch wenn Schwimmer das Laufen gar nicht gern mögen“. Erst bei einer Inzidenz von unter 35 könne man wieder Kondition und Fitness drinnen absolvieren. So oder so: Das Wichtigste beim SV 77 sei einfach, dass die Kinder und Jugendlichen Spaß haben. Doch auf den müssen sie nun schon seit über einem Jahr über weite Strecken hinweg verzichten.

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