Blick über die Schulter von Luis Hobmeier, der eine Partie Online-Schach spielt.
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Hochkonzentriert vor dem nächsten Zug: Luis Hobmeier und seine Mitspieler vom SC Moosburg wollen die K.O.-Runde der 4. Liga erreichen. Gegen den SC Ansbach reichte es zwar nur für ein 2:2-Remis, trotzdem eroberte die Mannschaft die Tabellenführung.

Schach

Tabellenführer! SC Moosburg startet in der Deutschen Schach-Online-Liga durch

Die Schachspieler des SC Moosburg sind heuer erstmals mit einem Team in der Online-Liga vertreten – und stehen in der 4. Liga Gruppe A nun sogar auf Platz eins.

Moosburg – Durch ein 2:2-Remis gegen den SC Ansbach hat das Team des SC Moosburg in der Staffel A der 4. Liga die Tabellenspitze übernommen. Die Rede ist von der Deutschen Schach-Online-Liga (DSOL). An der nehmen die Brettspieler aus der Dreirosenstadt heuer zum ersten Mal teil.

„Wir hatten das im vergangenen Jahr gar nicht so richtig mitbekommen, dass da etwas Neues stattfindet“, blickt Schachclub-Vorsitzender Roland Stangl zurück. „Jetzt, in der zweiten Saison der Online-Liga, sind wir mit einem Team dabei – und das, wie ich finde, recht erfolgreich.“

Sehr zufrieden ist Schachclub-Vorsitzender Roland Stangl mit dem bisherigen Abschneiden der Moosburger Mannschaft in der Deutschen Schach-Online-Liga.

Die erste Auflage der Deutschen Schach-Online-Liga fand im Sommer 2020 statt. Seinerzeit wurde dieses neue Mannschaftsformat, das dem Präsenz-Spielbetrieb so nahe wie möglich kommen soll, vom Deutschen Schachbund (DSB) in Zusammenarbeit mit dem technischen Partner ChessBase aus der Taufe gehoben. Mit dem Schachteam der SG Porz wurde am Ende sogar der erste offizielle Deutsche Meister in der DSOL gekürt.

Der Gedanke, der hinter der neuen Liga steckt, lässt sich aus der Ausschreibung für die zweite Spielzeit erkennen: „Die andauernde Corona-Pandemie hemmt weiterhin den Spielbetrieb in den deutschen Schachligen, und es ist regional unterschiedlich nur ein begrenztes Angebot für Mannschaftskämpfe verfügbar. Ein Großteil der Online-Spielmöglichkeiten richtet sich an Einzelpersonen und wird mit Blitz-Bedenkzeit gespielt. Viele Schachfreunde haben daher gerne das Angebot einer Deutschen Schach-Online-Liga angenommen und sich für eine Fortsetzung ausgesprochen“, schreibt das DSOL-Team um den DSB-Internet-Schachbeauftragten Frank Jäger.

So funktioniert die Online-Liga

Im Unterschied zum Blitzschach haben die beiden Kontrahenten am virtuellen Brett in der DSOL 45 Minuten Bedenkzeit und dazu weitere 15 Sekunden pro Zug. Jedes gemeldete Team besteht aus vier Stamm- und bis zu sechs Ersatzspielern. Alle gemeldeten Mannschaften werden entsprechend dem Wertungsdurchschnitt ihrer Stammspieler in Ligen mit je vier Staffeln eingeteilt. In den Staffeln, die in der Regel aus acht Teams bestehen, spielt jeder gegen jeden. An den Spieltagen treten dann jeweils vier Akteure einer Mannschaft gegen vier des Gegners an. Sollte es nach den vier Partien ein Siegerteam geben, so erhält dieses zwei Mannschaftspunkte, bei Unentschieden gibt es je einen. Die beiden Tabellenersten einer Staffel ziehen nach der Vorrunde in die Playoffs ein und ermitteln im K.O.-Modus den Meister der jeweiligen Liga. Dieser erhält einen Pokal – und darf dann unabhängig vom Wertungsdurchschnitt in der kommenden Saison eine Liga höher antreten.

Teilnehmerzahl stark gestiegen

Bei der Premiere im Sommer 2020 nahmen 240 Mannschaften mit insgesamt 1800 Spielern teil. In der zweiten Saison sind es 385 Teams mit über 3000 Akteuren, von der 1. bis zur 13. Liga. Pro Verein konnten beliebig viele Mannschaften angemeldet werden. Aus Moosburg ist aber nur eine mit von der Partie, obwohl laut Clubchef Stangl viele Leute angesprochen worden seien. Dabei habe es zum einen Vorbehalte gegeben, ob bei der Online-Variante nicht die Gefahr bestehe, dass unerlaubte Hilfsmittel verwendet werden, auch wenn dies verboten ist. Und zum anderen hätten einige einfach keine Lust gehabt, auch online fixen Terminierungen zu folgen. Die ersten Erfahrungen zeigten jedoch, „dass, wenn es so weitergeht, beim nächsten Mal möglicherweise mehr Mannschaften und Spieler aus Moosburg dabei sein werden“, berichtet SCM-Vorsitzender Stangl.

Auch Mathias Schwenck, der Kapitän des Moosburger Teams, findet zu seiner eigenen Überraschung enormen Spaß an dem neuen Format. Vor allem habe er bei sich festgestellt, dass die emotionale Freude über einen Sieg beim Online-Schach genauso groß ist wie am echten Brett. Daraus resultiere für ihn die Erkenntnis, dass das Wettkampfgefühl beim Schach wichtig sei. Was aber sehr wohl fehle, so Schwenck, sei der persönliche Kontakt zu den Mitspielern im Team. Dazu gehöre für ihn auch das anschließende Analysieren der Partien bei einem gemeinsamen Kaltgetränk im Clubheim.

Für ihn als Kapitän sei es bei der Online-Liga jedoch einfacher, die Performance seiner Kollegen im Blick zu haben. Eine Zuschauer-Option gestattet es, alle vier Partien gleichzeitig zu beobachten. „Manchmal kommt von einem Mitspieler die Frage, ob man das Remis-Angebot eines Gegners annehmen soll – und da ist es hilfreich, wenn man für eine Entscheidung alle Begegnungen sieht“, erzählt der Moosburger Kapitän. Außerdem erlaube es die Option den vielen interessierten SCM-Vereinskameraden, die Partien live zu verfolgen.

Verdachtsfälle werden genau analysiert

Die Sorge, dass im Onlinewettbewerb häufig unerlaubte Hilfsmittel zum Einsatz kämen, hat SCM-Clubchef Stangl nicht. Zum einen gehe es im Amateur-Schachsport doch um die Ehre, sodass auch ehrenhaft gespielt werde. Zum anderen hätten die DSOL und ihr technischer Partner ChessBase, ein führender Entwickler von Schachsoftware aus Hamburg, etliche „Anti-Cheating-Maßnahmen“ eingebaut. Beispielsweise überprüfen auf den Liga-Servern im Hintergrund Programme, ob auffällige Übereinstimmungen mit computergenerierten Spielzügen oder Partien vorkommen. Darüber hinaus gibt es eine Kommission, die gemeldete Verdachtsfälle im Nachgang genau analysiert. Laut Schwenck sind dort auch in dieser Spielzeit einige wenige Fälle geprüft worden – ein echter Verstoß wurde  allerdings nicht nachgewiesen.

SCM hat eine gute Ausgangsposition

Der SCM-Kapitän hatte vor der Partie gegen Schlusslicht Ansbach die Seinen gewarnt, dass der Gegner keinesfalls zu unterschätzen sei. Geholfen hat es allerdings wenig. Denn während der SC Moosburg die beiden vorderen Bretter mit Almir Azemovic und Matthias Melcher gewinnen konnte, kassierte man an Brett drei und vier mit Luis Hobmeier und Izudin Jasarevic jeweils Niederlagen. Das 2:2 reichte trotzdem zum Sprung an die Tabellenspitze. Zwei Spieltage vor Saisonende hat das Team nun eine gute Ausgangsposition, um die Playoffs der 4. Liga zu erreichen.

Josef Fuchs

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