Start des Moosburger Drei-Rosen-Laufs 2019. Die Läufer laufen los.
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Da hatte der Sport noch freie Bahn: Unter dem Namen „Drei-Rosen-Lauf“ feierte der Moosburger Stadtlauf im Juni 2019 einen gelungenen Neustart. 2020 fiel das Event wegen der Corona-Pandemie aus.

Corona und die Folgen für die Vereine

SG Moosburg: „Das blaue Auge wird wohl noch dunkler“

Hans Berger, der Vorsitzende der SG Moosburg, spricht im FT-Jahresinterview über die Corona-Folgen, das Solidaritätsprinzip und Political Correctness.

Moosburg – Mehr als 2150 Mitglieder zählt die SG Moosburg und ist damit einer der größten Vereine im Landkreis Freising. In zwölf Abteilungen versuchen 157 Übungsleiter, Assistenten und Übungsleiterhelfer, die Sportler bei ihren Hobbys zu unterstützen. Jedoch blieb es 2020 oft beim Versuch, denn allzu viel ging nicht bei der SGM. Bis auf die Schwimmer und den Breitensport sind alle anderen Sparten normalerweise in der Halle unterwegs. Harte Zeiten also für SGM-Vorsitzenden Hans Berger (59) und sein Team.

Herr Berger, wie haben Sie als Vorsitzender des Gesamtvereins das Corona-Jahr erlebt?

Schwierig, ganz schwierig. Wir mussten und müssen uns an die Vorgaben halten, die uns gegeben werden. Dabei ist es schon herausfordernd, dieses Auf und Ab nachzuvollziehen und den Überblick zu behalten. Der Bayerische Landes-Sportverband hat ja fast wöchentlich neue Regelungen herausgebracht. Wir waren im Büro stundenlang damit beschäftigt, herauszufinden, was wo und wie gemacht werden darf, und die entsprechenden Hygienekonzepte zu erstellen. Da stehst du dann an der Basis im Kreuzfeuer, du wirst teilweise von den eigenen Mitgliedern angegangen, weil sie nicht verstehen, warum manches nicht geht. Am schlimmsten war es am Anfang der Pandemie. Da hatte es teilweise von den Sportfachverbänden andere Anweisungen gegeben als vom BLSV.

Würden Sie manchmal gerne selber entscheiden?

Ich beneide keinen hohen Funktionär oder Politiker um die Entscheidungen, die zu treffen sind. Ich möchte nicht in deren Haut stecken. Aber manchmal wissen sie nicht, welche Konsequenzen ihre Entscheidungen an der Basis haben. Hin und wieder ist das fragwürdig.

Blickt auf ein hartes Jahr zurück: Hans Berger ist Vorsitzender der SGM – eines Vereins mit über 2150 Mitgliedern.

Welche Abteilungen waren oder sind denn besonders betroffen?

Unsere Kontaktsportler haben ein echtes Problem. Das sind beispielsweise unsere Kampfsport-Abteilungen, aber auch Handball und Boogie. Dort ist Körperkontakt das A und O – auf Dauer geht das nicht ohne. Da wurde auch erst relativ spät wieder gelockert, und der Trainingsbetrieb konnte mit Einschränkungen wieder starten. Und gerade als die ersten Trainingswochen hinter den Sportlern lagen und die Saison richtig beginnen sollte, lief man schon in den nächsten Lockdown. Da musst du dann schauen, dass du als Abteilungs- oder Übungsleiter deine Kinder und Sportler irgendwie bei der Stange halten kannst. Ganz schlimm war es in der Boogie-Sparte, in der die Teilnehmer immer weniger geworden sind. Wenn du nicht tanzen darfst, ist es aus. Da verlieren halt von den 25 oder 30 Leuten, die da sind, viele die Lust. Dann hat auch noch die Abteilungsleitung aufgegeben. Mittlerweile konnte Ersatz gefunden werden, und es geht mit der Boogie-Sparte weiter. Aber es werden deutlich weniger Teilnehmer sein.

Wegen dieser Begleitumstände empfinden viele Leute Sport im Verein als unzumutbar.

Hans Berger über Auflagen wie die Dokumentationspflicht

Wie schafft man es als Verein oder Übungsleiter, die Leute bei der Stange zu halten?

Einige Abteilungen wie etwa die Schwimmer stellen Online-Trainingskurse auf die Beine. Das Vitago-Studio in Moosburg bietet allen SGM-Mitgliedern freien Zugang zu den Online-Workouts an, was gut angenommen wird. Es hängt natürlich viel von der persönlichen Motivation ab. Durchhaltevermögen ist gefragt – man muss halt dranbleiben. Viele Möglichkeiten haben gerade die Heranwachsenden dazu in den letzten neun Monaten nicht gehabt. Und wenn man ehrlich ist, dann bleibt das die nächsten sechs Monate auch so. Dann hoffen wir, dass wir draußen wieder etwas machen können. Das hat im vergangenen Sommer gut geklappt. Der Breitensport, aber auch die Kampfsportler haben sehr viel nach draußen verlegt. Doch selbst bei den Aktivitäten unter freiem Himmel hattest du natürlich die Dokumentationspflicht. Wegen dieser Begleitumstände empfinden viele Leute Sport im Verein als unzumutbar. Überspitzt gesagt, bist du früher auf das Rad gestiegen und irgendwohin gefahren. Jetzt musst du erst ein Formular ausfüllen, bevor du dich aufs Radl setzt. Für viele ist das zu viel, die kommen dann einfach nicht mehr.

Aufgewertete Sportstätte: Nach zwei Jahren wurde die Solaranlage auf dem Dach der SGM-Halle von den Stadtwerken fertiggestellt – für den Vorsitzenden eines der wenigen Highlights 2020.

Gibt es bei der SGM den vom BLSV prognostizierten Mitgliederschwund?

Es gibt schon einen leichten Rückgang, aber der ist nicht so stark wie befürchtet. Wir sind bis jetzt mit einem blauen Auge davongekommen. Das blaue Auge wird aber wohl noch dunkler werden. So wie sich die Situation aktuell darstellt, ist nicht absehbar, dass es ab März radikal besser wird. Das, was da noch kommt, das werden wir erst in ein oder zwei Jahren finanziell zu spüren bekommen. Als Sportverein bist du finanziell eh immer am Limit. Natürlich gibt es Einnahmen, die auch weiterhin nicht wegbrechen werden. Aber wir finanzieren den Unterhalt unserer Anlage selber und haben daraus momentan keinerlei Einnahmen mehr zu verzeichnen. Nächstes Jahr sollten wir also hoffentlich schon wieder ein paar Veranstaltungen haben und die Abteilungen ihre Dinge wie gewohnt regeln können.

Gab es denn 2020 auch Highlights bei der SGM?

Erfreulich ist, dass das Solidaritätsprinzip bis jetzt absolut durchgehalten wurde. Jeder denkt sich, es muss ja weitergehen und handelt danach. Auch der Kontakt zu den Abteilungen ist wesentlich häufiger und tiefschürfender geworden als vorher. Sportlich hat es leider gar keine Höhepunkte gegeben, weil wir ja nichts machen konnten. Es gab keinen Stadtlauf, keine Wettkämpfe. Bei den Mannschaftssportarten ist die Saison überall abge- beziehungsweise unterbrochen worden. Ein Highlight für mich war allerdings, dass nach zwei Jahren endlich unsere Solaranlage auf dem Dach der SGM-Halle von den Stadtwerken fertiggestellt wurde.

Berger: Die Basis versteht das oft nicht mehr.“

Was finden Sie momentan nicht so gelungen?

Was mich persönlich als Amateursportler und ehemaligen Handballer etwas nervt, ist, dass der Profisport Tests zur Verfügung gestellt bekommt und dieses oder jenes doch machen darf. Mir ist klar, dass da Sponsoren-Interessen dahinterstecken und der Unterhaltungswert via TV hoch ist. Aber ich denke, die Basis versteht das oft nicht mehr. Wenn man sich da den Fußball anschaut, mit Leuten, die überdimensioniert verdienen, und dann bekommen sie auch noch Tests und Gesundheitsvorsorge auf dem Tablett serviert, was woanders fehlt. Das muss man einem, der nichts mehr tun darf, erstmal klarmachen. Das entspricht keiner Political Correctness. Mir ist schon klar, dass das gesellschaftsbedingt so ist und möglicherweise auch gewünscht wird – aber korrekt finde ich es eigentlich nicht.

Was wünschen Sie sich und den Mitgliedern?

Dazu möchte ich ein Zitat bringen, bei dem ich glaube, dass da etwas dran ist: „Der eine sieht nur die Bäume, Probleme dicht an dicht. Der andere sieht Zwischenräume und das Licht.“ Lasst uns alle positiv denken und das Beste aus der Situation machen, weiter Sport treiben, soweit es geht, und natürlich g’sund bleim! Das ist das A und O.

Interview: Josef Fuchs

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