Corona hat Vereine im Würgegriff

Shutdown für alle Hallensportler

Neue Verfügung der Staatsregierung bringt Tennisclubs mit Halle in finanzielle Schieflage

Landkreis – Aktuelle Neuentwicklung im Zuge der Corona-Pandemie: Aufgrund einer Änderung der Bayerischen Infektionsschutzmaßnahmenverordnung müssen seit gestern nahezu alle Indoor-Sportstätten geschlossen bleiben, einzig der Profi- und Schulsport bleiben im November in Innenräumen erlaubt – ein weiterer Rückschlag für den Sport und eine aus Sicht von hiesigen Funktionären nicht nachvollziehbare Maßnahme.

Bis Donnerstag, 23 Uhr, war die Welt für die Tennisvereine im Landkreis noch einigermaßen in Ordnung. Als Individualsport durften Tennis und Badminton auch im Lockdown Light betrieben werden. Vereine und Abteilungen hatten sich damit arrangiert, doch über Nacht platzte alles wie eine Seifenblase. Erst klagten Fitnessstudios erfolgreich auf eine Gleichbehandlung mit den Vereinen, dann reagierte die bayerische Staatsregierung und beschloss eine Schließung aller Sportstätten – Ausnahmen: Schul- und Profisport.

Beim Freisinger Tennisclub TC Rot-Weiß Freising hatte Clubchef Rainer Großkopf schon im Vorfeld klar gemacht, dass ein monatelanges Sportverbot mit dem Wegfall der Hallen-Abonnements für den Club schwierig werden könnte. Erst war er erleichtert über die Fortsetzung des Tennisbetriebs mit der Maßgabe, dass nur Einzel gespielt werden dürfen. Die Halle war ganztägig gut ausgelastet, doch nun steht der Vorstandschaft eine weitere Krisensitzung bevor. Großkopf rechnet mit einer längerfristigen Sperrung der vereinseigenen Halle, die in den vergangenen Jahren generalsaniert wurde. Ohne die Hallen-Abogebühren gerät der Club in eine finanzielle Schieflage. Eine erste Entscheidung gestern: Die bereits winterfest gemachten Plätze werden auch kurzfristig nicht geöffnet. Der Individualsport Tennis bleibt im Freien auch nach der Gesetzesänderung weiter möglich. Der Clubchef kritisiert die Staatsregierung für die viel zu kurzfristige Gesetzesänderung, auf die man sich gar nicht mehr einstellen konnte.

„Die älteren Herren spielen halt gerne Doppel“, sagt die Vorsitzende des TC Moosburg, Susi Weinhöpl, „und die bisherige Regelung war besser als nichts.“ Und dann änderte sich gestern doch wieder alles. „Wut und Unverständnis“ war die Reaktion der Funktionärin, die nun mit einer längerfristigen Schließung der Halle rechnet. Stornierte Abos werden zum finanziellen Faktor immer stärker wegbrechender Einnahmen. Eine Rückkehr auf die Außenplätze ist für sie kein Thema mehr.

Ganz anders ist die spontane Reaktion der SpVgg Zolling. „Sechs von unseren zehn Plätzen im Freien sind spielbereit“, sagt Abteilungsleiter Marcus Lehner. In Zolling habe man schon in den vergangenen Jahren so lange draußen gespielt, bis der Winter richtig hereinbrach. Der Sport ist weiter möglich, aber die Stimmung ist trotzdem im Keller. „Das macht alles keinen Spaß mehr“, sagt Lehner, „die sofortige Hallenschließung ist eine absolute Frechheit.“ Die Tennisabteilung der SpVgg muss bei einer Schließung über die nächsten Monate mit finanziellen Einbußen im fünfstelligen Bereich rechnen, während Darlehen für die im vergangenen Jahr sanierte Tennishalle weiter laufen. Die Sparte muss eine schwierige Entscheidung treffen. Was passiert mit dem Dreikönigsturnier. „Da hängen wir völlig in der Luft“, sagt Lehner. Vier Wochen vorher muss die Entscheidung fallen, aktuell haben die Zollinger den Bewerb angemeldet. „Wenn es möglich ist, dann werden wir das Turnier veranstalten“, sagt Lehner.

Richtig sauer war gestern Kurt Hauer, Trainer und Sportleiter des TSV Allershausen. „Das ist einfach nur eine Trotzreaktion der Staatsregierung“, sagte Hauer. „Dieses Jahr spielen wir nicht mehr“, lautet seine Prognose. Die Übungsleiter seiner Tennisschule sind bis zum Jahresende finanziell abgesichert. Sollte das Sportverbot dann mehrere Monate andauern, bekomme der eine oder andere Schwierigkeiten. Hauer hatte beim Nachwuchs das Teamtraining in den vergangenen Wochen bereits umgestellt, sodass ein Einzeltraining mit 30 Minuten möglich wurde. „Das wäre eine generelle Überlegung“, sagt Hauer bezüglich des sportlichen Mehrwerts für die Kinder. Nun stellt er frustriert fest, dass dies mit riesigem Aufwand erstellte Trainingskonzept nur wenige Wochen Bestand hatte. Bislang hatte er immer vollstes Verständnis für die Corona-Maßnahmen der Staatsregierung, aber gestern war das anders.

Auch die Badminton-Abteilung des TSV Neufahrn hatte ein Hygienekonzept. Es wurde zweimal wöchentlich trainiert, und mit dem Herunterlassen der Teilungswände konnten in drei Teilen der vereinseigenen TSV-Halle jeweils zwei Personen spielen. In zwei Schichten kamen so zwölf Spieler. Seit gestern haben auch Abteilungsleiter Martin Mayer und seine Spieler wieder Lockdown ohne Wenn und Aber.

Neuer Schock: Die bayerischen Tennisclubs dürfen ihre Hallen nicht mehr öffnen.

Rubriklistenbild: © Nico Bauer

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