Valentin Kopp, rechts hinter ihm ein Mitspieler von den Jungadlern Mannheim, im Hintergrund der Goalie
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„Es war eine extrem schöne Zeit, die ich auf keinen Fall missen will.“ Valentin Kopp, hier in der Saison 2014/15 im Trikot der Jungadler Mannheim, ist mit sich im Reinen – auch wenn es mit dem großen Traum nicht geklappt hat.

Serie: Was macht eigentlich...?

„Ich bereue diesen Entschluss nicht“: Eishockey-Talent Valentin Kopp hat seine Karriere früh beendet

Studium statt Eishockey: Valentin Kopp (23) aus Wang hat in jungen Jahren einen Schlussstrich gezogen und seine Karriere beendet. Bereut hat er den Schritt nie.

Wang/Mannheim – Valentin Kopp ist ein junger Mann, der trotz seiner erst 23 Jahre einen bemerkenswerten sportlichen Weg hinter sich hat: Zum einen wegen seiner frühen Eishockey-Erfolge mit den Jungadlern Mannheim – und zum anderen wegen der Konsequenz, mit der er seine Profi-Karriere verfolgt und letztlich 2018 beendet hat.

Derzeit absolviert das ehemalige Eishockey-Talent ein duales Studium bei der Firma ABB in Mannheim. Der Studiengang BWL-Industrie nimmt Kopp voll in Anspruch. Denn im Vergleich zu einem „normalen“ Bachelor-Studiengang sei die duale Variante noch zeitintensiver, meint der 23-Jährige. Drei Monaten mit theoretischen Vorlesungen und Prüfungen folgen drei Monate Praxisphase im Unternehmen, wo er unterschiedliche Bereiche durchlaufen muss. Die vorlesungsfreien Zeiten werden also im Betrieb zugebracht, der Jahresurlaub beträgt auch als Student 30 Tage.

Dreimal gewann Valentin Kopp mit Mannheim den DNL-Titel.

Für Valentin Kopp kein Problem. Ihm mache der Job und auch das Studium extrem viel Spaß – und genauso wie früher beim Eishockey arbeite er auch hier hart dafür, Erfolg zu haben. Dass er die Schlittschuhe und den Schläger dafür an den Nagel gehängt hat, habe er seit 2018 nicht einmal bereut. Damals stand der 20-Jährige vor der Entscheidung, bei welchem Verein er in der kommenden Saison Oberliga spielen möchte. In den beiden Jahren davor hatte er beim EV Landshut, den Red Bull Hockey Juniors Salzburg und dem EC Peiting reichlich Erfahrungen in dieser Klasse gesammelt. Und er wollte mehr.

Karriere gerät ins Stocken

„Noch ein drittes Jahr Oberliga, es kommen jedes Jahr neue junge Spieler hoch, ich trainiere jeden Tag wie ein Bekloppter, aber komme nicht weiter“, beschreibt Kopp seine Gefühlswelt von damals. „Da kam auf Dauer irgendwie auch Frust hoch. Weil man sich schon fragt, warum mache ich das überhaupt, wenn es nicht vorwärts geht? Daher habe ich mir nach der Saison Zeit genommen und das für mich reflektiert, habe überlegt: Wie sieht es aktuell aus, wo will ich hin? Denn so eine Karriere geht ja nur bis Mitte/Ende 30. Und was mache ich danach mit meinem Leben?“ Dann habe er für sich gesagt: „So, wie es jetzt gerade läuft, läuft es nicht, wie ich es gerne für die Zukunft hätte. Ich habe entschieden, dann höre ich jetzt auf. Das war keine leichte Entscheidung, weil es mir immer noch viel Spaß gemacht hat. Ich liebe Eishockey nach wie vor. Aber ich bereue diesen Entschluss nicht.“

Vom EV Landshut zu den Jungadlern

Bevor Valentin Kopp bei den Senioren in der Oberliga spielte, hatte er eine steile Karriere im Jugendbereich hingelegt: Er war mit den Jungadlern Mannheim dreimal in Serie (2014 bis 2016) Meister in der Deutschen Nachwuchsliga (DNL) geworden. Angefangen hatte alles als Knirps in der Laufschule des EV Landshut. Dort durchlief er dann sämtliche Schülerteams bis zur U 16. Im Spätherbst 2012 luden die Adler Mannheim das Talent aus Wang zum Probetraining ein. Trainer Helmut de Raaf war sehr angetan von Valentins Leistung und sagte, dass er ihn gerne in der Mannschaft haben würde. Für den damals 15-jährigen Rechtsaußen war sofort klar, dass er das Angebot annehmen möchte. Nach eigener Aussage hatte er damals nicht einmal Heimweh und fand die dreieinhalb Jahre als Jungadler bei Gasteltern und im Internat toll.

Heute steht für Kopp (23) sein duales Studium an erster Stelle.

Mannheim war damals bekannt für ein sehr hohes Leistungs- und Trainingsniveau im Nachwuchsbereich. Dazu fand Valentin auch den Schulwechsel von Moosburg nach Mannheim positiv: Während in der Dreirosenstadt nach Meinung der Schulleitung Leistungssport und Abitur nur schwer zu vereinbaren seien, lief das im Jungadler-Internat – trotz des Besuchs eines normalen, öffentlichen Gymnasiums – ganz selbstverständlich.

„Ich fand die Zeit bei den Jungadlern überragend. Allein diese Gemeinschaft im Internat und die sportlichen Erfolge. Ich bereue also weder, dass ich nach Mannheim gegangen bin, noch, dass ich in meiner Jugend so viel Zeit in den Sport gesteckt habe“, erläutert der BWL-Student. „Weil das alles Erfahrungen sind, die extrem geil waren. Ich habe Sachen erlebt, die erleben normale Jugendliche nicht.“

Der Traum von Nordamerika platzt

Nach der Zeit bei den Jungadlern wollte Valentin Kopp im Jahr 2016 seinen großen Traum verwirklichen und wie sein Eishockey-Idol Claude Giroux von den Philadelphia Flyers in Nordamerika spielen. Der Plan damals lautete, dort für die Aberdeen Wings (South Dakota) in der Juniorenliga NAHL durchzustarten und in der Folge ein Eishockey-Stipendium an einem College zu ergattern. Doch während beim ersten Probetraining im März noch alles nach Wunsch lief, scheiterte das deutsche Talent aus Wang im Sommer-Tryout und durfte nach sieben Wochen wieder die Heimreise antreten. „Man könnte auch sagen, an diesem oder jenem hat es gelegen. Ich zerbreche mir da im Rückblick jedoch nicht den Kopf“, sagt Valentin Kopp heute. „Klar, es war schade, dass es nicht geklappt hat. Aber unterm Strich muss ich sagen, es hat für drüben nicht gereicht. Es ist auch keine Schande. Danach wollte ich in Deutschland probieren, dass ich Profi werde.“

Zeit war reif für einen neuen Lebensabschnitt

Zwei Jahre später hat der dreifache DNL-Champion allerdings auch dieses Unterfangen beendet und stattdessen einen Schlussstrich unter das Kapitel Profi-Eishockey gezogen. Es sei ihm lieber, das mit Anfang 20 zu machen, als erst mit 30 festzustellen, dass es mit dem großen Traum nicht geklappt hat. Denn dann sei es deutlich schwieriger, eine vernünftige Ausbildung und einen anständigen Job außerhalb der Eishalle zu bekommen, betont Valentin Kopp.

Er habe auch heute noch viele Freunde und Bekannte im Eishockeysport, „die jetzt gerade mit Anfang 20 in die DEL reinschnuppern und auch Eiszeit bekommen. Das freut mich sehr für sie, und ich schreibe auch öfter mit denen – aber mich juckt es trotzdem nicht in den Fingern. Ich habe damit abgeschlossen. Es war eine extrem schöne und spaßige Zeit, die ich auf keinen Fall missen will. Für mich hat schon seit längerem ein neuer Lebensabschnitt angefangen.“

Dass er nach dem Studium nochmal hobbymäßig auf das Eis zurückkehrt, möchte der 23-jährige aus Wang keineswegs ausschließen. Dann aber wohl nicht für den EV Moosburg oder den EV Landshut. Denn mittelfristig sieht Valentin Kopp seine private und und auch seine berufliche Zukunft in Mannheim.

Karrieredaten:

■  2017/18: EC Peiting.

■  2017/18: Red Bull Hockey Juniors Salzburg.

■  2016/17: EV Landshut.

■  2013/14 bis 2015/16: Jungadler Mannheim (dreimal Deutscher Meister).

■  2012/13: Jungadler Mannheim U 16.

■  2011/12 bis 2012/13: EV Landshut U 16.

■  2010/11: EV Landshut U 14.

■  2013 bis 2017: zahlreiche Einsätze in den Deutschen U17- bis U20-Nationalmannschaften.

Josef Fuchs

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